Interview: Auch auf Tour schläft es sich im eigenen Bett am besten

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Kalle Pohl greift seit geraumer Zeit bei seinen Auftritten wie hier im Aachener Jakobshof auch zum Akkordeon. Foto: Veranstalter

Düren. Auch zwölf Jahre nach dem Ende von „7 Tage, 7 Köpfe“ wird Kalle Pohl noch oft auf die Erfolgssendung angesprochen. Inzwischen fühlt er sich auf der kleinen Bühne aber am wohlsten. Am Donnerstag, 7. September, kommt der Komödiant mit seinem Programm „Selfi in Delfi“ ins „Komm“-Zentrum.

Im Gespräch mit unserer Volontärin Kristina Toussaint erzählt er, wie er im Tour-Alltag Ruhe bewahrt und wie es sich anfühlt, nach Düren zurückzukehren.

Herr Pohl, der Titel Ihres aktuellen Programms „Selfi in Delfi“ nimmt den Selbstdarstellungsdrang in den sozialen Medien aufs Korn. Pflegen Sie Ihr Facebook-Profil selbst?

Kalle Pohl: Meine Mitarbeiter aus der Agentur rufen immer wieder an, um mir zu sagen, dass ich etwas posten soll. Manchmal habe ich Lust dazu, manchmal auch nicht. Einige sind ja regelrecht gefesselt an ihre Geräte – ich vergesse sogar manchmal mein Handy zu Hause. Es gibt aber natürlich auch Angebote, die sehr hilfreich sind, Wikipedia finde ich zum Beispiel super.

Das Programm umfasst auch die „Weltpremiere“ Ihres Musicals – bedeutet das, dass Sie erst in diesem Programm Ihre Liebe zur Musik zufriedenstellend ausleben können?

Pohl: Nein, das ist im Vergleich zu den vorigen Programmen gleich geblieben. Früher hatte ich nur die Gitarre mit auf der Bühne, heute auch das Akkordeon. Mir ist die Abwechslung wichtig: Zu lange Stand-Up-Stücke sind mir zu langweilig, ich mache deshalb zusätzlich Gedichte, ich mache Lieder auf dem Akkordeon und Dialoge mit Hein Spack.

Wie gehen Sie es an, wenn Sie ein neues Programm schreiben?

Pohl: Erstmal Pause machen! Ich habe immer schon gerne Pausen gemacht, als zum Beispiel meine Tochter kam, hab ich die Bühne ausgelassen, und mich nur noch auf das Fernsehen konzentriert. Das ist auch einer der Gründe, warum mir nicht mehr so sehr die Bude eingerannt wird. Früher habe ich in Riesenhallen gespielt, zusammen mit Bernd Stelter, aber da stimmt vieles nicht. Rein geschäftlich ist das natürlich eine Leistung, aber ich finde, wenn man in so großen Hallen spielt, ist irgendwie etwas aus den Fugen geraten.

Trotz aller Abwechslung: Sie machen das Programm inzwischen im dritten Jahr. Reicht es einem dann auch irgendwann?

Pohl: Ich spiele das Programm gar nicht so oft im Jahr, deshalb bin ich es auch nicht leid. Wenn ich ein Programm geschrieben habe, mache ich sechs bis zehn Testabende vor der Premiere. Auch nach 30 oder 40 Abenden kann sich das Programm dann noch verändern. Es gibt auch manchmal Sachen, die ich irgendwann leid bin und rausnehme. Letztes Jahr habe ich aber zum Beispiel auch noch eine neue Nummer ins Programm genommen: einen Dialog mit Hein Spack über die AfD.

Sie spielen ja seit einigen Jahren auch Theaterkomödien. Was gefällt Ihnen besser: Theater oder Soloprogramm?

Pohl: Beides. Ich bezeichne mich gerne als Komödiant, und damit meine ich auch das Schauspielerische. Das ist glaube ich auch das, was mich von anderen, reinen Stand-Up-Comedians unterscheidet. Komiker arbeiten körperlich: mit Händen Füßen und Gesicht. Gestik und Mimik gehören also dazu. Schauspiel hat für mich immer eine große Rolle gespielt, daher habe ich auch in meinem Programm immer mehrere Rollen. Bei meinen bisherigen Komödien hatte ich das Glück, mir aussuchen zu können, welche Stücke ich mache und habe dann auch immer die Hauptrollen bekommen.

Wie verläuft bei Ihnen das Tour-Leben? Zurzeit sind Sie ja viel in NRW unterwegs, fahren Sie dann häufiger mal nach Hause?

Pohl: Wenn es irgendwie geht, komme ich immer noch nach Hause. Ich bin sogar schon von Rügen 700 Kilometer nach Hause gefahren. Wenn ich von der Bühne komme und ins Hotel gehe, bin ich sowieso noch drei Stunden wach und kann dann in der Zeit auch Auto fahren. Zu Auftritten fahre ich heute aber rechtzeitiger los als früher, manchmal sogar einen Tag vorher. Und wenn ich dann im Hotel übernachte, schlafe ich gerne lang, stehe dann um 12 Uhr auf und gehe frühstücken, bevor ich zum Auftritt weiterfahre.

Wie entspannen Sie sich nach einer Tour?

Pohl: Ich bin gerne mal faul und verbringe gerne Zeit in meinem Domizil in Spanien. Am Theater Braunschweig habe ich zum Beispiel einen Monat durchgehend jeden Abend gespielt – danach habe ich dann auch gerne erst einmal wieder Ruhe.

Kann man nach so vielen Jahren im Geschäft zu 100 Prozent zwischen Bühnenperson und Privatperson trennen? Oder finden Sie sich manchmal auch privat in der Rolle des „Alleinunterhalters“?

Pohl: Selten. Was unsereiner aber macht, ist, dass wir Menschen in der Bahn beobachten oder über Dinge in der Zeitung lesen und direkt auch beruflich darüber nachdenken: Kann man da eine Nummer draus machen? Aber dem Beruf ständig „verhaftet“ zu sein, ständig in der Rolle zu sein, das stelle ich mir schlecht vor.

Wenn Sie in Düren auftreten, sind da bekannte Gesichter im Publikum?

Pohl: Ich bin vergangenes Jahr ja bereits im „Komm“-Zentrum aufgetreten, da waren zwei Freunde aus meiner ehemaligen Schulklasse da. Und dann gibt es da ein paar ganz eiserne Fans aus Gürzenich, die auch immer dabei sind. Privaten Kontakt nach Merzenich und Gürzenich habe ich aber nicht mehr. Ich bin ja schon ewig weg aus Düren. Der gefühlsmäßige Bezug ist aber schon noch da. Ich habe meine ganze Jugend ja hier verbracht, und ich habe immer wieder nostalgische Momente, wenn ich durch Düren fahre.

Worüber lachen die Dürener?

Pohl: Das kann ich so pauschal nicht sagen. Ich hatte voriges Jahr im „Komm“-Zentrum einen sehr guten Abend. Es ist tatsächlich von Ort zu Ort unterschiedlich, wie die Leute auf Witze reagieren. Das kann man auch gar nicht von Region zu Region verallgemeinern. Es ist aber oft so, dass die Leute durch „7 Tage, 7 Köpfe“ immer noch eine gewisse Erwartungshaltung an mich haben. Andererseits erlaubt mir der Erfolg der Sendung auch, weiterhin in ganz Deutschland aufzutreten.

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