Hürtgen - Im Staatswald wird das Brennholz knapp

Im Staatswald wird das Brennholz knapp

Von: Stephan Johnen
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Holz ist ein gefragtes Gut. Auch die Nachfrage nach Brennholz ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Foto: Stock/Becker&Bredel
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Konrad Hecker ist Leiter des Regionalforstamts. Foto: sj

Hürtgen. Eine gute Flasche Rotwein, eine Zigarre, beides im Wohnzimmer am offenen Kamin genossen – „Bis in die 90er Jahre hinein stand das für drei Mal Luxus, zusammengenommen für ein Stück Lebensqualität“, sagt Konrad Hecker, Leiter des Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher Börde.

Spätestens mit der Jahrtausendwende allerdings muss sich an der Beziehung der Menschen zu ihren offenen Kaminen etwas geändert haben. „Die Zeit, in der so etwas in erster Linie als schick galt, ist vorbei“, bilanziert Hecker. Nicht das Flammenspiel, der Glanz des Feuers, das Knacken der Holzscheite stehe weiter im Vordergrund. „Heute wird auf den Brennwert des Kamin-Ofens geachtet“, erklärt Hecker. Denn immer mehr Menschen heizen mit Holz. Das Regionalforstamt bekommt dies zu spüren: Die Nachfrage steigt immer weiter. Sie steigt schneller, als der Wald nachwachsen kann.

„Viele Anfragen können wir daher gar nicht mehr bedienen“, sagt Hecker. Über den Zacken schlagen, also mehr Bäume fällen als für eine nachhaltige Bewirtschaftung auf Dauer tragbar ist, werde schließlich kein Förster. Das Regionalforstamt bewirtschaftet eine Staatswaldfläche von rund 12.000 Hektar und ist zugleich Dienstleister für viele private und kommunale Waldbesitzer in der Region.

Holz aus dem Hürtgenwald werde unter anderem für die Papierindustrie, die Möbelherstellung und die Bauindustrie benötigt. Bis in die USA werde das Holz exportiert. 70.000 Festmeter (siehe Infokasten) wurden im vergangenen Jahr im Staatsforst eingeschlagen, davon 4600 Festmeter Brennholz. In diesem Jahr sind es bereits 7000, die maximal 55 Euro pro Festmeter erzielen. Vor zehn Jahren sei dieser Preis beinahe unvorstellbar gewesen. Brennholz spiele aber weiterhin eine eher untergeordnete Rolle.

„Unsere Förster vermitteln bei Interesse nach Brennholz beispielsweise auch an kommunale Waldbesitzer“, erklärt Konrad Hecker, doch angesichts von über 100 Interessenten je Förster seien die Kapazitäten auch personell erschöpft. Es obliegt den Förstern, die Bestände auszuwählen, die für Brennholz geeignet sind. Sie kontrollieren auch, wenn „Kunden“ Holz einschlagen. Ohne Aufsicht sei dies nicht möglich, Voraussetzung einer Bewerbung ist der Nachweis eines Motorsägenlehrgangs und entsprechende Schutzkleidung.

Um die Jahrtausendwende gab es etwa einen Kurs im Jahr, die Nachfrage sei überschaubar gewesen, „vielleicht ein gutes Dutzend Interessenten“, blickt Konrad Hecker zurück. Ein Großteil der angehenden Motorsägennutzer kam aus Kreisen der Privatwaldbesitzer, der Kurs war kostenfrei. Doch das Interesse stieg, beinahe sprunghaft. Etwa 50 bis 60 Menschen lassen sich mittlerweile im Jahr im Umgang mit der Motorsäge schulen. Kostenpunkt: 140 Euro. So viel Holz gebe es im Staatsforst für all diese Sägen aber gar nicht zu zerkleinern, sagt Hecker. Überwiegend der Kreis der Stammkunden könne derzeit bedient werden, 10 bis 20 Raummeter sollten dabei schon abgenommen werden.

Die Nachfrage nach Brennholz zog erstmals an, als Anfang der 2000er Jahre der Ölpreis seine Kletterpartie begann. Gleichzeitig wurden die Öfen effizienter, neue Techniken wie Pellet- und Hackschnitzelöfen kamen verstärkt zum Einsatz. „Brennholz wird immer begehrter“, sieht Hecker kein Ende dieser Entwicklung. Entsprechend knapp wird die Ware.

Auch das „billigste und schlechteste Holz“ erziele Preise, die deutlich über dem für Sperrholz liegen, sozusagen der untersten Preisklasse im Holzkatalog. „Die Papierindustrie und die Sperrholz-Hersteller hatten beizeiten Probleme, sich zu versorgen“, bilanziert Hecker. Weil das Holz, das bislang für diese Zwecke benutzt wurde, als Brennholz vermarktet wurde. „Der Markt bestimmt den Preis“, sagt der Leiter des Regionalforstamtes. Und daher sei auch das Amt daran interessiert, Bestpreise für das Land NRW zu erzielen. Zum Teil wird Brennholz sogar bei Auktionen der Forstämter versteigert. „Darüber haben wir auch schon einmal nachgedacht“, sagt Hecker.

Potenzial, das noch ausgeschöpft werden könne, gebe es bei den privaten Waldbesitzern in der Region. „Etwa 30 Prozent der Flächen werden nicht forstwirtschaftlich genutzt“, schätzt Konrad Hecker. Dabei sei angesichts der Holzpreise auch eine kleine Parzelle wirtschaftlich zu betreiben. Wie wertvoll Holz geworden ist, zeige sich an einem Beispiel: „In den vergangenen Jahren hat auch der Holzdiebstahl stark zugenommen.“

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