Inklusion: Nicht nur in der Schule, sondern auch in der Kita

Von: Sandra Kinkel
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Die Inklusion von behinderten und nichtbehinderten Kindern soll auch in Kindertagesstätten umgesetzt werden. Behinderte Kinder sollen in Regelgruppen betreut werden. Foto: Stock/epd

Düren. So wie behinderte Schulkinder einen Anspruch auf einen Platz in der Regelschule haben, haben auch Kita-Kinder mit Behinderung einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einem Regelkindergarten.

„Wenn man den Inklusionsgedanken wirklich ernst meint“, sagt Ansgar Kieven, Leiter des Jugendamtes der Stadt Düren, „ist das auch nur konsequent. Wenn Inklusion in der Schule gelebt wird, warum dann nicht im Kindergarten?“

Seit dem laufenden Kindergartenjahr gilt der Rechtsanspruch auf einen Platz im Regelkindergarten. Insgesamt gibt es in der Stadt Düren 2774 Kindergartenkinder, 71 werden in heilpädagogischen Gruppen betreut, 53 in integrativen Gruppen. Immerhin 55 Jungen und Mädchen mit einer Behinderung spielen in ganz normalen Kindergartengruppen. „Wir rechnen damit, dass diese Zahl steigen wird“, sagt Ansgar Kieven.

In heilpädagogischen Kindergartengruppen werden in der Regel zehn behinderte Kinder betreut, in integrativen Gruppen zehn Kinder ohne und fünf mit Behinderung. „Sollen behinderte Kinder in Regelgruppen spielen und lernen, führt das dazu, dass in diese Gruppe zwei nichtbehinderte Kinder weniger aufgenommen werden“, erklärt Kieven.

Bisher seien nur Kinder mit einer körperlichen Behinderung in einer Regelgruppe angemeldet worden. „Wir haben Kinder, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, blinde und hörgeschädigte Jungen und Mädchen, aber auch Kinder, die an Diabetes erkrankt sind.“ Kinder mit einer geistigen Behinderung seien bislang noch nicht für eine Regelgruppe angemeldet worden. Kieven: „Ich denke, dass die Eltern sehen, dass hier der Förderbedarf noch einmal höher ist.“ Trotzdem bedeute auch die Betreuung der körperbehinderten Kinder einen großen Kraftakt. „Wir brauchen mehr denn je engagierte Erzieherinnen, die sich für diese Kinder einsetzen. Und bieten für unser Personal selbstverständlich auch besondere Fortbildungen speziell für diesen Bereich an.“

Natürlich muss auch die räumliche Situation in den Kindertagesstätten der neuen Situation angepasst werden. Kieven: „Mit dem Umbau für die U 3-Betreuung sind die räumlichen Möglichkeiten in unseren Kindertagesstätten gewachsen.“ Darüber hinaus gebe es ein weiteres Kita-Ausbauprogramm bis 2018. „Dabei“, sagt Kieven, „wollen wir dann auch ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse der behinderten Kinder legen.“

Welche Folgen die neue Regelung für heilpädagogische Kindergartengruppen hat, kann Ansgar Kieven noch nicht endgültig beurteilen. „Der Gesetzgeber plant, die heilpädagogischen Gruppen aufzulösen. Ich sehe aber natürlich die Notwendigkeit einer besonderen Förderung mancher Kinder, beispielsweise durch Therapeuten – die gehören in heilpädagogischen Gruppen zum Team.“ Die Stadt würde sich in dieser Frage abwartend verhalten, bis es eine eindeutige Richtlinie gäbe, wie mit den heilpädagogischen Kindergartengruppen zu verfahren sei. „Es gibt keine Pläne, dass die heilpädagogischen Gruppen schon zum nächsten Kindergartenjahr geschlossen werden sollen. Ich denke, dass alle Verantwortlichen gerade in dieser Frage mit sehr viel Augenmaß vorgehen sollten. Ich plädiere da für einen sehr behutsamen Weg und keinesfalls für einen Schnellschuss.“

Kieven sieht noch ganz andere Probleme auf die Kindertagesstätten zukommen. „Es gibt immer mehr Flüchtlingskinder, die auch in unseren Einrichtungen betreut werden müssen und die oft sehr schwer traumatisiert sind. Das stellt uns auch vor große Herausforderungen.“

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