„Integration braucht vor allem Geduld“

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Düren
Natalia Tittel und Önder Unan haben russische und türkische Wurzeln. Trotzdem leben sie gerne in Düren, finden es aber wichtig, die Heimat nicht zu vergessen. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Wie lebt es sich eigentlich als Ausländer in Düren? Kann man sich als Mensch mit Migrationshintergrund an der Rur wohlfühlen? Ist man angenommen und akzeptiert? Noch bis Montag findet auf Initiative des städtischen Integrationsrates in Düren die „Interkulturelle Woche“ statt.

Anlass für unsere Mitarbeiterin Sandra Kinkel, mit Natalia Tittel und Önder Unan zu sprechen. Beide haben ausländische Wurzeln, sagen aber, dass Düren ihre Heimat ist.

Interessieren Sie sich für die „Interkulturelle Woche“?

Natalia Tittel: Ja, ich finde, dass das eine sehr interessante Veranstaltung ist. Und sie ist auch wichtig, weil sie vielleicht dazu beiträgt, für mehr Verständnis zwischen verschiedenen Kulturen zu sorgen. Önder Unan: Ich freue mich besonders auf den „Tag der Offenen Moschee“ am Montag. Meine Familie und ich sind gläubige Moslems, mit meinem Vater gehe ich regelmäßig zum Freitagsgebet. Ich hoffe, dass am Montag viele Leute in die Moschee kommen und sehen, dass Terror und Islam zwei vollkommen verschiedene Dinge sind.

In Düren leben Menschen aus über 120 verschiedenen Nationen, an Ihrer Schule, der Hauptschule Burgauer Allee, liegt der Ausländeranteil bei über 80 Prozent. Wie klappt dort das Zusammenleben?

Tittel: Ich nehme die Kinder so, wie sie sind. Natürlich gibt es manchmal Schwierigkeiten, vor allem sprachlicher Natur. Aber wenn beide Seiten sich Mühe geben, lässt sich das Problem lösen. Unan: An unserer Schule werden auch viele Flüchtlinge unterrichtet, die sicherlich viel durchgemacht haben. Ich finde, da müssen wir anderen Schüler Rücksicht darauf nehmen. Grundsätzlich ist aber Ausländerfeindlickeit an unserer Schule kein Thema.

In der Stadt denn? Oder anders gefragt: Haben Sie beide wegen Ihrer Herkunft, Ihres Akzents oder der fremd klingenden Namen schon einmal Schwierigkeiten gehabt?

Unan: Ich nicht. Aber ich weiß von Freunden, gerade auch von Mädchen, dass sie schon manchmal angepöbelt worden sind, weil sie ein Kopftuch getragen habe. Ich glaube aber, dass es in Düren kein größeres oder kleineres Problem ist als in anderen Städten. Tittel: Mein Eindruck ist, dass die Situation sich schon ein bisschen geändert hat. Ich erlebe zunehmend, dass Menschen unfreundlicher reagieren, wenn sie hören, dass ich einen russischen Akzent habe. Viele haben einfach Angst. Sie befürchten, dass aufgrund der großen Zahl der Flüchtlinge die Mieten teurer und die Arbeitsplätze weniger werden. Und grundsätzlich kann ich diese Sorgen auch verstehen.

Was tun Sie, wenn Menschen unfreundlich reagieren, weil sie mit Akzent sprechen?

Tittel: Ich versuche, freundlich zu bleiben. Verständnis kann man nur gewinnen, wenn man mit den anderen spricht. Und Dinge wie Integration brauchen vor allen Dingen eben auch Geduld.

Integration ist ein gutes Stichwort, das ja im Augenblick auch stark diskutiert wird. Gerade auch die Spätaussiedler aus Russland haben in Düren ihre eigene kleine Welt. Es gibt einen russischen Supermarkt, eine eigene Grundschule, Kirchengemeinden. Kann man da überhaupt von Integration sprechen?

Tittel: Ja, es gibt einen russischen Supermarkt in Düren und all die anderen Dinge auch. Ich denke aber nicht, dass man deswegen von mangelndem Integrationswillen sprechen kann. Manchmal tut es einfach gut, sich in seiner Muttersprache zu unterhalten und Dinge zu kaufen, die man vielleicht schon als Kind gegessen oder getrunken hat.

Önder Unan, Sie wachsen mit Menschen vieler anderer Nationen auf. Glauben Sie, dass für Leute Ihrer Generation Ausländerfeindlichkeit irgendwann kein Thema mehr ist?

Unan: Ob es kein Thema mehr ist, weiß ich nicht. Ich glaube aber, dass wir uns in einer multi-kulturellen Gesellschaft leichter tun. Und das hat einen einfachen Grund: Für mich ist es normal, mit Ausländern zusammenzuleben.

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