Im Haus der Stadt Düren: Quartett „Hot Club d‘Allemagne“

Von: Hannes Schmitz
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Sie fühlten sich der Tradition des Sinti-Gitarristen Django Reinhardt verpflichtet und bote ein ausgezeichnetes Jazz-Konzert: die Formation „Hot Club d‘ Allemagne“. Foto: Hannes Schmitz

Düren. „Saitenakrobatik“ und Virtuosität: Da stand mit dem „Hot Club d‘Allemagne“ ein Quartett auf der Bühne im Foyer des Hauses der Stadt, das Kompositionen des legendären Swing-Gitarristen Djan- go Reinhard spielte und auf verblüffende Art und Weise die typischen Charakteristika dieser Musik, die ihren besonderen Reiz ausmachen, traf.

Gekonnt tauchten die Musiker ein in die romantische, oftmals melancholische Gipsy- Musik, die der Sinti-Gitarrist einst mit dem Jazz in unnachahmlicher Weise verschmelzen ließ und einen völlig neuen Stil kreierte.

Die Musiker aus dem Osten ließen den Gipsy Swing in einer fantastischen Manier aufleben, flanierten vollkommen entspannt in diesen musikalischen Gefilden und ließen ihr Konzert zu einem ungetrübten Vergnügen für das Publikum werden, das recht zahlreich den Cappella Villa Duria „Jazzabend“ besuchte.

Nicht nur die Musik sprach an, sondern auch die Spiellaune des Quartetts mit seinem improvisatorischen Einfallsreichtum, das sich musikalisch „blind“ zu verstehen schien. Und da waren die überaus flinken Finger des Sologitarristen Karl-Heinz Vogel, der Skalen und Arpeggien mühelos beherrschte. Nicht minder eindrucksvoll Klaus Jacob, der mit seiner Gitarre für den einprägsamen Rhythmus sorgte und auch durch den Abend führte. Thomas Prokein stand den beiden Gitarristen kaum nach und hatte noch eine Überraschung bereit.

Er spielte auf einer fünfsaitigen Geigen, ein „Eigenbau“, der Violine und Bratsche „vereinigen“ sollte. Der Clou: er erreichte damit auch tiefe Töne. Für die ganz tiefen war der ausgezeichnete Bassist Hendrik Bertram zuständig.

Nie hatte man bei dem Ensemble den Eindruck, dass nur etwas „mechanisch“ nach gespielt oder gekonnt gecovert wurde. Unverkennbar war der hohe musikalische Anspruch der Band in einem in höchster Perfektion und Tempo vorgetragenem Spiel.

Auch Eigenkompositionen

Sie schwelgte einerseits in der Tradition der Reinhardt-Klassiker, überzeugten aber auch in ihren Eigenkompositionen durch ungeheuere Vielfalt. „Alten Kompositionen“ gaben sie ein neues Gewand, andererseits verschlossen sie sich nicht gegenüber andren Stilarten.

Und das „Schicksal“ eines Gitarristen lernte das Publikum auch kennen. Gitarrensaiten können nicht endlos strapaziert werden. Diese unliebsame Erfahrung machte Karl Heinz Vogel beim Riss einer Saite – und zeigte sich dann als wahrer Könner.

In rekordverdächtiger Zeit wurde eine neue aufgezogen. Künstler und Publikum nahmen es gelassen und der Auftritt ging in gekonnter, aufregender und kunstvoller Form weiter.

„Hot Club d‘ Allemagne“ bot mit explosiver Dynamik, feinsten Nuancen und überraschenden Phrasierungen ein Konzert, das das total begeisterte Publikum wohl nicht so schnell vergessen wird.

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