Hochkirchen - Integration durch Musik: Asylbewerber Nedjatim gibt erstes Konzert

Integration durch Musik: Asylbewerber Nedjatim gibt erstes Konzert

Von: Sandra Kinkel
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Manfred Kiefer (links) und Nicolaus Müller freuen sich, dass Nedjatim Osmam (Mitte) beim Musikverein Hochkirchen mitspielt.

Hochkirchen. Seine Klarinette ist für Nedjatim Osmam (16) unglaublich wichtig. Als der Junge vor knapp vier Monaten mit seinen Eltern und seiner Schwester aus Mazedonien nach Deutschland gekommen ist, hatte er sein Instrument natürlich im Gepäck.

„Das ist mein größtes Hobby“, erzählt der Schüler. „Wir konnten zwar nicht viel mitnehmen, aber die Klarinette musste auf jeden Fall dabei sein.“ Jetzt war das Instrument für Nedjatim Osmam ein wichtiger Schritt in Richtung Integration. Am Sonntag spielt der Asylbewerber gemeinsam mit dem Musikverein Hochkirchen sein erstes richtiges Konzert – mit Uniform und allem, was dazu gehört.

Nicolaus Müller (61) hat im Februar angefangen, in Nörvenich als Ansprechpartner für die Asylbewerber zu arbeiten. Unter anderem ist er in der Gemeinschaftsunterkunft an der Hardtstraße aktiv. Irgendwann hat er aus einem der Zimmer Klarinettenmusik gehört. „Ich spiele selbst beim Musikverein Hochkirchen“, erzählt Müller. „Und da habe ich Nedjatim einfach angesprochen, ob er Lust hat, bei uns mitzumachen.“

Dass er damit bei seinen Musikerkollegen auf offene Ohren stößt, war Müller von Anfang an klar. „Wer gut Musik machen kann, ist bei uns jederzeit willkommen“, sagt Manfred Kiefer, Vorsitzender des Musikvereins Hochkirchen. „Darüber gibt es bei uns überhaupt keine Diskussion. Warum auch? Wir sind doch alle Musiker.“

Seit über einem Monat ist Nedjatim regelmäßig bei den Proben im alten Feuerwehrgerätehaus dabei. Die Musik ist für den Jugendlichen noch fremd. „Zu Hause“, erzählt er, „haben wir mehr orientalische Musik gespielt. Hier ist es mehr Klassik. Aber mir gefällt diese Musik sehr.“

Für das Konzert am Sonntag haben die Hochkirchener Musiker Marienlieder einstudiert. „Das sind schöne Melodien“, sagt Nedjatim. „Meine Familie und ich sind Christen. Das sind Lieder, die zu uns passen.“

Nedjatims Platz in dem kleinen Orchester ist die erste Klarinette. „Wir haben ihn einfach dort hingesetzt“, sagt Nicolaus Müller. „Und es funktioniert gut. Nedjatim ist ein sehr mutiger Musiker. Er spielt einfach drauf los. So einfach geht das bei Musikern.“ Für den jungen Asylbewerber entstehen keinerlei Kosten. Manfred Kiefer: „Alles, was anfällt, übernimmt der Verein für Nedjatim. Auch darüber mussten wir hier überhaupt nicht lange diskutieren.“

Kiefer ist davon überzeugt, dass Musik das perfekte Mittel zur Integration ist. „Weil man nicht viele Worte braucht, um miteinander zu musizieren. Die Sprache ist erstmal nicht das große Problem. Die kommt später ganz automatisch.“ Der Vorsitzende des Musikvereins Hochkirchen kann sich sogar vorstellen, noch mehr Asylbewerber in den Verein zu integrieren. „Uns liegt auch die musikalische Ausbildung von Kindern sehr am Herzen“, sagt er. „Und es ist durchaus denkbar, dass auch Flüchtlingskinder hier bei uns im Verein ein Instrument lernen.“

Für Manfred Kiefer und seine Mitstreiter ist es nicht wichtig, aus welchem Land Nedjatim kommt, und ob er gute oder schlechte Chancen hat, dass sein Asylantrag bewilligt wird. „Es geht doch in erster Linie darum, den Menschen wertzuschätzen“, sagt Nicolaus Müller.

„Natürlich wissen wir auch, dass es gerade gegenüber Flüchtlingen aus Osteuropa sehr große Vorurteile gibt. Aber die spielen hier wirklich keine Rolle. Und dadurch, dass wir gemeinsam mit Nedjatim unsere Freizeit verbringen und uns besser kennenlernen, werden solche Vorurteile natürlich abgebaut.“

Beim Schützenfest dabei

Übrigens war der junge Mazedonier am vergangenen Wochenende auch schon beim Hochkirchener Schützenfest dabei. „Das war eigentlich seine Feuertaufe“, sagt Manfred Kiefer. „So etwas wie die Generalprobe vor dem ersten richtigen Konzert am Sonntag.“ Nedjati Osmam hat seinen ersten Auftritt mit Bravour gemeistert. „Es hat Spaß gemacht“, sagt er. „Vor allem das Grillen danach war toll. Viele Sachen habe ich nicht gekannt, aber es war alles sehr lecker.“

Nedjatim Osmam hat einen großen Wunsch. Er möchte mit seiner Familie in Deutschland bleiben, am liebsten in Nörvenich. „Ich möchte eine Ausbildung zum Trockenbauer machen“, erzählt der junge Mann. „Und natürlich auch weiter Klarinette spielen. Am liebsten in Hochkirchen.“

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