Düren - Inklusives Reiten: Auf dem Pferd sind alle Menschen gleich

Inklusives Reiten: Auf dem Pferd sind alle Menschen gleich

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
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Luisa Brauswetter (l.) und Kevin Kinast sind leidenschaftliche Reiter – trotz ihrer körperlichen und geistigen Handicaps. Beide freuen sich auf das erste inklusive Reitturnier im Kreis Düren. Foto: K. Menne

Düren. Luisa Brauswetter liebt Pferde. Schon seit sie drei Jahre alt war, reitet sie. Das ist nicht selbstverständlich. Denn die 13-Jährige hat das Down-Syndrom. „Sie war schon immer gut in die Reitgruppen integriert“, erzählt ihre Mutter Claudia Brauswetter. „Aber sie durfte noch nie an einem richtigen Turnier teilnehmen.“

Das soll jetzt anders werden. Zum ersten Mal in der Geschichte des Reitvereins „Deutschritter Düren 1926“ und erstmalig im Kreis findet auf der Anlage „An der Kuhbrücke“ ein Reitturnier mit inklusiven Prüfungen statt. „Das Regelwerk ist ähnlich wie bei traditionellen Turnieren, allerdings sind Führer erlaubt und die Reiter dürfen andere Sättel benutzen“, erklärt Claudia Brauswetter. Als Jugendwartin des Vereins hat sie sich für die neuen Prüfungen eingesetzt. Es wird einen altersoffenen Geschicklichkeitsparcours und einen geführten Dressurwettbewerb geben.

Auch Kevin Kinast freut sich auf das Turnier. „Ich finde es wichtig, dass Menschen mit Behinderungen auch mal die Chance haben zu zeigen, was sie draufhaben“, sagt er. Der 17-Jährige aus Ellen hatte bei der Geburt eine Schilddrüsenunterfunktion und hat vor allem im sensomotorischen, aber teilweise auch im kognitiven Bereich Schwierigkeiten.

Als Kleinkind machte er viele Jahre therapeutisches Reiten, um sein Gleichgewicht zu schulen und den Kontakt zu anderen Menschen und fremden Umgebungen zu erlernen. Seit Kurzem nimmt er an einer sogenannten Berufsvorbereitenden Maßnahme teil. Er will Pferdepfleger werden. Sein langfristiges Ziel ist eine Ausbildung zum Pferdewirt.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Bislang gibt es in Nordrhein-Westfalen noch nicht die Möglichkeit, eine solche Ausbildung theoriereduziert durchzuführen“, sagt Claudia Kinast, Kevins Mutter. In den kommenden zwei Jahren will sie sich im Interesse ihres Sohnes dafür einsetzen, dass sich das ändert. Ein Glücksgriff ist aus ihrer Sicht der Reiterhof Schagen in Inden. „Alle hier nehmen viel Rücksicht auf Kevins Bedürfnisse und geben ihm eine Chance – das ist toll“, sagt sie.

Denn für beide, Luisa und Kevin, ist es wichtig, das machen zu dürfen, was auch die anderen tun. „Luisa sieht immer ihre große Schwester bei den regulären Turnieren und wünscht sich seit Jahren sehnlichst, auch mal teilnehmen zu dürfen“, sagt Claudia Brauswetter. Es geht dabei um die Aufmerksamkeit, die man als Reiter bekommt – und natürlich auch darum, mal selbst auf dem Siegertreppchen stehen zu dürfen.

Reiten ist eine der wenigen Sportarten, die Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt betreiben können. Auf der Basis von Gefühl und Vertrauen bewältigen Pferd und Reiter die an sie gestellten Aufgaben gemeinsam. „Während behinderte Kinder in Tanz- und Sportgruppen oft als Außenseiter von den anderen abgestempelt werden, macht das Pferd als gemeinsamer Interessenschwerpunkt das Miteinander leichter“, sagt Brauswetter.

Sowohl Luisa als auch Kevin haben schon als Kinder mit dem therapeutischen Reiten begonnen. Die Therapiepferde sind nicht so groß, werden früh an den Menschen gewöhnt und sind meist besonders ruhige Charaktere. Ziel des therapeutischen Reitens ist die persönliche und soziale Entwicklung. Während Luisa nach wie vor ohne Sattel und Steigbügel reitet, um die Nähe zum Pferd mehr zu spüren, reitet Kevin mittlerweile mit klassischer Ausrüstung.

Mit besonderen Schwierigkeiten bei der Turnierorganisation und -durchführung rechnen die Verantwortlichen nicht. „Wie immer hoffen wir, dass die Tiere mitspielen und dass viele Zuschauer kommen“, sagt die Presseverantwortliche Bettina Persuhn. Der äußere Rahmen mit Zeitplan, Essen und Platzvorbereitung sei nicht anders als sonst. Die einzige Hürde ist, dass der Platz bislang noch nicht behindertengerecht ist und zum Beispiel eine Rampe zum Cafeteriabereich installiert werden muss. „Aber erst wenn wir das inklusive Turnier veranstaltet haben, wissen wir, was wir alles nicht bedacht haben“, sagt sie.

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