Im neuen Wohnzimmer bedankt sich Amir für die Menschlichkeit

Von: Carsten Rose
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Die neuen Bewohner von Haus Ruth bekamen jeweils eine Blume zum Umzug. Foto: Rose

Düren. Im Wohnzimmer von Haus Ruth des Kinderheims St. Josef haben die Gäste kaum mehr Platz als die paar Quadratzentimeter, auf denen sie stehen. Amir, als einer der „Goldjungen“ des Hauses angekündigt, schnappt sich das Mikro – er wolle eine Rede halten, sagt Heimleiter Raymund Schreinemacher.

Was kommt, wisse er nicht. Amir liest ab, zitternd, er spricht deutsch. Seine letzten Sätze am Ende des DIN-A4-Blattes: „Es gibt drei kostbare Dinge im Leben: Familie, Liebe, Menschlichkeit. Ich hoffe, Eure Familien erfahren so viel Menschlichkeit, wie ich es hier in Haus Ruth erfahren habe.“ Er lässt ein paar Tränen kullern.

Amir ist einer von neun jungen Männern aus Afghanistan, die seit Januar an der Friedenstraße im Haus Ruth des Kinderheims St. Josef wohnen. Am Freitag wurde es mit dem Nachbarhaus Michael – eine Gruppe ausschließlich aus geflüchteten jungen Erwachsenen – offiziell eröffnet und eingesegnet. Die Bauzeit betrug bis vergangenen Dezember ein Jahr; nur der Garten ist noch nicht fertig. Das werde aber in den kommenden Wochen geschehen.

Die Gruppe Haus Michael ist aus der Breslauer Straße in Dürens Osten umgezogen, die Gruppe Ruth wohnte vorher provisorisch in Vossenack. Es handele sich hierbei um eine „normale Regelgruppe“, wie Schreinemacher sagte, also könnten demnächst auch Mädchen einziehen. „Die jungen Männer sind alle Topmenschen“, sagte Schreinemacher, „die bereichern unser Miteinander.“ Kurz darauf gab's erst eine musikalische Trommel-Kostprobe für die Ohren, dann sprachen die jungen Männer auf Deutsch Fürbitten aus.

Pfarrer Ernst-Joachim Stinkes der Pfarre St. Lukas segnete die beiden Kreuze der Häuser ein. Zuvor drückte er noch seinen Respekt für die Rede von Amir aus, der mit den Worten „Ich will mit euch über die Probleme des Lebens sprechen“ begonnen hatte. „Die Rede war in höchstem Maß philosophisch. Ich habe mich gefragt, wie einsam ich wohl wäre, wenn ich alleine in Ihrem Land wäre“, sagte Stinkes. Pastor Paul Henrichs (St. Bonifatius) segnete die 18 Räume beider neuen Häuser ein.

Heimleiter Raymund Schreinemacher hatte noch eine Überraschung für seine Schützlinge parat: An einem Spielplatz in Lendersdorf werden die jungen Männer mit noch sieben anderen Flüchtlingen in den kommenden Wochen (Datum steht noch nicht fest) 25 Bäume pflanzen. „Bäume sind ein Symbol für das Leben“, sagte Schreinemacher, „und jeder von Euch bekommt einen mit Eurem Namen – als Symbol für Euer neues Leben in Deutschland.“

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