Düren - Inkontinenz, ein peinliches Thema?

Inkontinenz, ein peinliches Thema?

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
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Das Thema Inkontinenz ist vielen Menschen ein peinliches. Betroffene und Angehörige können sich in einer Selbsthilfegruppe, die sich im Dürener Krankenhaus trifft, über Hilfsmittel wie Windeln informieren. Foto: Stock
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Britta Küpper gibt Menschen, die von Inkontinenz betroffen sind, Informationen. Foto: Klinkhammer

Düren. Das Thema ist den meisten Menschen peinlich: Inkontinenz. Doch leiden in Deutschland rund neun Millionen Betroffene darunter. Die Ursachen sind ganz unterschiedlich und sollten auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden, bevor sich der Betroffene an die Selbsthilfegruppe (SHG) Kontinenz wendet, die sich einmal monatlich im Kongresszentrum des Dürener Krankenhauses trifft.

Seit zwei Jahren leitet Krankenschwester und Pflegeexpertin Britta Küpper das Angebot. Sie musste in den vergangenen Jahren jedoch folgende Bilanz ziehen: „Nicht selten sitze ich zum Termin alleine da.“ Dennoch hält sie am Angebot fest, denn immer mal wieder kommen Menschen, die Hilfe suchen, und denen sie dann ausgezeichnet helfen kann. Was viele Patienten nicht ahnen: Es gibt ein beachtliches Angebot an unterschiedlichen Hilfsmitteln, die ein Leben mit Inkontinenz deutlich erleichtern.

Menschen jeden Alters kann das Problem treffen. Kinder sind oft bis ins Jugendalter Bettnässer. Junge Menschen, die einen Unfall hatten und querschnittsgelähmt sind, sind ebenso Betroffene wie ältere Menschen, Menschen nach Operationen oder auch Pflegefälle. Auch Personen ohne große medizinische oder körperliche Auffälligkeiten kann es treffen. Die 51-jährige Pflegeexpertin sagt dazu: „Für Pflegende und Pflegefälle ist das Wissen um spezielle Windeln, die drei Liter Flüssigkeit aufnehmen können, beispielsweise eine enorme Erleichterung. Mit Kleinigkeiten kann ein großer Erfolg erzielt werden.“

Mit eben diesen speziellen Windeln können Menschen bis zu zwölf Stunden trocken liegen. Über Nacht angewendet bietet dieses Hilfsmittel Pfleger und Gepflegtem die Möglichkeit, durchzuschlafen.

Küpper: „Ohne eine derartige Windel müssten alle in der Nacht mehrfach raus aus dem Bett, das lässt sich vermeiden und erleichtert das Leben.“ Relativ neu ist die Möglichkeit, mit „Tapes“, also Klebebändern, Nervenrezeptoren im Rücken derart zu beeinflussen, dass die Kontinenz gefördert wird. Helfen können weiterhin ein Urinalkondom nach operativen Eingriffen, die Männer über sich ergehen lassen müssen.

Bei werdenden Müttern ist es nicht selten der Dammschnitt, der weitere Maßnahmen verlangt, um die Kontinenz wieder herzustellen. Ein Mittel hierbei kann zum Beispiel das Beckenbodentraining sein. Küpper: „Fakt ist aber leider auch, dass kaum einer über das Thema Inkontinenz sprechen mag, Männer noch weniger als Frauen. Es ist ein absolutes Tabuthema.“

Betroffene und auch Angehörige können sich während der Selbsthilfegruppe informieren, zudem gibt die Fachfrau Muster von diversen Hilfsmitteln aus und erklärt deren Anwendung. Auch für Eltern von Kindern stellt sie Informationsmaterial bereit, wobei sie immer wieder betont: „Immer muss der Facharzt abklären, welche Ursache vorliegt.“ Nach Hilfe im Internet suchen, diese Möglichkeit bezeichnet die Pflegeexpertin, die den Zusatztitel „Stoma/Inkontinenz/Wunde“ trägt, als „zweischneidiges Schwert“. Küpper: „Die Foren sollte man gut aussuchen, manchmal wird mehr die Angst geschürt als Hilfe gegeben.“

Hochwertige Inkontinenzversorgungen sind nicht ausschließlich Kassenleistungen, was vor allem für Sozialhilfeempfänger schwierig werden kann.

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