Initiative „Nörvenich hilft“ organisiert Jobbörse für Asylbewerber

Von: Sandra Kinkel
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Mohammad Anas Jakjah (links) und Mohammad Al Shiekh möchten so schnell wie möglich arbeiten. Foto: Sandra Kinkel

Nörvenich. „Die Arbeit ist mir ungeheuer wichtig. Wenn man den ganzen Tag nichts tun kann, wird man doch krank.“ Mohammad Al Shiekh ist 31 Jahre alt und am 1. Juli aus der syrischen Stadt Aleppo geflohen. In Nörvenich hat der Kriegsflüchtling eine neue Heimat gefunden.

„Meine Frau und meine kleine Tochter sind noch in Syrien“, sagt Al Shiekh. „Aber sie sind in großer Gefahr. Ich wünschte, ich könnte sie auch nach Deutschland holen.“ Mohammad Al Shiekh ist einer von knapp 180 Asylbewerbern, die derzeit in der Neffeltalgemeinde leben. Der junge Mann ist Arzt, Chirurg, um genau zu sein. Und möchte so schnell wie möglich wieder arbeiten können.

In Nörvenich kümmern sich die Mitglieder der Initiative „Nörvenich hilft“ intensiv um die Asylbewerber. Es werden Sprachkurse angeboten, aber auch Freizeitaktivitäten, wie gemeinsames Kochen. Ziel ist es, Nörvenicher und Flüchtlinge miteinander in Kontakt zu bringen.

Jetzt hat „Nörvenich hilft“ eine kleine Jobbörse für die Asylbewerber in der Gemeinde organisiert. Ralf Lübben, der die Initiative mit gegründet hat, erklärt das so: „Alle 175 Asylbewerber, die derzeit in Nörvenich leben, haben einen Fragebogen ausgefüllt. Darin fragen wir sie unter anderem nach ihrer Ausbildung, ihren Fähigkeiten und auch nach ihren Wünschen. Bis auf einen Asylbewerber, der schon relativ alt und sehr krank ist, haben alle gesagt, dass sie unbedingt so schnell wie möglich arbeiten wollen.“ Immerhin knapp 70 der Flüchtlinge sind zu der Jobbörse ins Evangelische Gemeindezentrum gekommen, der junge Arzt Mohammad Al Shiekh ist einer von ihnen.

Die beiden Handwerksmeister Bernd Ohlemeyer aus Merzenich und Marcel Klein aus Düren stehen den Asylbewerbern Rede und Antwort. „Natürlich wissen wir“, sagt Ralf Lübben, „dass die Leute zuerst einmal Deutsch lernen müssen. Gleichzeitig wollen wir ihnen aber mit dieser Veranstaltung einen Anreiz bieten. Wenn sie hören, dass sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt Chancen haben, steigert das vielleicht auch den Ehrgeiz, möglichst schnell Deutsch zu lernen. In Einzelfällen ist es uns zudem schon gelungen, Praktikumsplätze zu vermitteln.“

Mohammad Al Shiekh und sein Landsmann Mohammad Anas Jakjah (24), ein ausgebildeter Programmierer, haben schon begonnen, die deutsche Sprache zu lernen. „Ich finde es gut, dass es solche Veranstaltungen wie heute gibt. Wir wissen gar nicht, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert. Das lernen wir heute.“ Viele der Nörvenicher Flüchtlinge haben eine Ausbildung, andere dagegen haben noch keinen Beruf gelernt. Lübben: „Die überwiegende Zahl der Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak ist sehr gut ausgebildet. Es gibt aber auch die Jesiden, die in ihrer Heimat als Hirten gearbeitet haben. Und die haben beispielsweise auch in den Sprachkursen viel größere Schwierigkeiten. Sie sind einfach das Lernen nicht gewöhnt.“

Für Bernd Ohlemeyer und Marcel Klein ist die große Zahl der Flüchtlinge auch eine Chance. „Wir brauchen Fachkräfte“, sagt Elektroinstallateurmeister Ohlemeyer. „Aber im Augenblick sind die rechtlichen Hürden für Betriebe, Flüchtlinge einzustellen, sehr hoch. Das ist ein Problem.“ Er sei überzeugt, so Ohlemeyer, dass es unabdingbar sei, die Asylbewerber so schnell wie möglich in Arbeit und einen strukturierten Tagesablauf zu bringen. „Das löst auch andere Probleme. Wer morgens früh raus und zur Arbeit muss, kann beispielsweise auch abends nicht lange feiern und eventuell die Nachbarn stören.“

Malermeister Klein ist es ein Anliegen, den Asylbewerbern bei der Jobbörse in Nörvenich eine Perspektive aufzuzeigen. „Ich habe den Eindruck, dass hier sehr viele Leute sind, die wirklich arbeiten möchten. Und wenn alles passt, kann ich mir durchaus vorstellen, einen Asylbewerber in meinem Betrieb einzustellen.“ „Arbeit bedeutet doch Leben“, formuliert es Mohammad Anas Jakjah. „Ich wünsche mir sehr, möglichst schnell eine Stelle zu finden.“

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