Im Ruhestand: Musikalischer Botschafter Robert Kuckertz blickt zurück

Von: Gudrun Klinkhammer
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Auf besonderen Wunsch übergab Oberstleutnant Robert Kuckertz 1999 dem US-Präsidenten und Musikliebhaber Bill Clinton im Beisein von Bundeskanzler Helmut Kohl und des Regierenden Berliner Bürgermeisters Eberhard Diepgen ein nagelneues Saxofon. Foto: Thomas Ernst
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Robert Kuckertz stammt aus einer Musikerfamilie. Foto: gkli

Düren. Was Robert Kuckertz schon alles erlebt hat, das merkt man ihm gar nicht an. Der studierte Musiker strahlt eine große Ruhe aus. Locker schlendert er durch die Straßen von Düren und steuert auf die Annakirche zu.

Zwar lebt der ehemalige Stabsmusikoffizier der Bundeswehr inzwischen mit seiner Ehefrau und seinen erwachsenen Kindern im Kreis Euskirchen, doch seine Wurzeln liegen im Kreis Düren, in Langerwehe.

Der Grund, mal wieder durch die bekannten Straßen zu schlendern: Robert Kuckertz hat seit einigen Wochen viel Zeit. Strukturbedingt wurden vier Bundeswehrorchester in Deutschland aufgelöst. Nun existieren im ganzen Land nur noch 14 dieser Orchester. Aufgrund der Umstrukturierung gab es einen Überhang an Stabsoffizieren. Unter anderem wurde auch Oberstleutnant Robert Kuckertz angeboten, in den vorzeitigen Ruhestand zu wechseln. Der vielgereiste Soldat und Künstler nahm das Angebot gerne an. Er zog die Uniform aus, die nun in einem alten Bundeswehrspint im Keller seines Hauses am Haken hängt.

Den Dirigentenstab legt er allerdings noch nicht aus der Hand. Der Spezialist gibt immer noch Kurse und Workshops für Nachwuchsdirigenten, sitzt als Wertungsrichter in der einen oder anderen Jury bei Musikwettbewerben und legt speziell für Blasmusikbesetzungen immer wieder Arrangements vor. Robert Kuckertz fügt hinzu: „Ich wäre auch nicht abgeneigt, wenn junge Kameraden Elternzeit nehmen möchten, für diese einzuspringen und die Uniform wieder anzuziehen.“

Einsatzorte in den vergangenen Jahrzehnten waren für Robert Kuckertz Länder und Kontinente auf der ganzen Welt: USA, Afghanistan, Südamerika, Norwegen, Lettland, Afrika. So ging er zum Beispiel im Jahr 2010 für drei Monate, begleitet von zwei Kameraden, einem Saxofonisten und einem Tubisten, in das krisengeschüttelte Afghanistan nach Kabul. Einer kleinen Band, bestehend aus afghanischen Musikern, sollte der deutsche Trupp das mehrstimmige Hymnenspielen beibringen. Robert Kuckertz erinnert sich: „Das war ein heikles Unterfangen, denn aufgrund ihrer Kultur spielen die Afghanen Stücke ausschließlich in einstimmiger Weise.“

Weiter stellte sich heraus, dass die Musiker in dem fremden Land weder schreiben noch rechnen noch lesen konnten. Ihnen klar zu machen, wie lange zum Beispiel eine Vierschlagpause dauert, war fast unmöglich. Robert Kuckertz, nicht nur Dirigent, sondern auch Trompeter, und seine Kameraden spielten ihren Kollegen die einzelnen Passagen immer wieder vor. Fehlte ein afghanischer Soldat einige Tage lang am Stück, dann konnte das deutsche Trio mit der Vorspielerei wieder ganz von vorne anfangen. Robert Kuckertz bilanziert: „Stücke, die bei einem deutschen Militärorchester in einer halben Stunde sitzen, probten wir mit den Afghanen eine ganze Woche lang, und das nicht unbedingt mit Erfolg.“

Als schwierig erwies sich zudem die Altersstruktur des fremden Ensembles. Der jüngste Musiker war 16, der älteste 87. Der Senior hatte nur noch wenige Zähne, für einen Blasmusiker ein Desaster wegen des dadurch fehlenden Ansatzes. Allerdings hatte der betagte Mann drei Ehefrauen im Haus. Diese mussten versorgt werden, und da er keine Rente bezog, musste er noch in hohem Alter beruflich versuchen, die Trompete zu blasen.

Drei Monate lang fuhren Robert Kuckertz und seine Kameraden nahezu täglich vom deutschen Stützpunkt über den berüchtigten „Highway Nr. 7“ zur Kaserne der Afghanen. 700 Schuss Munition lagen immer griffbereit auf dem Beifahrersitz im gepanzerten Fahrzeug. Rückblickend sagt der „Langerweher Jung“: „Heute lacht man über derartige Geschichten, aber damals war es schon belastend. Ich habe nicht selten mit einem scharfen Gewehr auf dem Rücken dirigiert. Was mich ebenfalls nachhaltig erschütterte: Die Taliban ließen ja überhaupt keine Musik zu.“

Doch auch mit Weltstars war der sympathische Kapellmeister unterwegs, so etwa mit Paul Kuhn und Roberto Blanco. An Caterina Valente erinnert er sich ebenfalls noch ausgezeichnet. Robert Kuckertz sagt schmunzelnd: „Ein Industrieller feierte in Wiesbaden im Nobelhotel Nassauer Hof einen runden Geburtstag. Seine Kinder hatten die Big Band der Bundeswehr für ein außerdienstliches und regulär genehmigtes Konzert zur Überraschung engagiert.“ Hinter dem Vorhang saß jedoch nicht nur die Big Band, sondern auch die berühmte Caterina Valente, die die Big Band begleiten sollte.

Robert Kuckertz wundert sich heute noch: „Noch nie habe ich einen so aufgeregten Menschen gesehen wie diesen Weltstar.“ Vor lauter Nervosität verschüttete Caterina Valente ihre halbe Tasse mit Tee, zudem sagte sie plötzlich zum verblüfften Bandleader: „Bitte nimm mich mal ganz fest in den Arm.“ Gesagt, getan. Als sich allerdings der Vorhang hob, da war die große Diva plötzlich wie ausgewechselt. Kuckertz: „Sie war die Ruhe selbst und legte einen phänomenalen Auftritt hin.“

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