Nideggen - Infoveranstaltung: Was bedeutet ein Atomunfall für die Region?

Infoveranstaltung: Was bedeutet ein Atomunfall für die Region?

Von: Hendrik Buch
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Informierten über regionale Krisenpolitik: Gudrun Zentis (MdL/Grüne), Bürgermeister Marco Schmunkamp (parteilos), Jörg Schellenkamp (Anti-Atom Aachen) und Hans Christian Markert (MdL/Grüne) Foto: Hendrik Buch

Nideggen. In einer Sache waren sich alle Beteiligten einig: Die Bedeutung der Jodtabletten wird im öffentlichen Diskurs vollkommen überzeichnet. „Am Ende helfen die Tabletten nur einem Teil der Menschen und auch nur bei rechtzeitiger Einnahme sowie nur gegen Schilddrüsenkrebs“.

Das bestätigen sowohl Jörg Schellenberg vom Aachener Bündnis gegen Atomenergie als auch Bürgermeister Marco Schmunkamp. Viel wichtiger seien Aufklärung, Informationspolitik und Handlungssicherheit im Ernstfall, ist der in Bürgermeister überzeugt. Daher arbeitet Nideggen an einem Notfallplan und hat mit dem Aufbau von Sirenenanlagen begonnen, die auch Sprechdurchsagen möglich machen. Das Ziel: Direkte und konkrete Information.

Daneben wirbt der Bürgermeister auch für die Warn-App „NINA“. Auf die Frage einer Bürgerin nach etwaigen Nahrungspaketen entgegnete Schmunkamp hingegen: „Aufklärung ist zweifelsfrei wichtig, aber wir sollten auch keine Zeichen der Panikmache setzen.“

In einer zweistündigen Vortrags- und Diskussionsrunde informierten die Schellenberg und Schmunkamp mit dem Grünen-Landessprecher für Atompolitik, Hans Christian Markert (MdL), die interessierten Bürger. Moderiert wurde die Veranstaltung von Gudrun Zentis (MdL, Grüne).

Schellenberg gab den Gästen zum Auftakt einen Einblick in das Wesen der Schwachstellen an den Reaktoren in Doel und Tihange und zeigte, wie er es ausdrückte, „die Absurditäten eines Sicherheitsnachweises in Belgien“ auf. Danach erklärte Markert in einem längeren Beitrag die politische Dimension und warb für eine europäische Atompolitik: „Wenn man den südlichen Staaten den Haushalt vorschreiben kann, warum ist ein Eingriff in die Energiepolitik dann vermessen?“ Ansonsten bliebe nur der juristische Druck sowie Stromhilfeangebote an Belgien – zur Not auch zu Gunsten der hiesigen Braunkohle. Sein persönlicher Wunsch: „Eine Graswurzelrevolution der Bürger.“

Für den Ernstfall appellierten alle Sprecher einig: „Im Haus bleiben, Jalousie runter, Medien einschalten und den Behörden vertrauen.“ Trotz aller Relativität des Nutzens von Jodtabletten waren diese auch Kernthema der anschließenden Diskussion. Hier ließ der Bürgermeister kein gutes Haar an der momentanen Lösung des Kreises, der zentralen Lagerung in Stockheim.

Auch wenn die Einnahme ohne behördliche Anweisung gefährlich sei: „Ich setze mich für Aufklärung und Vorabverteilung ein“, bestätigte er, „jede andere Lösung ist schlicht sinnlos.“

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