Düren - Im Stimmungsorkan geht keiner baden

Im Stimmungsorkan geht keiner baden

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
Wandelte die Trägheit der Mas
Wandelte die Trägheit der Masse in der Abendsonne in bewegungsfreudige Energie: Graham Bonney lieferte einen gekonnten musikalischen Querbeet-Auftritt. Foto: Schmitz

Düren. Graumelierte Haarschöpfe zuckten fast ekstatisch in der Abendsonne und im Scheinwerferlicht, Frauen tanzten geschmeidig und ausgelassen im Sand. Und einige enterten die Bühne am Dürener Badesee, auf der die Gruppe „Sailor” auf einer riesigen Sympathiewelle schipperte, zeitweise aber auch mit der Technik havarierte.

Der Stimmung tat es keinen Abbruch, dem Hörgenuss schon. Manche „Sailor-Stücke” verloren sich im Abendwind. Stimmte das Zusammenspiel wurden alte Hits des Quartetts zum Stimmungsorkan und die Musiker mussten das Ruder schon fest in die Hand nehmen.

Auf Grund lief niemand, wohl eher war das Publikum nach einer Wende baff erstaunt, als auf einmal von der Bühne „Con Te Partirò - Time To Say Goodbye” erklang und nach Rockklängen Gänsehaut-Feeling angesagt war. Öliver Marsh, Gitarrist und Sänger der Band, ließ sein Können als ausgebildeter Opernsänger aufblitzen.

Immer dann, wenn „Sailor” auf alten Pfaden wandelte, war die Band live noch immer großartig. Sie faszinierte das Publikum mit Songs wie „Girls Girls Girls”, „Vera From Veracruz”, „Karma Chameleon”, „The Secretary”, „La Cumbia”, verwandelten bei einem „Champagne Reprise” vor allem die Zuhörerinnen in eine „Tanzkompanie” mit erstaunlicher Choreographie. Und bei einem exzellenten Schlagzeugsolo von Tom Marsh wurde die Zuschauermenge zu einer zuckenden Welle.

Zufrieden schaute Richard Müllejans, Leiter des Dürener Servicebetriebes und Veranstalter der 8. Oldie Night am Badesee, dem Treiben zu. Zwar zogen am Himmel dunkle Wolken auf, sie verzogen sich aber ohne einen Gruß zu hinterlassen. Die Veranstaltung fiel nicht ins Wasser. Keiner der Künstler ging baden.

Um die 1500 Besucher waren gekommen, um an den Ufergestaden ihren Oldie-Akku wieder aufzuladen. Sie standen von Beginn an unter Saft.

Graham Bonney mutierte zum „Eisbrecher” und wandelte mit seiner Rallye durch die Schlager- und Rock´n´ Roll- Welt die Trägheit der Masse in der Abendsonne in bewegungsfreudige Energie. Seine Show kam an, das Publikum wurde angesichts der alten Lieder zum sangesfreudigen Chor. Der gesetzte Herr aus Kerpen sang in kölschen Tönen vom „Kölschen Jong”, jagte mit Komplimenten seine „Pretty Woman”, sein „Supergirl”. Er griff in die Saiten seiner Gitarre, ließ Folk und Westernmusik erklingen. Ein gekonnter musikalischer Querbeet-Auftritt, den er mit kleinen Anekdoten würzte.

„Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt”, versicherte anschließend Barry Ryan mit viel Herzblut, beweglichen Hüften und ausdrucksstarker Mimik. Es täuschte aber nicht darüber hinweg, dass die Zeit vor seiner Stimme nicht halt gemacht hat. Zwar lauschte das Publikum fast andächtig seinen Hits und überhörte die Rissigkeit seiner Stimme, wenn er mit Geschick den hohen Tönen aus dem Weg ging, wie in der Disco-Version seines größten Hits „Eloise”.

Letztendlich freuten sich aber alle am „Genuss, wie in der guten alten Zeit”. Keinen störte es als „Sailor” gegen Ende des Programms in die Rolle der „YMCA” schlüpfte und auf den Hit „In the Navy” einen nicht vollendeten „Senioren-Strip” startete.

An diesem Abend wurde das alte Herz wieder jung und nachdenklich-besinnlich, als Richard Mülle-jans an den vor wenigen Tagen verstorbenen Ex-Bürgermeister Josef Vosen erinnerte und die Zuschauer ihm im Sand mit der Melodie „Niemals geht man so ganz” die Ehre erwiesen.
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