Im Internat den Flüchtlingen eine Heimat geben

Von: Stephan Johnen
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51 Millionen Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit auf der Flucht. Viele Minderjährige schlagen sich auf eigene Faust bis nach Deutschland durch. Foto: Stock/Xinhua
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Bruder Wolfgang Mauritz (l.) und Pater Daniel Züscher. Foto: sj

Vossenack. Die Bilder der Flüchtlingsströme haben Pater Daniel Züscher bewegt. „Wer, wenn nicht wir Franziskaner?“, fragte sich der Leiter des Franziskus-Internats bereits im Mai des vergangenen Jahres. Er wollte helfen – und minderjährige Flüchtlinge aufnehmen, die es auf eigene Faust bis nach Deutschland geschafft haben.

„Ich wusste nicht, was alles im Vorfeld zu regeln ist“, räumt Pater Daniel ein. Er ist jedoch voller Zuversicht, dass im Frühjahr die ersten Flüchtlinge in Vossenack aufgenommen werden können.

Mehrere Monate der Planung und viele konstruktive Gesprächen mit Behörden und Verbänden liegen hinter den Franziskanern. In der kommenden Woche sollen die letzten Details geklärt und der Antrag beim Landesjugendamt gestellt werden. Auch eine Zustimmung der Franziskus-Stiftung steht noch aus. Geplant ist, neun Jugendliche ab 15 Jahren zu betreuen. „Wir möchten ihnen eine neue Heimat geben, sie in das Leben, in die Region integrieren“, sagt Pater Daniel. Ganz wichtig sei es, den jungen Flüchtlingen, die womöglich ihre Eltern durch Gewalt verloren haben und traumatisiert sein können, Sicherheit zu geben.

„Wir sind nicht naiv. Wir haben eine Vorstellung davon, welche Aufgaben und auch Herausforderungen auf uns zukommen“, betont Pater Daniel. Die Franziskaner hätten bereits heute viele Kontakte zu Hilfseinrichtungen und Sozialverbänden, dieses Netz soll enger geknüpft werden. Dafür ist der Internatsleiter viel unterwegs, besucht beispielsweise Flüchtlingseinrichtungen, informiert sich. Pater Daniel ist auch bewusst, dass unter den Flüchtlingen viele muslimische Jugendliche sind.

Vor kurzem erst ist er deswegen nach Köln gefahren, um sich mit Vertretern des Zentralrats der Muslime in Deutschland zu treffen. Seitdem ist er Besitzer eines Gebetsteppichs und eines Korans. Und er habe die Zusage für eine weitere Zusammenarbeit erhalten. „Ich bin stolz auf diese Geschenke“, sagt der Franziskaner, der fest entschlossen ist, eine pädagogische Fachkraft mit muslimischen Hintergrund einzustellen und bei Bedarf einen Gebetsraum einzurichten. „Die Erinnerung daran, dass sich Franziskus im Jahr 1219 mit Sultan Melek al Kamil getroffen hat, um einen Religionsdialog zu starten und die Kreuzzüge zu beenden, ist noch wach“, sagt Pater Daniel. „Wir öffnen Türen. Ganz im Sinne Franz von Assisis“, betont er.

Der Konvent hat sich einstimmig dafür ausgesprochen. „Als Kind ist unser Mitbruder Chí Thién Vu aus Vietnam geflüchtet. Seine Schilderungen haben uns alle noch einmal sensibilisiert“, glaubt Bruder Wolfgang Mauritz als Vorsteher. Die Franziskaner wollen es den Jugendlichen ermöglichen, ihre Zukunft zu gestalten. Dafür setzen sie auch auf ehrenamtliche Hilfe. „Es gibt bestimmt Menschen, die beispielsweise Deutschunterricht erteilen können“, ist Pater Daniel zuversichtlich. „Franziskaner sind ohnehin Optimisten“, sagt er und lacht.

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