In Düren hinkt die Elektromobilität deutlich hinterher

Von: Burkhard Giesen
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In Düren hinkt die Elektromobilität deutlich hinterher. Das wird sich auch durch Förderanreize nur bedingt ändern. Das passende E-Auto zu finden, ist aber gar nicht so einfach. Foto: imago/biky

Düren. Richard Müllejans, Chef des Dürener Service Betriebes (DSB), war ganz dicht dran. Seit Jahren setzt Müllejans in seiner Fahrzeugflotte auf den Einsatz von Elektroautos. Also weit, bevor die Bundesregierung in letzter Woche beschlossen hat, die E-Mobilität mit finanziellen Anreizen zu fördern.

„Wir haben bisher nur positive Erfahrungen damit gemacht“, erzählt er. Drei Autos sind es, die für Mitarbeiter der Straßenreinigung zur Verfügung stehen. Ein weiteres E-Auto ist bestellt. Und es hätten ursprünglich mehr sein sollen.

Müllejans wollte drei bis vier der in Aachen produzierten Streetscooter kaufen und hätte sie dann im Bereich der Grünpflege eingesetzt. „Das Auto ist sehr interessant für uns, weil die Wartung sehr unproblematisch ist und die Ersatzteile als Baukastensystem angeboten werden.“ Noch bevor der Vertrag unterzeichnet werden konnte, kaufte die Post das Aachener Unternehmen auf und produziert seitdem nur für den Eigenbedarf.

Wie schwierig es ist, das passende Elektroauto zu finden, weiß auch Taxi-Unternehmer Hubert Antons. „Seit drei Jahren bemühe ich mich um ein Elektroauto“, erzählt Antons. Sein Problem: Neben Zuverlässigkeit und Komfort muss auch die Größe stimmen. Die B-Klasse von Mercedes reicht ihm da zur Personenbeförderung nicht aus. „Ich teste seit ein paar Tagen ein größeres Fahrzeug von Mercedes“, ist Antons zuversichtlich, dass in seiner Flotte bald auch ein E-Auto mitfährt. Parallel dazu will er am Firmensitz in eine Photovoltaikanlage investieren, um den Strom für die Autos selbst produzieren zu können, damit sich die Anschaffung auch rechnet. Immerhin hat Antons schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. 1994 setzte er als einer der Ersten auf Biodiesel, zwei Jahre später schaffte er Erdgasautos an.

Dass in fünf bis zehn Jahren seine Taxi-Flotte überwiegend aus elektrisch angetriebenen Autos besteht, sieht Antons derzeit dennoch nicht. Das hängt für ihn vor allem mit der eingeschränkten Reichweite zusammen. „Unsere Autos sind den ganzen Tag im Einsatz. Mit Standzeiten kann ich nichts verdienen“, sagt der Unternehmer. Die Dürener Stadtwerke und die Leitungspartner GmbH setzen derzeit fünf Elektroautos ein, zwei weitere sind bestellt. Drei Tanksäulen haben die Stadtwerke in der Innenstadt aufgestellt. SWD-Sprecher Jürgen Schulz: „Wir sind generell offen, in weitere Infrastruktur zu investieren, wenn der Markt größer wird und es sich später auch rechnet.“ Schulz sieht das als Beitrag zur lokalen Energiewende für Düren und die Region“.

Die müsste auch aus Sicht der Stadt Düren dringend Fahrt aufnehmen – insbesondere im Straßenverkehr. Düren ist NRW-weit Spitzenreiter beim Ausstoß von Stickstoffdioxid und nur die geplante Umgehungsstraße B56n konnte die Stadt bisher vor der Einführung einer Umweltzone bewahren. Gerade mal 82 reine E-Autos und 411 Elektro-Hybride fahren aktuell im Kreis Düren. Anreize der Stadt gibt es bisher nicht. Selbst die E-Autoflotte der Stadt ist überschaubar: Ein Fahrzeug für Botendienste gibt es. „Sobald Leasingverträge für noch vorhandene Autos auslaufen, werden wir die Anschaffung weiterer Elektroautos prüfen“, verspricht Rechtsdezernentin Christine Käuffer.

Auch die Anregung, Parkerleichterungen für E-Autos anzubieten – zum Beispiel auf Gebühren zu verzichten – will sie aufnehmen. Von der Vorreiterrolle ist die Stadt aber noch weit entfernt. Die hätte vielleicht die DKB einnehmen können. Dort wollte man sich an einem Förderprojekt beteiligen und E-Busse auf einer innerstädtischen Linie einsetzen, wie Betriebsleiter Jacek Kubaczka erklärt. Weil die DKB-Zukunft mit dem Beschluss zur europaweiten Ausschreibung im Rahmen des Nahverkehrsplans aber ungewiss ist, sind diese Pläne auf Eis gelegt. Dabei sind elektrische betriebene Busse im Nahverkehr durchaus realistisch, wie Kubaczka sagt. Auch hier hätte die Politik ein klares Zeichen setzen und die E-Mobilität im Nahverkehrsplan festschreiben können.

Dass Rolf Ferebauer, Vorsitzender der Kraftfahrzeuginnung im Kreis Düren, die in Aussicht gestellten finanziellen Anreize der Bundesregierung begrüßt, dürfte nicht weiter verwundern. Ferebauer verweist auf Nachbarländer wie Holland, wo mit einer staatlichen Förderung die Verkaufszahlen signifikant gestiegen seien. Er sagt aber auch, dass Subventionen allein das Problem nicht lösen würden. Nur die passende Infrastruktur, größere Reichweiten und wirklich innovative Konzepte könnten dazu führen, dass sich E-Autos am Markt durchsetzen und dann auch bezahlbar würden. Ferebauer: „Wir müssen vom konservativen Denken der althergebrachten Antriebe Abstand nehmen. Auch Strom aus der Steckdose für Elektroautos ist energiepolitisch Quatsch.“

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