Nideggen - Im Kirchenasyl dreht Jürgen Becker richtig auf

Im Kirchenasyl dreht Jürgen Becker richtig auf

Von: Axel Keldenich
Letzte Aktualisierung:
beckerbu
Großes anschaulich erläutert: Jürgen Becker arbeitet auch gerne mit den Händen. Foto: Keldenich

Nideggen. „Nix is so schlecht, dat et nit auch für irjendwat jut is”, zitierte Jürgen Becker mal wieder eine rheinische Weisheit. Da war er gerade samt Publikum von der Bühne im Nideggener Burghof in die Kapelle des Bergfrieds umgezogen.

Und die Zuschauer stimmten ihm voll zu. Kamen sie doch auf diese Weise zu einer fast schon familiären Darbietung auf Tuchfühlung mit der Hauptperson.

Doch der Reihe nach. Vor vollbesetzten Rängen hatte Becker gleich zu Beginn seines Gastspiels auf Burg Nideggen bewiesen, dass er ein Meister darin ist, sich spontan und humorvoll jeder Situation anzupassen. Angesichts merklicher Kühle, dunkler Wolken und vermummter Gäste nahm er Bezug auf Autos aus Köln und seinen Auftrittsort. „Eines der ersten deutschen Ford-Modelle hieß Eifel. Wissen Sie warum? Der hatte an der Wetterseite ne Eternit-Verkleidung.”

Einmal in Schwung, ließ Becker noch ein paar Kalauer folgen, ehe er auf sein eigentliches Programm „Was glauben Sie denn?” einschwenkte. So wunderte er sich, dass so viele Gäste in den ersten Reihen offenbar den gleichen Namen trugen: „Heißen Sie wirklich alle Jack Wolfskin?” Und mit Blick auf die Umgebung: „Die Älteren unter Ihnen müssen sich hier sicher an die Zeit nach dem Krieg erinnern. Da sah es überall so aus.” Und dann - beim freien Blick auf den wolkenverhangenen Himmel - ging es um die Dachdecker, die in der Diskussion um die Rente mit 67 immer als Musterbeispiel herhalten müssen: „Sehen Sie, so sieht das aus, wenn wir irgendwann wirklich keine Dachdecker mehr haben.”

Später dann immer wieder griffige Erklärungen zu vermeintlich komplexen Themen wie etwa „Das waren Mythen in Tüten.” Und weil die meisten Besucher gleich zu Beginn des Abends die kostenlosen durchsichtigen Plastikcapes gegen den Regen übergezogen hatten, kam dann gleich hinterher: „Wie Sie auch.” Manchmal reichten auch unvollendete Sätze, um das Gemeinte an den Mann zu bringen. „Wie die Menschheit entstanden ist, mag man sich gar nicht vorstellen, wenn man weiß, dass da zunächst nur Adam und Eva und ihre beiden Söhne waren. Allerdings: In ein paar entlegenen Orten in der Eifel...”

Als zu Beginn des zweiten Teils der Regen dichter wurde, forderte Becker seine Zuhörer zum Durchhalten auf: „Sie haben gestern den Knebel ertragen, da schaffen Sie mich auch noch!” Obwohl er kurz darauf den Regenponcho in die Reihe der großen Erfindungen der Menschheit einreihte, ging wenig später gar nichts mehr. Das Programm wurde unterbrochen, jeder suchte Schutz vor Wind und Wetter. Dazu ließen die Veranstalter dann auch die Kapelle öffnen. Als Becker die dort Wartenden zum Durchhalten ermahnen und kurz aufheitern wollte, änderte er spontan alle Pläne. „Wir bleiben hier, holen Sie mal alle hierher.”

Gesagt, getan - und Becker konstatierte: „Die Kirche - ein großes Schiff. Besonders wertvoll, wenn es draußen schifft.” Für ihn und die Gäste gab Käthe Rolfink als Vertreterin der gastgebenden Kreis-Kulturinitiative dann noch einen kurzen Abriss über die Historie des neuen Veranstaltungsortes, ehe es eng an eng weiterging. Sogar gemeinsames Singen war angesagt. Einmal „Happy Birthday”, als Becker auf seinen zwei Tage zurückliegenden Geburtstag Freibier für alle orderte. Und den Schluss der Veranstaltung ließ Becker im Chor von allen kommentieren: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert