In die Problematik „Stadthalle” kommt wieder Bewegung

Von: Fred Schröder
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Alles andere als schön: Die S
Alles andere als schön: Die Stadthalle ist vielen Dürenern seit Jahren ein Dorn im Auge. Foto: Röber

Düren. Kommt jetzt die Kuh endlich vom Eis? In Sachen alter Stadthalle bewegt sich was. In nicht-öffentlicher Sitzung hat der Stadtrat mit der Mehrheit von CDU und FDP entschieden, das Grundstück an der Bismarckstraße einschließlich des maroden Rest-Bauwerkes zurück zu kaufen.

Das Grundstück war bekanntlich einem Dürener Projektentwickler im Erbbaurecht überlassen worden. Dessen Versuche zum Bau eines Vier-Sterne-Hotels verliefen im Sande. Gleichzeitig verwahrloste die unter Denkmalschutz stehende Ruine immer mehr und wurde zu einem Schandfleck.

Jetzt scheint sich die Stadt mit dem Eigentümer auf eine Rückübertragung geeinigt zu haben. In den Informationen, die bislang an die Öffentlichkeit drangen, ist folgender Weg vorgesehen: Für etwas mehr als 1,4 Millionen Euro soll der Projektentwickler das Grundstück zurück an die Stadt übertragen. „Wir sind dann wieder Herr im Haus und haben volle Handlungsfähigkeit”, unterstrich CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Albert Eßer und ließ keinen Zweifel daran, dass seine Fraktion weiter dem Bau eines Vier-Sterne-Hotels an dieser Stelle höchste Priorität einräume.

Harsche Kritik

Bürgermeister Paul Larue war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu haben. „Es seien noch einige Dinge zu klären”, ließ er über die Pressestelle seines Hauses verlauten. Die Entscheidung der CDU-FDP-Koalition stieß bei den anderen Ratsfraktionen auf Ablehnung. Besonders harsch formulierte Heidi Meier-Grass (BfD) ihre Kritik: „Die Stadt hat Monopoli gespielt. Für die Schlossallee hat es nicht gereicht”.

Auch die Fraktion der Linken bezieht Stellung. Bedauernswert und katastrophal sind unsere Worte für dieses erzielte Resultat. Jahrelang hatte das Unternehmen das Projekt nie wirklich in Angriff genommen. Die Verwaltung und die CDU haben stets nur zugeschaut, anstatt die Zügel in die Hand zu nehmen und für das Wohl der Stadt zu handeln”, gibt die Fraktion in einer Stellungnahme bekannt. Nach massivem Druck der Opposition und verspäteter Erkenntnis sei nun der Entschluss gefallen, das Erbbaurecht zurückzuholen.

Es entbehre jeglicher Wahrheit, wenn nun versucht werde, das Geschäft als verlustfrei darzustellen, heißt es in der Erklärung weiter. Die Linke erneuert ihre Forderung: „Geschichte von Düren ist in der Stadthalle geschrieben worden, und wird durch den Denkmalschutz aufbewahrt, diese erinnerungswürdige Vergangenheit möchte man aus dem Weg räumen, dafür aber ein emotionsloses Hotel errichten. Die Fraktion Die Linke fordert auch weiterhin, die Stadthalle in ein Bürgerhaus umzugestalten, besonders in diesen schwierigen Zeiten, in denen Jugendliche, Erwachsene und Senioren keinen Ort der Versammlung mehr besitzen.”

Die Rückübertragung ist nur ein erster Schritt auf dem Weg zum Ziel Vier-Sterne-Hotel. Größtes Hindernis ist und bleibt der Denkmalschutz. Das aus den 50er Jahren stammende Gebäude - besser gesagt was davon noch übrig ist - steht nun mal unter Schutz. Erst wenn der vom Tisch ist, darin sind sich Politik und Immobilienexperten einig, ist das innerstädtische Filet-Grundstück zu vermarkten. Bemühungen bei der Bezirksregierung Köln zur Aufhebung des Denkmalschutzes sollen eingeleitet werden. Zunächst ist die Stadt als erneuter Eigentümer am Zuge wenn es um die Vermarktung geht.

Quasi in der Hinterhand besteht allerdings offenbar eine weitere Option in Form einer Absichtserklärung. Die Sparkasse Düren wäre unter bestimmten Bedingungen, darunter insbesondere der Aufhebung des Denkmalschutzes, hinsichtlich eines Kaufs und späterer Vermarktung gesprächsbereit. Nach Informationen unserer Zeitung hat die Sparkasse jetzt keine Kaufambitionen.

Mit der Stadthalle verbinden viele Dürener Lebenserinnerungen. Das 1955 erbaute Haus war über Jahrzehnte gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Stadt und auch Schauplatz bedeutender überregionaler Veranstaltungen. Fast alle Karnevalsgesellschaften der Innenstadt hatten dort ihr Podium und zogen die Besucher ebenso an wie Konzerte und Theateraufführungen.

Deshalb tut den Bürgern der jetzige Zustand der Ruine so weh und weckt den Wunsch, dass der Schandfleck möglichst schnell der Vergangenheit angehören soll.
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