Düren - Interview: Wie Evivo den Abstand zur Spitze verkleinern soll

Interview: Wie Evivo den Abstand zur Spitze verkleinern soll

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Hat wie Mittelblocker Georg Klein und Außenangreifer Sebastian Gevert noch einen Vertrag für die kommende Spielzeit: Annahmespezialist Matthias Pompe. Foto: Guido Jansen
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Ziehen Bilanz und blicken voraus: Erich Peterhoff und Rüdiger Hein.

Düren. Wenn sich die Hauptrunde der Volleyball-Bundesliga dem Ende neigt, Trainer und Spieler um den besten Platz für die Play-off-Runde kämpfen, dann beginnt spätestens für Geschäftsführer und Manager der Vereine die Vorbereitung auf die neue Saison. Beispielsweise für Rüdiger Hein und Erich Peterhoff.

Der Geschäftsführer von Evivo Düren und der Geschäftsführer der gepe Gebäudedienste Peterhoff GmbH, einem der Hauptsponsor des Erstligisten, beschäftigen sich unter anderem mit dem Etat für die Saison 2014/2015. Die wird eine Jubiläumssaison: Anfang 1965 wurde in Düren am jetzigen Wirteltor-Gymnasium eine Volleyball-AG gegründet, dann entstand aus ihr eine Abteilung des Dürener TV, der Ursprung des Erstliga-Volleyballs in Düren. Mit Rüdiger Hein und Erich Peterhoff sprach unser Redakteur Franz Sistemich vor der heutigen Partie gegen den Moerser SC (Anpfiff 19.30 Uhr) über aktuelle Themen.

Herr Hein, Herr Peterhoff, der Moerser SC zieht sich aus finanziellen Gründen aus der Bundesliga zurück, da ihm größere Sponsoren die Verträge gekündigt haben. Und auch Generali Haching steht vor dem Abschied, weil wegen des Rückzuges des Versicherungskonzerns eine Million Euro fehlt. Düren musste vor zwei Jahren die Notbremse ziehen. Wie sieht die aktuelle Lage aus?

Erich Peterhoff: Wir haben in der Tat nach der Fehlentwicklung in der Saison 2011/12 konsequente Maßnahmen umgesetzt, da unser Konsolidierungskurs gefährdet schien. Seit Jahren arbeiten wir erfolgreich an der wirtschaftlichen Gesundung des Clubs. Wir haben jetzt – finanziell wie sportlich – zwei erfolgreiche Spielzeiten hinter uns, auch weil unser Sportlicher Leiter Goswin Caro mit unserem Trainer Michael Mücke Teams zusammengestellt hat, die mit ihrer emotionalen Spielweise Sponsoren und Fans die Freude am Volleyball zurückgegeben haben und das unter Beibehaltung des vorgegebenenAusgabenbudgets. Hein: Dies zeigt sich auch in den Zuschauerzahlen. Obwohl wir einige Mittwochsspieltage hatten, an denen generell der Zuschauerzuspruch nicht so gut ist wie an Samstagen, liegen wir mit einem Schnitt von 1600 Zuschauern pro Spiel voll im Plan. Vor allem aber können wir uns auf einen großen Kreis treuer Sponsoren verlassen. Wir sind deshalb sehr stolz auf das Vertrauen, dass uns diese Sponsoren in all diesen Jahren und vor allem in den beiden vergangenen Spielzeiten entgegengebrachten. Peterhoff: Ich würde mir allerdings mehr Präsenz der politischen Spitze bei unseren Spielen wünschen. Das sportliche Aushängeschild der Stadt und der Region muss auf allen Ebenen unterstützt werden. Regionalmarketing kann man nicht erfolgreicher und beständigerumsetzen.

Werden Sie den Konsolidierungsprozess in der Spielzeit 2014/15 schon abschließen können?

Peterhoff: Nein. Wir bauen kontinuierlich Altlasten ab und erarbeiten uns damit die Perspektive, nach Abschluss dieses Prozesses wieder in sinnvolle Maßnahmen in und um das Team zu investieren. Dieser Prozess wird nicht schon im Laufe der nächsten Saison abgeschlossen sein. Wir sind aber auf einem guten Weg und können den Spielern professionelle Rahmenbedingungen bieten.

Sind Sie also angesichts der finanziellen Möglichkeiten mit der Leistung des Teams zufrieden?

