Ist der Kicker im Jahr 2020 noch zeitgemäß?

Von: Stephan Johnen
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Tisch-Kicker gibt es beinahe in jedem Jugendtreff. Im neuen Jugendförderplan soll es aber viele Neuerungen geben. Foto: stock/Jochen Tack

Düren. Wie sieht die Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Düren im Jahr 2020 aus? Welche Antworten gibt sie auf gesellschaftliche Herausforderungen? „Der Tisch-Kicker im Jugendheim wird immer noch gefragt sein“, mutmaßt Berthold Becker vom Jugendamt der Stadt.

„Bei anderen Themen müssen wir aber auch neue Wege gehen“, sagt der Leiter der Abteilung „Sozialpädagogische Dienste“. Um der Frage nachzugehen, welche Angebote Kinder und Jugendliche in Zukunft brauchen, setzt das Jugendamt auf eine sehr breite Beteiligung aller Akteure und Bevölkerungsgruppen.

In sogenannten Sozialraumkonferenzen können sich neben Mitarbeitern des Amtes auch Vertreter von Vereinen und Verbänden, Schulen, Politiker und soziale Einrichtungen einbringen. „Der Weg ist nicht unbedingt das Ziel, aber er ist uns wichtig“, sagt Becker. In die Fortschreibung des Jugendförderplans, in dem die Jugendarbeit der Zukunft festgelegt wird, sollen möglichst viele Menschen ihre Ideen eingebracht haben.

Auch der Kontakt zu den politischen Jugendorganisationen wird gesucht. „Ganz besonders freut es mich, dass beispielsweise am Montagabend in Düren Süd-Ost viele Jugendliche die Chance genutzt haben, mit Erwachsenen über ihre Vorstellungen zu reden“, sagt Becker.

Diesem Zweck dient auch eine Umfrage, an der sich Kinder und Jugendliche online noch bis Ende der Herbstferien unter www.du-bewegst-dueren.de beteiligen können. Um den Fragebogen beantworten zu können, ist ein Codewort erforderlich, das es in den Schulen und in den Jugendeinrichtungen gibt. Bis Ende des Jahres sollen Vorschläge gesammelt werden, die dann in die Arbeit des Jugendamtes einfließen. Die Politik hat dann das letzte Wort.

Rund 13.000 Kinder und Jugendliche leben im Stadtgebiet, sehr viele von ihnen im Südosten der Stadt. Etwa 1600 Kinder und Jugendliche sind regelmäßige Besucher in den Jugendeinrichtungen und nehmen Angebote der Mobilen Jugendarbeit an. Der Migrationsanteil sei in dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch, der pädagogische Betreuungsbedarf höher.

„Jugendarbeit ist Vorsorge“, ist Berthold Becker überzeugt. Jugendtreff-Besucher von heute seien die Väter und Mütter von morgen. „Wir sollten die Chance nutzen, Jugendliche auf ihrem Weg des Erwachsenwerdens unterstützend zu begleiten“, sagt er. Es gehöre aber auch dazu, dass Jugendliche Spaß haben, sich ausprobieren und mit dem Leben experimentieren können.

Die auf den ersten Blick kleine Zahl der mit diesen Angeboten Erreichten liege über dem Landesdurchschnitt, wertet Becker die bereits vor 40 Jahren getroffene Entscheidung, dezentrale Angebote zu schaffen, nach wie vor als wegweisend. Die bisherigen Rückmeldungen zeigten aber auch, dass an der Ausstattung der Jugendtreffs etwas getan werden müsse.

„Wir reden da nicht über einen neuen Anstrich“, sagt er. Ein Fotolabor locke beispielsweise im Digitalzeitalter kaum noch jemanden an. Gedanken müssten sich die Stadt und die freien Träger der Jugendhilfe auch darüber machen, welche Alternativen es für wegfallende Immobilien wie das Roncalli-Haus der Pfarre St. Lukas gibt.

Um in Zukunft mehr Jugendliche und Kinder zu erreichen, möchte das Jugendamt die (Sport-)Vereine der Stadt, in denen rund 4000 Kinder organisiert sind, besser unterstützen. „Die bisherigen Gespräche haben uns gezeigt, dass sich die Vereine selbst mehr pädagogische Begleitung des Ehrenamtes wünschen“, schildert Becker. Auch soll die Jugendarbeit mehr in Richtung Schulen ausgeweitet werden.

„Wir erreichen viele Jugendliche mit unseren Angeboten nicht“, bilanziert Becker. Jugendhilfe müsse, in welcher Form auch immer, „am Ort Schule“ präsent sein. Jugendarbeit sei ein wichtiger Faktor in der Bildungslandschaft, es gehe um Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen. Auf der Wunschliste der Jugendlichen stünde neben einem Jugendcafé in der Innenstadt auch eine Skaterhalle. „Viele Jugendliche wollen sich sportlich betätigen – abseits der Vereine“, berichtet Becker. An dieser Stelle könne die Stadt helfen, Brücken schlagen.

„Wenn über den demografischen Wandel gesprochen wird, liegt der Fokus oft auf den älteren Generationen. Wir dürfen nicht die Jugend vergessen. Wir können es uns nicht leisten, jemanden zu verlieren“, betont Berthold Becker.

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