Vossenack - Jagd auf Stürme, Gewitter und extreme Wettergeschehnisse

Jagd auf Stürme, Gewitter und extreme Wettergeschehnisse

Von: Stephan Johnen
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Die Höhengemeinde ist nicht u
Die Höhengemeinde ist nicht unbedingt das beste Revier für die Sturm-Jagd, doch manchmal hat ein „Storm-Chaser” Glück. Dieses Foto entstand quasi vor der Haustür von Andreas Holz. Foto: entstand quasi vor der Haustür von Andreas Holz.

Vossenack. Aus heiterem Himmel ist Andy Holz nur selten von einem Gewitter überrascht worden. Denn wenn sich etwas zusammenbraut, hat der 27-Jährige aus Vossenack schon viele Stunden vor dem Wetterradar ausgeharrt.

Er weiß, wie sich Hochdruck- und Tiefdruckgebiete verschoben haben, er hat die Niederschlagsdaten im Blick, die Windgeschwindigkeiten. Kurzum: Andy Holz will im Vorfeld wissen, wann am Himmel die Hölle los ist, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Der Vossenacker ist „Storm-Chaser”, ein Sturm-Jäger. Und die Saison hat begonnen.

„Storm-Chaser” machen Unwetter aus, um sie zu verfolgen, sie zu beobachten und sie mit der Kamera festzuhalten. „Naturgewalten üben eine Faszination auf mich aus”, sagt Andy Holz. Der 27-Jährige ist Feuer und Flamme, wenn er die Wolkenformationen erklärt, über Sturmwinde referiert und verschiedene Gewitterarten auflistet. Doch es sei kein meteorologischer Katastrophen-Tourismus, der ihn antreibt, die Stürme in der Region zu verfolgen. Was ihn antreibt, sei vielmehr die Erfassung von Extremsituationen, die wissenschaftliche Aufbereitung.

Andreas Holz kennt die Gefahren, die eine Sturmfront birgt, er kennt die Abstände, die man als Jäger zum Objekt der Begierde einhalten sollte, um nicht selbst von einem Blitzschlag getroffen zu Boden zu gehen. So eindrucksvoll und ästhetisch ein Gewitter auch sein mag: „Ich weiß, wann ich abhauen muss”, sagt Holz und fügt hinzu: „Wer den Adrenalin-Kick sucht, hat das Ziel nicht verstanden. Es geht bei der Sturm-Jagd darum, Wettergeschehnisse zu dokumentieren.”

So schließt sich für den Chemie-Ingenieur auch der Kreis zwischen seinem Hobby und seiner Profession, der Naturwissenschaft. „Storm-Chaser” verfolgen nicht nur die Stürme, um sie für die Sammlung zu fotografieren. Ihre Beobachtungen sind Teil einer breitgefächerten Meldekette. „Storm-Chaser” melden beispielsweise Hagel ab zwei Zentimeter Durchmesser, Wolkenbrüche, Sturmböen/Orkanböen und Tornados.

Letztlich fließen all diese ehrenamtlich von vielen Menschen im ganzen Bundesgebiet gesammelten regionalen Daten auch in die Arbeit des Deutschen Wetterdienstes ein. In anderen Ländern gibt es ebenfalls solche Netzwerke von Meldern. „Wetter fällt nicht vom Himmel”, sagt Andreas Holz. Prognosen erst recht nicht. Es ist eine Wissenschaft für sich, aus allen Messdaten etwas Verwertbares zu gewinnen.

Wie schwer das ist, weiß der Vossenacker aus eigener Erfahrung. Stürme jagt er erst seit sieben Jahren, doch seit seiner Kindheit ist er vom Wetter fasziniert. Die erste Wetterstation hat er 1998 geschenkt bekommen, zu Weihnachten. Statt Karl May las Andy Holz Abhandlungen über Meteorologie. Die Wetterstation, die heute im Garten steht und vollautomatisch arbeitet, ist kein Kinderspielzeug mehr.

Über Temperatur, Wind und Niederschlag kam Holz zu den Stürmen. Der Führerschein spielte auch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Schließlich sind er und seine Kollegen bis Ende der Saison im August an manchen Tagen Hunderte Kilometer unterwegs - nach Stunden oder Tagen der Vorbereitung. „Wenn wir nichts fangen, ist das nicht schlimm”, sagt Holz. Fotografie ist ein weiteres Hobby. Neben Sturmfotos schieße er gerne auch Landschaftsaufnahmen.

Und wie wäre es mit einer Wetterprognose für unsere Leser in der Höhengemeinde? „Es bleibt beim Aprilwetter”, mutmaßt der Experte und schmunzelt. Für die kommenden Tage rechnet Holz mit Temperaturen um die zehn Grad - und weiterhin wenig Niederschlag. „Manche Rechenmodelle werfen auch 25 bis 27 Grad aus, doch daran glaube ich nicht”, fügt er hinzu. Es bleibt, wie es immer war: Prognosen sind schwierig. Besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.

Die eigene Wetter-Seite im Internet

Seit dem Jahr 2005 ist Andy Holz Mitglied eines Netzwerks von zwölf Wetterbeobachtern, die täglich das „Eifelwetter” unter die Lupe nehmen. Der Vossenacker kümmert sich dabei um die Wettertrends, also die Voraussagen für einen Horizont von 14 bis 16 Tagen.

Der Hobby-Meteorologe mit eigener Wetterstation im Garten erstellt allerdings auch Vorhersagen nur für Vossenack und die Höhengemeinde Hürtgenwald.
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