Hein: Das sind wir. Platz 5 entspricht dem Leistungsvermögen. Wenn das Team einen sehr guten Tag erwischt, dann sind auch Heimsiege wie gegen den Deutschen Meister Berlin Recycling Volleys möglich. Das ist unser Anspruch, in unserer Festung Arena die Spitzenteams auch mal mit Hilfe der Fans niederringen zu können. Ansonsten ist die Saison, sieht man von der vermeidbaren Niederlage beim Moerser SC ab, bisher wie gewünscht verlaufen. Peterhoff: Wir wollen den Abstand zu den führenden Teams kontinuierlich verringern. Aber die Etats der Spitzenclubs von Friedrichshafen, Berlin und Unterhaching liegen nach unserer Einschätzung um das Zwei- oder Dreifache über unserem Haushalt. Über unsere Größenordnung lächelt ein Drittligist im Fußball. Dennoch glaube ich, dass auch jetzt in der einen oder anderen Partie mehr möglich gewesen wäre.

Zum Beispiel?

Peterhoff: Zum Beispiel im letzten Heimspiel gegen den Bühler TV. Mir fehlten bei einzelnen Spielern und bis auf den dritten Satz der nötige Biss und der feste Glaube daran, diese Partie am Ende gewinnen zu können. Bei den Gewinnsätzen des TV Bühl erkannte man den Unterschied, weil dessen Nationalspieler eine starke Leistung abrufen konnten. Doch man sah auch: Wenn unsere Mannschaft 100-prozentig konzentriert agiert und wenn sie Biss und Emotionalität zeigt, dann geht gerade in der Arena viel. Das hätte ich in der Partie gegen Bühl in allen Sätzen und von allen unseren Spielern erwartet.

Auch mit Blick auf die Play-off-Runde, in der Bühl der ersten Gegner sein könnte?

Peterhoff: Gerade auch mit Blick auf die Runde der letzten acht Teams, wäre dies das Zeichen gewesen: Die Arena ist unsere Festung.

Der fünfte Tabellenplatz, den Evivo jetzt belegt, berechtigt zur Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb. Würde Evivo sich der europäischen Herausforderung stellen?

Hein: Diese Entscheidung ist noch nicht gefallen. Auch wenn die Spieler sich den europäischen Wettbewerb verdient haben, muss man ganz nüchtern feststellen: Im Gegensatz zum Fußball, in dem die Clubs selbst in der Europa League viel Geld verdienen können, ist für einen Volleyballverein ein europäischer Wettbewerb immer ein Verlustgeschäft. Das haben wir ja selbst in der Champions League leidvoll erfahren müssen. Wir prüfen daher gewissenhaft, ob dieses finanzielle Risiko vertretbar ist.

Die Deutsche Volleyball-Liga hat einen Masterplan verabschiedet, der von den Vereinen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes professionellere Strukturen verlangt, der aber auch den Vereinen Einnahmen verspricht...

Hein: ...zunächst müssen aber die Vereine investieren. Zum Beispiel verlangt die DVL einen hauptamtlichen Manager. Die Personalkosten für diesen Manager fehlen aber bei den Investitionen für die Mannschaft, es sei denn, man geht davon aus, dass der Manager sich durch Umsatzakquise bezahlt macht. Die Situation jedes einzelnen Vereins muss dabei aber genau beachtet werden. Darüber wird Evivo noch in den Gremien der Liga zu sprechen haben. Der Masterplan ist im übrigen nicht fest gegossen, sondern kann in Teilbereichen hinterfragt und gegebenenfalls auch geändert werden. Peterhoff: Ich behaupte, dass wir mit unserer Mischung aus Ehrenamt und professioneller Struktur besser aufgestellt sind als viele andere Clubs in der Liga.

Die kommende Saison wird die Jubiläumssaison sein: 50 Jahre Volleyball in Düren. Was planen Sie an Aktionen? Und: Wird es wieder einen Umbruch im Team geben wie in den vergangenen Jahren?

Hein: Zu Ihrer ersten Frage: Wir wollen Spieler aus allen Jahrzehnten im Frühjahr 2015 zu einer Begegnung einladen und nach dieser Partie mit ihnen, unseren Fans und den Sponsoren feiern. Außerdem setzen wir bei den Spielen auf Aktionen, mit denen wir noch mehr Fans in die Arena Kreis Düren lockenwollen. Peterhoff: Das Gesicht der Mannschaft hängt von den Verhandlungen, unserem Etat und dem Spielermarkt ab. Kontinuität ist immer gut, die müssen wir aber zuerst auf der Einnahmenseite sicherstellen. Ich bin da guter Dinge, wir wollen selbstverständlich unseren Fans und den Sponsoren wieder ein attraktives Team bieten. Vom aktuellen Kader haben für die Spielzeit 2014/2015 Annahmespieler und Außenangreifer Matthias Pompe, Mittelblocker Georg Klein und Diagonalangreifer Sebastian Gevert noch einen bestehenden Vertrag. Wir werden den Markt aufmerksam beobachten, schließlich zieht sich wohl der Moerser SC zurück, und auch die Zukunft von Generali Haching ist ja noch ungewiss.

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