Düren - In Via schließt Standort an der Schulstraße

In Via schließt Standort an der Schulstraße

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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In den Werkstätten des Vereins an der Schulstraße muss Ende Juni die Arbeit eingestellt werden. Foto: Johnen

Düren. Mehr als zehn Jahre lang hat der Verein In Via als Fachverband langzeitarbeitslose Menschen bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt und auch bei der Wiedereingliederung in das Leben geholfen. Ende Juni wird in den Werkstätten an der Schulstraße die Arbeit eingestellt.

„Mit allergrößtem Bedauern sieht sich der Vorstand in seiner Gesamtverantwortung gezwungen, den Standort mit seinen Angeboten zum 30. Juni zu schließen“, sagte am Dienstag die Vorsitzende Sieghild von Gagern – und rang dabei um Fassung. Elf der etwa 50 Mitarbeiter sind von dieser Entscheidung betroffen. „Heute ist ein schwarzer Tag für In Via“, sprach die Vorsitzende von einer Entscheidung, die dem Vorstand nicht leicht gefallen sei.

Die in Berlin beschlossenen Kürzungen der Eingliederungsmittel für Langzeitarbeitslose hätten eine Fortführung der Projekte unmöglich gemacht. „Unsere Arbeit wurde erheblich erschwert. Es trifft die Schwächsten der Gesellschaft“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Liesel Koschorreck. Letztlich habe der Verein die finanziellen Mittel nicht mehr aufbringen können, ohne die weiteren Aufgaben in Mitleidenschaft zu ziehen. Mit der Aufgabe der Schulstraße sucht auch die Verwaltung einen neuen Standort.

In Zusammenarbeit mit der Job-com des Kreises und dem Landschaftsverband hatte der Verein, der seit 1993 vor allem ein Hilfesystem für wohnungslose, sozial benachteiligte, psychisch kranke und langzeitarbeitslose Menschen aufgebaut hat und unter anderem die Notübernachtung für Obdachlose, das „Café Lichtblick“ und die Bahnhofsmission betreibt, Schritt für Schritt Projekte entwickelt, um langzeitarbeitslose Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

„Wir haben uns um die gekümmert, die am untersten Ende der Leiter standen“, erklärt Geschäftsführer Norbert Schoeller. Zu den Teilnehmern gehörten Menschen, die keine Wohnung hatten, die psychisch erkrankt oder alkoholabhängig waren. In Via wollte ihnen helfen, wieder Tritt zu fassen und überhaupt fit für eine weitergehende Qualifizierung zu werden. Im Jahr 2010 begleitete In Via 60 Menschen.

Dann kamen die Kürzungen und die Zahl der Teilnehmer sank zunächst von 60 auf 30 und im Jahr 2012 auf 15 Teilnehmer. Zu wenige, um die Kosten tragen zu können. Dabei habe es durchaus mehr Bedarf für solche Projekte gegeben. „Die Prioritäten der Förderung wurden aber in Richtung Vermittlung verschoben. Wir können keine schnellen Erfolge aufweisen, unsere Arbeit braucht Zeit“, sagt Schoeller. Trotz der Kooperation mit der Low-tec im Rahmen eines EU-Projektes und der Suche nach Alternativen sei es nicht möglich gewesen, die Finanzierungslücken auszugleichen. Der Verein musste die Reißleine ziehen.

„Wir werden an einer Konsolidierung und Neuausrichtung arbeiten“, blickt Sieghild von Gagern in die Zukunft. Gleichzeitig werde versucht, für die gekündigten Mitarbeiter neue Perspektiven zu eröffnen, bis Ende Juni laufen auch die Maßnahmen weiter. Der Verein wolle an der „Stärkung des Kerngeschäfts Wohnungslosenhilfe“ arbeiten. Welche Auswirkungen hat das auf andere Angebote?

Die Beratungsstellen und Einrichtungen seien nicht betroffen, sagt Norbert Schoeller. Die Zukunft des „DORV-Ladens“ im Grüngürtel hänge vor allem am Einkaufsverhalten der Anwohner ab. „Die Wirtschaftlichkeit, wie wir sie erhofft haben, ist bisher leider noch nicht eingetreten“, warb Sieghild von Gagern um eine Unterstützung des Angebots. Einem schwachen Dezember sei ein starker Januar gefolgt. Die Zukunft des Ladens liege in den Händen der Kunden. 

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