In St. Lukas stehen Strukturen auf dem Prüfstand

Von: Stephan Johnen
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Profaner Schutz für sakrale Kunst: Vor Beginn der Umbauarbeiten wurde auch die Kreuzigungsgruppe in Plastik geschlagen. Foto: Johnen

Düren. Möglich, dass an Aschermittwoch alles vorbei ist. In der Marienkirche hingegen geht es dann erst richtig los: Bis zum September soll der Umbau des Gotteshauses zu einer Stätte der Begegnung und des Gebets abgeschlossen sein.

Hatten freiwillige Helfer bereits vor den jecken Tagen den Innenraum der Kirche weitgehend ausgeräumt, die Bänke demontiert und den Heiland in Plastikfolie gewickelt, rückt ab Mittwoch das beauftragte Bauunternehmen an. 570.000 Euro werden in das Projekt investiert.

Dort, wo einst die hintersten Kirchenbänke standen, soll in naher Zukunft ein Raum im Kirchenraum entstehen. Eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, unterteilbar in zwei Säle; Küche, Pfarrbüro und Sanitäranlagen inklusive. „Nach außen wird dieser Raum durch Glasfronten geöffnet”, erklärt Dr. Peter Maas, Mitglied des Gemeindeausschusses St. Marien des Pfarrgemeinderates von St. Lukas.

Die Gestaltung des Raumes sei so flexibel, dass dort beispielsweise Vorträge gehalten werden könne, es Platz für Feiern gibt und für die Jugend- und Seniorenarbeit. Und selbstverständlich auch für Gottesdienste, denn St. Marien soll auch in Zukunft ein Gotteshaus bleiben. Das Wort Umwidmung fällt nicht. „Hier entsteht eine Kirche zum Experimentieren”, sagt stattdessen Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz. Auch die Zahl der Sitzplätze bleibt konstant. Der neue Raum kann Richtung Altar geöffnet werden - und auf dem Dach entsteht eine Empore mit weiteren Plätzen.

Finanziert wird der Umbau größtenteils durch den Verkauf des Jugendheims und eines Hauses. Eine Entscheidung, die nicht ohne Diskussion gefällt wurde. „Das Jugendheim wurde in Knochenarbeit aufgebaut - die emotionale Verbindung ist sehr groß”, berichtet Maas. Letztlich sei es die Frage nach der Zukunft gewesen, die den Verkäufen und damit dem Kirchenumbau den Weg ebnete.

Oberste Priorität sei es, die Marienkirche, die als erste der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dürener Kirchen wieder aufgebaut wurde, als Gotteshaus für ein aktives Gemeindeleben zu erhalten. „In der großen Pfarre St. Lukas ist es auf Dauer wohl nicht finanzierbar, dass jede Gemeinde ihre Strukturen komplett behält”, sagt Maas. Enge Zusammenarbeit sei das Stichwort, nicht Kirchturmdenken. „Das Umdenken findet statt”, ist auch Hans-Otto von Danwitz überzeugt. Dass Kirchen jedoch - anders als viele Pfarrbüros und Treffpunkte - eben nicht nur Gebäude, sondern Kulturgüter sind, sei ebenfalls vorherrschende Meinung. Maas: „Wir wollen die Kirchen auf absehbare Zeit erhalten. Als Gotteshaus, nicht als Konzertsaal. Es geht nicht darum, nur zu verkaufen, sondern auch darum, Zukunft zu gestalten.”

Der Weg in die Zukunft wurde in der Marienkirche nach einem Blick in die Vergangenheit geplant. „Marien war immer eine sehr familiäre Gemeinde”, sagt Peter Maas. Durch die neuen Möglichkeiten der Begegnung soll dies auch so bleiben. Beispielsweise in der Jugendarbeit: „Wenn wir die Jugendlichen einbeziehen wollen, müssen wir ihnen auch die Möglichkeit zur Entfaltung geben”, ist Maas überzeugt. Nach dem Umbau stehe die Kirche für „freiere Gottesdienstformen” zur Verfügung - als fester Anlaufpunkt für Jugendliche aus ganz St. Lukas. Die dezentrale Offene Jugendarbeit solle weitergeführt werden, doch Marien könne zentraler Ort einer Jugendgemeinde werden.

Ein weiteres Stichwort ist Kirche und Kultur. Die Zusammenarbeit mit der Cappella Villa Duria soll fortgesetzt werden, die Kooperation mit dem benachbarten Leopold-Hoesch-Museum soll gesucht werden. Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz spricht davon, „Brücken zu schlagen”. Nach St. Lukas, aber auch in die Nachbarschaft.

„Was derzeit in St. Marien geschieht, hat Vorbildfunktion”, ist von Danwitz überzeugt. Mit Konzentrierung und Profilierung überschreibt er das Vorhaben - und er wiederholt: „Dass alle alles weitermachen, geht nicht.” Peter Maas sagt: „Wir müssen den Spagat zwischen Tradition und Moderne meistern.” Oder anders formuliert: Vielfalt ja, Beliebigkeit nein.
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