Innenminister Jäger knackt Fenster in drei Sekunden

Von: Sarah Maria Berners
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Um das Thema Sicherheit ging es am Sonntag bei einer SPD-Veranstaltung. NRW-Innenminister Ralf Jäger hofft, dass die Menschen es Einbrechern schwerer machen. Er selbst hat bei Presseterminen gelernt, wie leicht es ist, ein Fenster zu knacken. Unser Foto ist aber ein Symbolbild.
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NRW-Innenminister Ralf Jäger (Mitte) war am Sonntag auf Einladung von Dietmar Nietan und Liesel Koschorreck zu Gast in Düren. Foto: smb

Kreis Düren. Für Ralf Jäger gab es am Sonntag mehrere gute Gründe, nach Düren zu kommen. Die „Klamotten-Tauschparty“ seiner Frau war einer davon. Außerdem ist Wahlkampf, „und Wahlkampf macht Spaß“, wie Jäger betonte. Der SPD-Unterbezirk hatte den NRW-Innenminister eingeladen, um über das Thema Sicherheit zu sprechen. Dafür verzichtete er auch gerne aufs Fußballgucken.

„Die Sicherheit ist ein politisches Feld, bei dem Gefühle eine große Rolle spielen“, betonte Jäger. Der Innenminister weiß, dass sich das Sicherheitsgefühl von Menschen nicht allein mit Statistiken verändern lässt. Gleichwohl verdeutliche Jäger, dass die Wahrscheinlichkeit, in NRW Opfer einer Straftat zu werden, gering sei. „Wir müssen uns nicht unsicher fühlen“, betonte Jäger.

Ein wichtiges Thema ist für den Innenminister die Prävention. Sein Motto: „Straftaten verhindern und damit Opfer verhindern.“ Ein gutes Präventionskonzept sei „Kurve kriegen“. Jäger erläuterte, dass jugendliche Intensivtäter manchmal bis zu 70 Straftaten begehen würden, bis sie alt genug für den Jugendarrest seien. „Danach liegt die Rückfallquote bei 80 Prozent.“ Weil diese Jugendlichen jedoch frühzeitig auffallen würden, sei es wichtig, sie und ihre Familien individuell aufzufangen.

Von 1,48 Millionen Straftaten in NRW sind nur vier Prozent Einbrüche. Jäger weiß, das Einbrüche für die Opfer traumatische Folgen haben und deswegen stünden Einbrecherbanden im Fokus der Polizeiarbeit, beispielsweise seien Labore besser ausgestattet worden. Der Innenminister erläuterte, dass mit dem Eintritt Bulgariens und Rumäniens in die EU positiv Zuwanderung und wirtschaftliche Profite für Deutschland einhergingen, er betonte aber auch, dass es eine „Freizügigkeit der Kriminalität“ gebe.

„Solange das Armutsgefälle so groß ist, muss man sich nicht wundern, dass die Menschen sich auf den Weg machen, um hier etwas zu holen“, sagte Jäger, der unterstrich, dass es nicht um Stigmatisierung und Skandalisierung gehe. Das Problem müsse offen benannt und dann nach Lösungen gesucht werden. In diesem Zusammenhang appellierte Jäger an die Eigenverantwortung und mahnte, ein Auge auf die Nachbarschaft zu werfen. Er selbst habe bei Presseterminen in Schauräumen der Polizei schon gelernt, ein Fenster mit einem Schraubendreher in drei Sekunden zu knacken.

Den Blitzmarathon bezeichnete Jäger als „Exportschlager“. Er betonte, dass es sich nicht um die vielzitierte Abzocke handelt. „Ein Tag, an dem wir kein Geld einnehmen wäre am besten.“ Jäger ist sich sicher, dass langsameres Fahren die Zahl tödlich verunglückter Radfahrer und Fußgänger reduzieren würde. Was die Kriminalität im Internet anbelang, mahnte der Minister zur Vorsicht. Im Landeskriminalamt seien mittlerweile 100 Menschen nur noch mit diesem Thema befasst. „Wir müssen uns dafür weiter rüsten.“

Clubheim bereitet Sorgen

Seinen Besuch in Düren nutzte Jäger, um für das Thema „Gewalt gegen Polizisten“ zu sensibilisieren. Dabei rückte er die Respektlosigkeit in den Fokus. Den Einsatz von Schulterkameras betrachtet Jäger allerdings skeptisch, Ausbildung und Ausstattung der Polizisten stehen für ihn an erster Stelle.

In der anschließenden Diskussion äußerte einer der Zuhörer die Sorgen der Dürener Bürger, die im Umfeld eines Rocker-Clubheims leben. Jäger betonte, dass das Land diese Gruppen dort verbiete, wo es möglich sei und an allen anderen Orten einen genauen Blick auf die Rocker habe und Straftaten verfolge. Es handele sich um „knallharte organisierte Kriminalität“ zum Beispiel im Bereich Drogen und Prostitution.

Vor allem der Expansionskurs der Gruppen bereitet dem Minister Sorgen. „Junge, gewaltbereite Männer“ würden im Auftrag der Rockergruppen „das Feld bearbeiten.“ Denn eines verdeutliche Jäger: „Es geht den Gruppen um das Geschäft.“

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