In der Show von Ralf Schmitz ist niemand sicher

Von: smb
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Völlig „aus dem Häuschen“: Ralf Schmitz in der Arena. Foto: smb

Düren. Wer Angst vor Scheinwerferlicht hat, der sollte sich in einer Show von Ralf Schmitz besser Tickets für die hinteren Reihen reservieren. Zweiter Block, um wirklich auf Nummer sicher zu gehen. Aber es geht natürlich auch anders.

Wer gerne mal von dem Comedian aufs Korn genommen werden möchte, über sich selbst lachen kann oder in einer Improvisationsnummer auf der Bühne stehen will, der hat in den vorderen Reihen gute Chancen.

Keine drei Minuten hat es am Samstagabend gedauert, da kullerten in der Arena die ersten Freudentränen und die Zuschauer hielten sich die Bäuche vor Lachen. Ralf Schmitz legte vor vollem Haus einen amüsanten Showauftakt hin. Zwischen Umzugskartons, Baumarktutensilien und einem staubigen Erbsessel der Tante kokettierte er mit seiner Körpergröße, die beim Streichen einer Altbaudecke auch mit einer Leiter kaum ausgeglichen werden kann. Gleich darauf stürzte er sich in die zweite Reihe, ließ die Zuschauer hoffen oder bangen – je nach Perspektive.

Mit diesen improvisierten Aktionen, beim Plausch mit dem Publikum, erntete Ralf Schmitz besonders viel Applaus. Er lästerte über Theo, der weil er lieber renovieren lässt, wohl „Geld wie Dreck“ hat, und über die nervige „Hoppalahoppala“-Musik des Handwerkers. Natürlich bekamen auch die unfreiwilligen Protagonisten aus den ersten Reihen ihr Fett weg. Weglaufen hilft nicht. Schmitz ist schneller.

Aber nicht so schnell wie das Personal im Baumarkt. An das müsse man sich nämlich regelrecht wie an Wild bei einer Safari heranpirschen. Nur um dann mit Dübeln in der Hand zu erfahren: „Ich bin Elektro.“

Um Ausreden sind nach Ansicht von Ralf Schmitz auch Handwerker nie verlegen. „Das muss so“, habe neulich einer gesagt, der eine Mauer auf der falschen Etage gebaut habe. Und als er einen Installateur darauf aufmerksam gemacht habe, dass im nigelnagelneuen Waschbecken ein Riss sei, habe dieser alle Register gezogen: „Da erzählt der mir sogar, dass das nur ein Schatten sei, kein Riss. Hallo! Den kann man fühlen.“

In solchen Situationen heißt es: Selbst ist der Mann. Aber gerade dann komme es zu den größten Katastrophen, selbst bei Kleinigkeiten: zum Beispiel wenn ein Nagel in die Wand soll, was die Wand aber nicht im geringsten interessiert. Ein Konflikt, der in Krieg ausarten kann, bei dem auch ein Schlagbohrer nicht mehr hilft und den letztlich nur ein ziemlich unmännlicher „Hafti“ zu schlichten vermag.

In der Show darf (oder muss?) das Publikum mitreden, die Szenen, die auf der Bühne gespielt werden, mitbestimmen. Schmitz setzt auf Situationskomik und ausgefeilt konzipierte Improvisationen. Steilvorlagen aus dem Zuschauerraum nimmt er gerne auf. In den vom Publikum geforderten Zuständen „besoffen, wütend und notgeil“ entwickelte Schmitz Szenen im Möbelgeschäft, in denen Schmitz gekonnt die gewünschten Schenkelklopfer erzielt. Trotz leichter Längen in mancher Nummer gab es viel zu lachen. Da wäre es gar nicht nötig gewesen, dass Schmitz sich so köstlich über sich selbst amüsiert.

Hibbeliger Gehirnakrobat

Die Gehirnakrobatik, die der hibbelige Comedian zeigte, wenn er etwa ein vorher geführtes Interview über das Sticken in Gesten übersetzte oder eine Geschichte erzählte, in der er auf Zuruf im Sekundentakt zwischen Deutsch und der Fantasie-Handwerkersprache „Kaputtschich“ wechselt, war erstaunlich. Und ein passabler Sänger ist der Comedian auch.

Auch skurrile Immobilienangebote nahm Schmitz unter die Lupe. Sein Lieblingsinserat: „Zwei Zimmer, Treppe, Wand.“ Und dann gibt es ja noch „Häuser, die sind so groß, da muss man den Bus zur Toilette nehmen.“ Dumm nur, wenn man nachts aufwache und Linie 12 gerade verpasst hat.

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