Schwammenauel - Immer mittwochs ist Streuselkuchen-Regatta

Immer mittwochs ist Streuselkuchen-Regatta

Von: Beate Weiler-Pranter
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Durch geschicktes Taktieren versuchen die Segler, dem Vordermann den Wind aus den Segeln zu nehmen. Foto: Weiler-Pranter

Schwammenauel. „Der Mittwoch ist Gesetz.” Die ganze Gruppe nickt zustimmend, als dieser Satz fällt. Seit Jahren treffen sich passionierte Segler am Rursee, um jeden Mittwoch sportlich anspruchsvolle Regatten auszutragen.

Da die Wassersportler mittlerweile Pensionäre sind, bekam ihr wöchentlicher Wettkampf den Spitznamen „Rentner-Regatta”. Andere sprechen liebevoll von der „Streuselkuchen-Regatta”, denn nach dem Törn gibt es auf der Steganlage Kaffee und frischen Streuselkuchen.

Wer bei dem Begriff „Rentner-Regatta” an betuliches Senioren-Segeln denkt, hat sich gründlich getäuscht: Wie jeden Mittwoch herrscht kurz vor Regatta-Start bei den elf Pensionären sportliches Wettkampf-Fieber. Mit Blick auf die Funkuhr an Bord kreuzen die Senioren mit ihren Booten vor der Startlinie und warten auf ihre Startzeit. Punkt 13:26 Uhr ist es für Paul Gehlen (75) und Bernd Menard (68) soweit. Mit geblähten Segeln nimmt ihr Boot Kurs aufs erste Ziel: Tonne Nummer 7, die backbord, also links herum, umrundet werden muss.

„Mit seinen 2000 Kilo ist unser 35 Jahre altes Boot relativ schwer. Und damit wir die gleichen Chancen haben wie die modernen, leichteren Schiffe dürfen wir vier Minuten früher starten.”, erklärt Bernd Menard die Wettkampfregeln. Innerhalb von 100 Minuten gilt es nun, die im See fixierten gelben Tonnen in der Reihenfolge 7, 9 und 8 so oft wie möglich zu umsegeln. Sieger wird derjenige, der nach Ablauf der Zeit näher an der nächsten Tonne ist.

Spitzfindige Zusatzregel: Der Sieger darf zwar den Kurs der nächsten Regatta bestimmen, bekommt aber eine Strafminute aufgebrummt. „Das erhöht die Chancen der anderen”, sind sich die Segler einig. Wer also mehrmals hintereinander siegt, muss den gewählten Kurs in immer kürzerer Zeit bewältigen.

„Natürlich entwickelt man Ehrgeiz”, meint Menard, und er fügt augenzwinkernd hinzu: „Manch einer von uns hat dann das Messer zwischen den Zähnen.” Mit Blick auf die konkurrierenden Boote versuchen Vorschoter Menrad und Steuermann Gehlen die Windverhältnisse optimal zu nutzen. Durch geschicktes Manövrieren gelingt es den beiden immer wieder, den anderen Seglern den Wind zu „klauen”, doch kurz vor Tonne Nummer 9 zieht Takelmeister Werner Frohn (69) mit seinem weinroten Schiff „Hägar” an den beiden vorbei. Gehlen und Menrad nehmen es mit Humor, denn wenig später ist „Hägar” wieder eingeholt. Eine Flaute hat seine forsche Fahrt gestoppt.

Nach exakt 100 Minuten greift Bernd Menrad zur bunten Fußball-Tröte und signalisiert das Ende der Regatta. Siegerboot ist diesmal die „Noordewind”, ein schnittiges Mahagoni-Schiff aus dem Jahr 1936, das Skipper Dieter Friedrichs (74) über Jahre liebevoll restauriert hat. „Als ich das Boot entdeckte, war es ein schäbiges Wrack, das verbrannt werden sollte”, erzählt Friedrichs, der seit 36 Jahren Mitglied im Segler-Club Eschauel ist.

Seit Vereinsgründung im Jahr 1959 sind zwei Mitglieder der ersten Stunde seglerisch aktiv: Mit 81 Jahren ist Werner Hinz der älteste Teilnehmer der „Streuselkuchen-Regatta”. Sein Name ist aber nicht nur in Seglerkreisen bekannt: Mitte der 70er Jahre entwickelte er als technischer Direktor des Deutschlandfunks den sogenannten „Hinz-Triller”, jenen Signalton, mit dem der Verkehrsfunk aktiviert wird.

Gründungsmitglied Ulrich Raunecker (79) segelt ebenfalls seit 52 Jahren auf dem Rursee. Und zählt man die Lebensjahre der elf sportlichen Senioren zusammen, stehen unterm Strich 808 Jahre. In wenigen Tagen wird Marianne Kuschert die Zahl auf 809 steigern, denn dann feiert die einzige Seglerin der Regatta ihren 75. Geburtstag.
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