Ilja Richter: „Rheinische Mentalität hat es mir angetan“

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Ilja Richter
Ilja Richter spricht vor seinem Gastspiel im Haus der Stadt über seine Erinnerungen an Düren und seinen Freund Franz Joseph Hall. Foto: Komödie & Theater am Kurfürstendamm

Düren. „Gut so? Oder wollen Sie mich mehr auf Kind?“ zitiert Ilja Richter sich selbst als Zehnjährigen anlässlich eines Vorsprechens. Das erzählt er 1982 in der Abschiedsausgabe der TV-Kult-Musiksendung „Disco“. Kein Wunder, dass er bereits im zarten Alter von 15 Jahren zum Fernsehen ging und mit 17 Jahren begann, „Disco“ zu moderieren.

Er begegnete den großen Musikern der 70er Jahre, von A wie Abba bis Z wie Zappa. Wer Ilja Richter jedoch nur als „Disco“-Moderator kennt, hat den größten Teil seiner Arbeit verpasst. Richter ist ein guter Beobachter unserer Zeit. Das stellt der 64-Jährige seit über 30 Jahren ‚Post-Disco-Tätigkeit‘ als Schauspieler, Musicaldarsteller, Comedian, Kabarettist, Regisseur und Autor unter Beweis.

Am Donnerstag, 8. Dezember, kommt er mit Markus Majowski und der Komödie „Der Kredit“ nach Düren. Anlässlich seines Besuchs sprach unsere Mitarbeiterin Anke Holgersson mit ihm.

Ilja Richter berichtet über das Stück ‚Der Kredit‘ und erinnert an einen bekannten Dürener, der sein Freund war: Der 2012 verstorbene Kultur-Enthusiast Franz Joseph Hall, Träger der Ehrenplakette der Stadt Düren, langjähriger Rektor der Grundschule St. Bonifatius, Gründer der Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft, Kunstsammler und ehrenamtlicher Kurator, Brieffreund von Jean Cocteau und Autor von Büchern über die Kunst, unter anderem über die Kulturlandschaft in und um Düren.

 

Worum geht es in ‚Der Kredit‘?

Richter: In Kurzform: Da will einer einen Kredit und hat keine Sicherheiten. Der andere, der Filialleiter der Bank, will ihm den Kredit verständlicherweise nicht geben. Er schafft es trotzdem. Grob gesagt, weil er mit seiner plumpen Drohung ‚Wenn Sie mir diesen Kredit nicht geben, schlaf ich mit Ihrer Frau‘ tatsächlich Erfolg hat. Weil der, der den Kredit haben will, ein guter Manipulator ist und die Unsicherheiten seines Gegenübers - zum Beispiel dessen wackelnde Ehe - erkennt. Es ist dem Autor des Stücks, Jordi Galceran, gelungen, daraus eine meisterhafte Boulevardkomödie zu bauen. Ein Psychoduell mit wunderbaren Pointen, die sich aus der Situation ergeben.

Bei Ihrem ersten Auftritt in Düren waren Sie mit den Kessler-Zwillingen auf Tournee. Zuletzt waren Sie 2008 mit ‚Hello Dolly‘ vor Ort. Haben Sie Erinnerungen an die Stadt?

Richter: Ja, an meinen Freund Franz Joseph Hall, der in der Dürener Innenstadt lebte und mich immer ein bisschen an Paul Henckels in seiner Rolle als Professor Bömmel in der Feuerzangenbowle erinnerte. Sie wissen schon, der mit der Dampfmaschin‘. Diese rheinische Mentalität, diese Gemütlichkeit, hat es mir angetan. Gepaart mit Halls Bildung, Sanftmut und seinem Engagement für die Stadt war dieser Mann einfach besonders. Ich glaube, Hall war ein begeisterter Kulturmensch, der bestimmt auch hier und da im besten Sinne genervt hat, um manchmal vielleicht unbequeme Anliegen vorzubringen.

Wie zum Beispiel?

Richter: Na, wie zum Beispiel die Reste des schönen alten Stadttheaters vor dem Abriss zu bewahren. Das ist ihm leider nicht gelungen.

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Richter: Ich traf ihn, als ich vor vielen Jahren in Düren gastierte, ich glaube es war 1987 mit ‚Pension Schöller‘. Wir haben uns über die künstlerische Leiterin, Monika Rothmaier-Szudy, kennengelernt, weil wir nach der Vorstellung alle zusammen essen gegangen sind. Ich erinnere mich, dass es ein Lokal war, in dem auch unsere Hunde, also der Labradormischling meiner Freundin Silke Dornow, die auch mitspielte, und meine arrogante Afghanendame Aline, willkommen waren. Der ganze Abend war so berührend, so menschlich, dass sich eine Freundschaft zu Hall entwickelte.

Ich wohnte zu dieser Zeit in Köln. Ich hatte fest vor, im Rheinland zu bleiben. Meine Mutter kam aus Berlin zu mir. Sie starb in Köln. Am Tag nach ihrem Tod rief mich Hall an, instinktiv, weil er gespürt hat, dass es mir nicht gutging. Das habe ich als etwas ganz Besonderes erlebt. Von da an waren wir in engem Kontakt. Ich glaube, er war auch einsam. Wenn er anrief, sagte er oft: ‚ Jung, isch mach mer Sorjen um disch!‘ Ich denke, das hieß eigentlich: ‚Hey, warum rufst du nicht an?‘

Ein typischer Elternsatz, oder?

Richter: Ja, durchaus. Er hat meinen Sohn Kolja auch immer als seinen Ersatzneffen bezeichnet.

Bis wann waren Sie in Kontakt?

Ilja Richter: Bis kurz vor seinem Tod. Als ich ihn einmal im Pflegeheim besuchte, war er schon gar nicht mehr richtig klar. Er glaubte zum Beispiel, er sei in der Schweiz. Der tiefgläubige Katholik hatte eine bezaubernde Foto-Kombi auf seinem Nachttisch: Ein Foto vom Papst und eines von mir. Das werde ich nicht vergessen.

Zurück zum Stück: Was essen und trinken Sie in der Garderobe am liebsten? Wir geben das gerne weiter.

Richter: Och. Ganz einfach Bananen und stilles Wasser. Damit sind Markus Majowski und ich schon glücklich.

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