Abenden - In dieser Kirche ist Doris Heidbüchel zu Hause

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In dieser Kirche ist Doris Heidbüchel zu Hause

Von: Gudrun Klinkhammer
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Sieben Päpste hat Doris Heidbüchel erlebt: Seit 57 Jahren arbeitet die fast 80-Jährige als Küsterin in Abenden und sorgt unter anderem regelmäßig dafür, dass die Kirche zu jedem Anlass passend geschmückt ist. Foto: Gudrun Klinkhammer

Abenden. Die Augen von Doris Heidbüchel wandern flink und routinemäßig über die Schrankwand in der Sakristei. Mit einer beiläufigen Handbewegung schließt sie eine der vielen Türen des sakral wirkenden Schrankes, die einen ganz kleinen Spalt weit offen stand. Kaum jemandem wäre dieser Umstand aufgefallen. Aber Doris Heidbüchel kennt die Kirche St. Martinus in Abenden aus dem „Effeff“.

Jede noch so kleine Veränderung fällt ihr sofort ins Auge. Seit nun 57 Jahren betreut sie das Gotteshaus als Küsterin. Während der beiläufigen Handbewegung unterhält sie sich, spricht über ihre unzähligen Erlebnisse und Eindrücke in der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten.

Sieben Päpste erlebte sie bisher, von jedem dieser Kirchenoberhäupter hängt ein Bild in der Sakristei. Heidbüchel: „Stirbt ein Papst, dann muss ich eine Stunde lang die beiden Glocken läuten. Bis vor 25 Jahren ging das noch per Hand, das war echte Kraftarbeit.“ Die Küsterin nennt ihre Arbeit weder Beruf noch Job, sie nennt die Tätigkeit „Berufung“.

Sie ist auch im Alter von fast 80 Jahren jederzeit abrufbar, um die Kirche für spezielle Anlässe, etwa Beerdigungen, herzurichten. „Ich kann nichts planen“, sagt sie. „Früher, als es noch mehr Messen vor allem an Sonn- und Feiertagen gab, war das noch schlimmer. Weihnachten saß mein Mann mit den beiden Kindern zu Hause, während ich in der Kirche arbeitete. Oft haben wir unseren Urlaub verschoben oder erst gar keinen gemacht, aber böse war mein Mann nie.“ Nur eine tiefe Gläubigkeit und ein Hang zur Improvisation, so vermutet sie, machen solche Opfer möglich.

Zum Beruf der Küsterin kam die gebürtige Abenderin eher zufällig. Ihrer Vorgängerin hatte sie zu Beginn der 1950er Jahre gelegentlich geholfen. Irgendwann erkrankte die alte Küsterin und der Kirchenvorstand beschloss: „Doris Heidbüchel soll die Küsterarbeiten solange übernehmen, bis wir jemand neuen gefunden haben.“

Die damals 23-Jährige arbeitete sich ein. Seither wäscht und stärkt sie sechs Meter lange Altardecken, putzt Messing, organisiert in einer Kirchenvitrine kleine Ausstellungen und gestaltet und schmückt den Altar mit Blumen. Heidbüchel: „Der Blumenschmuck in der Kirche darf möglichst nichts kosten, daher lernte ich die Stellen mit den schönsten Wildblumen in der Umgebung kennen.“

Die Zeit verging, einen neuen Küster schlug der Kirchenvorstand gar nicht mehr vor. Wie viele Messdiener und Priester die agile Seniorin im Laufe der Jahre erlebte, das kann sie gar nicht mehr beziffern. An einige Weggefährten erinnert sie sich allerdings noch ausgezeichnet, so etwa an einen Pater aus Mariawald.

Dieser Geistliche legte enormen Wert auf Pünktlichkeit. Seine Messen begannen beim Gongschlag. Er machte auch keine Ausnahme, als vor einer Christmette die elektrische Beleuchtung wegen Überlastung des kirchlichen Stromnetzes zusammenbrach.

Zu viele Lampen brannten an den hübsch geschmückten Tannenbäumen im Altarraum, da wurde es um kurz vor Zwölf plötzlich zappenduster. Der Pater zog sein Ding – pünktlich wie immer –durch, er ließ sich nicht beirren. Kerzen retteten die Nacht und die Gläubigen hielten halbwegs sehender Weise in den Kirchenbänken Einzug.

Inzwischen trägt sich Doris Heidbüschel mit dem Gedanken, aufzuhören, obwohl sie das 60-jährige Dienstjubiläum auch gerne noch erreichen möchte. Sie empfindet momentan: „Meine Kräfte sind bald am Ende.“ Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht, ihre Tochter hilft ihr jedoch gelegentlich bei der Arbeit, wenn es körperlich einmal gar nicht mehr geht. Zur aktuellen Lage der Kirche sagt sie: „Ich bin überzeugt, es geht irgendwie weiter, das wird die Zeit bringen. Vielleicht hebt der Papst den Zölibat auf oder Laien übernehmen zukünftig noch mehr Tätigkeiten.“

Was sich wohl nicht mehr ändern wird, so Heidbüchel über ihre eigene Art, ist, wie sie selbst zu Gott betet: „Wenn ich selbst richtig fromm sein will, dann muss ich in eine andere Kirche gehen, denn in dieser Kirche hier in Abenden bin ich zu Hause.“

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