Integration: „Ich habe einen langen Weg zurücklegen müssen“

Von: sj
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Die Dürener Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Grüne), Dietmar Nietan (SPD, von links) und Thomas Rachel (CDU, 2. v. r.) diskutierten mit Jean Jacques Badji, Pfarrerin Vera Schellberg und Hava Zaimi (rechts) über die Herausforderungen in der Integrationsarbeit. Foto: Stephan Johnen

Düren. „Ich habe einen langen Weg zurücklegen müssen, um in der Gesellschaft anzukommen“, sagt Jean Jacques Badji. Als junger Mann floh er aus dem Senegal , seit 2008 lebt er in Deutschland. Er hat studiert, Wirtschaft und Sprache, und weiß, was auf Flüchtlinge und Zuwanderer zukommt, vor welchen Herausforderungen sie stehen.

Und sei es bei der Frage, was genau der Verfasser des vermeintlich alltäglichen Schriftstücks einer Behörde eigentlich vom Adressaten möchte.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen hat sich Badji dazu entschlossen, anderen Menschen zu helfen. „Ich bin ganz offensichtlich ein Migrant“, stellte er sich den drei Dürener Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Grüne), Dietmar Nietan (SPD) und Thomas Rachel (CDU) vor. „Für viele Menschen ist es eine Erleichterung zu erleben, dass es ein Migrant geschafft hat“, sagt Badji.

Die Bundespolitiker waren am Samstag der Einladung der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer des Zentrums für Sozial- und Migrationsberatung der Evangelischen Gemeinde zu Düren zu einem Erfahrungsaustausch mit dem Team gefolgt. Im Mittelpunkt standen die weiteren Herausforderungen der Beratungsarbeit.

Seit dem Frühjahr verstärkt Badji das Team der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer in Stadt und Kreis Düren. „Wir verstehen uns als Lotsen und Brückenbauer“, fügt seine Kollegin Hava Zaimi hinzu. Sie und ihre Kollegen beraten Migranten bei Fragen der Arbeitsplatzsuche, sie vermitteln Integrationskurse, begleiten Hilfesuchende bei Behördengängen, beraten aber auch bei Belangen des täglichen Lebens.

Das Zentrum gibt es seit 1992. „Wir haben seitdem viel Erfahrung gesammelt“, betont Hava Zaimi. Dass mit Jean Jacques Badji das Team verstärkt werden konnte, ist einer Aufstockung der Bundesmittel für die Migrationsberatung im vergangenen Bundeshaushalt zu verdanken. Die steigende Zahl von Asylbewerbern und Flüchtlingen stelle aber nach wie vor eine Herausforderung dar.

„Wir sind zu oft Feuerwehr und können uns oft um eine intensivere Betreuung nicht kümmern“, skizzierte Hava Zaimi den Arbeitsalltag. Im sogenannten „Case Management“ werden Klienten manchmal über mehrere Jahre intensiv beraten und begleitet. Wenn es beispielsweise um die Frage der Anerkennung von Schul- und Ausbildungsabschlüssen geht, reiche ein Gespräch nicht aus.

Der Bedarf steigt weiter

Die Zahl aller Beratungen ist von 233 im Vorjahr auf 287 bis Anfang September 2016 gestiegen, die Fälle im „Case Management“ stiegen trotz einer zusätzlichen halben Stelle nur um drei auf 31. Zeit ist nach wie vor Mangelware. Dies liegt aus Sicht der Berater an den allgemein steigenden Flüchtlings- und Zuwandererzahlen, aber auch an Veränderungen, die Migranten erst nach Jahren Hilfe suchen lassen, beispielsweise nach persönlichen Krisen im Leben oder beruflichen Veränderungen oder dem Wechsel in den Ruhestand und damit zusammenhängenden Fragen zur Rente.

Die Bitte der Dürener an ihre drei Abgeordneten in Berlin: „Wenn wir an dieser Stelle mehr investieren, sparen wir die teuren Folgekosten“, ist Pfarrerin Vera Schellberg überzeugt, dass die Migrationsberatung dafür sorgen könne, dass das „Kind nicht erst in den Brunnen fällt“.

„Es besteht eine große Offenheit für das Thema“, zeigte sich Thomas Rachel optimistisch, dass in den Haushaltsberatungen eine Erhöhung wahrscheinlich sei. Dietmar Nietan wusste von 17 Millionen Euro zusätzlich zu berichten, die in den Haushalt eingebracht werden sollen.

Oliver Krischer unterstrich, dass es in den Beratungsgesprächen wichtig sei, den passenden Schlüssel zu finden, um Lösungswege aufzeigen zu können. „Wir schieben eine Bugwelle vor uns her“, sagte Nietan. „Für die Migranten, die schon hier leben, gibt es nicht genug Beratungsangebote. Und es kommen tägliche neue Menschen hinzu.“

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