Düren - In Düren muss niemand auf der Straße frieren

In Düren muss niemand auf der Straße frieren

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
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In-Via-Geschäftsführer Norbert Schoeller (rechts, mit Mitarbeiter Dennis Ruland) hält Düren in Sachen Vernetzung von Hilfsangeboten für eine Vozeigestadt. Foto: bel

Düren. Eine junge Frau führt den großen Mann lächelnd in die Notunterkunft, die die Bahn der Bahnhofsmission nach dem Brand im vergangenen Oktober zur Verfügung gestellt hat. Der Blinde bleibt auf seinem Stuhl sitzen, bis eine andere Helferin ihn zu seinem Zug bringt. Umsteigehilfe nennen die Mitarbeiter den Vorgang.

Ein schneller Service der Bahnhofsmission, die für gewöhnlich vor allem in solch kalten Wintertagen für viele Obdachlose und andere Hilfesuchende eine Zufluchtsstätte ist.

Doch in diesem Winter ist alles etwas anders. Zwei Wochen vor Ende der Renovierungsarbeiten war das „Stammlokal” der Bahnhofsmission im Herbst ein Raub der Flammen geworden. Erst in etwa drei Monaten ist sie wieder aufgebaut. Dennis Ruland, seit zwei Jahren in der Bahnhofsmission tätig, bedauert die Situation sehr: „Die Arbeit von vielen Monaten wurde in kurzer Zeit zerstört. Die Leidtragenden sind die Menschen, die bis zur Restaurierung unserer Räume von uns nicht mehr mit warmen Getränken und Brötchen versorgt werden können.” In diesen frostigen Tagen ist das besonders zu bedauern.

Viel los im Café Lichtblick

Norbert Schoeller, Geschäftsführer von In Via, dem Trägerverein der Bahnhofsmission, kann nicht sagen, warum die Bahn nicht erlaubt, in dem provisorisch genutzten Raum Kaffee zu kochen. Vor allem obdachlose Menschen werden deshalb zurzeit besser andernorts betreut. Ein wärmendes Getränk und ein sättigendes Essen gibt es im Café Lichtblick, einer anderen Einrichtung von In Via. Seit die Kälte auch das Dürener Land fest im Griff hat, hat der Besucherzustrom dort um 30 bis 40 Prozent zugenommen.

Doch das Café steht vor dem Aus, wenn nicht schnell finanzielle Hilfe kommt, berichtet Schoeller. Mit der Stadt Düren laufen darüber Gespräche. Zum Schlafen zieht es die Menschen ohne festen Wohnsitz in die Notunterkunft an der Dechant-Bohnekamp-Straße, die ebenfalls von In Via betrieben wird. Auch dort, sagt Schoeller, herrsche in diesen Tagen natürlich Hochbetrieb. Dass es in Düren noch Menschen gibt, die derzeit draußen übernachten, glauben die In-Via-Mitarbeiter nicht.

„Düren ist eigentlich im Hinblick auf die Vernetzung von Hilfsangeboten eine Vorzeigestadt”, urteilt Schoeller. Bis Anfang der 90er Jahre sei der Zustrom Obdachloser und Bedürftiger bei der Bahnhofsmission sehr groß gewesen. Heute habe sich die Lage entzerrt, so dass die Mitarbeiter der Mission auf Bahnsteig 1 kaum mit größeren Problemen konfrontiert werden.

Letztes Jahr im Winter habe es einen ernsten Vorfall gegeben, erinnert sich Dennis Ruland. Da sei nachts bei starken Minustemperaturen in der Bahnhofshalle ein Mann aufgefunden worden, stark unterkühlt, kaum ansprechbar. „Aber wir haben da so unsere Erfahrungen”, meint Ruland, „und so war der Mann in der warmen Umgebung bald wieder auf den Beinen.”

Die Klientel der Bahnhofsmission kommt aus allen Schichten, allen Altersgruppen und allen Berufen. Da sitzt der Akademiker neben dem Hilfsarbeiter, ein ehemaliger Maurermeister unterhält sich mit einem offensichtlich alkoholisierten Jugendlichen. Hans Müller (Name von der Red. geändert) steht (noch) vor dem Bahnhof. Er ist schon seit elf Jahren „auf Platte”.

Bis dahin hatte er in der Nähe von Frankfurt ein Geschäft. „Alles Schnee von gestern”, sinniert er mit Blick auf das Weiße unter seinen abgetragenen Schuhen. Dann sagt er „Mir geht es doch gut” und lacht dabei gequält. „Wenn nur die Scheißkälte nicht wäre!”

Vor mehr als 100 Jahren gegründet

Die Bahnhofsmissionen wurden in Deutschland vor mehr als 100 Jahren gegründet. Sie hatten das vornehmliche Ziel, jungen Mädchen und Frauen, die in eine fremde Stadt kamen, zu helfen.

Der Trägerverein der Dürener Bahnhofsmission ist In Via, Katholische Mädchensozialarbeit für Düren-Jülich. Die Nummer des Spendenkontos bei der Sparkasse Düren (BLZ 39550110) lautet 654715.
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