Hundesport-Meisterschaft: Verein von Verlegung bedroht

Von: Thomas Vogel
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Vielleicht die letzte Meisterschaft am Standort: Wenn das Vereinsheim (im Hintergrund) der Kartbahn weichen muss, werden sich Dolly (vorne), Emma (Mitte) und Marie, die Hunde von Peter Maus, erster Vorsitzender des HSG, an eine neue Trainingsumgebung gewöhnen.
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Peter Maus, Vorsitzender der Hundesport-Gemeinschaft Niederzier.

Niederzier. Ein Fingerzeig, und die Meute stoppt. Ein Zungenschnalzen, und sie setzt sich wieder in Bewegung – schnell, rasend fast. Aber nie bedrohlich. Einen solchen Eindruck machen Molly, Emma und Marie, die drei Australien Shepherds, nicht. Auf Peter Maus, ihr Herrchen, hören die drei selbst, wenn dieser kein Wort sagt.

Darauf hat er sie trainiert, so wie mehr als 100 weitere Menschen mit ihren Hunden am perfekten Gehorsam in der Hundesport-Gemeinschaft Niederzier arbeiten. Peter Maus ist ihr Vorsitzender.

Gegründet wurde der Verein 1995 von einer Gruppe Hundesportbegeisterter Niederzierer. Bei der Platzsuche ergab sich „das Glück, dass RWE das Gelände großzügig zur Verfügung gestellt hat“, sagt Maus. Die Pacht sei eher als symbolischer Obolus zu betrachten. Ohne diese Form der Unterstützung könnte die HSG in ihrer heutigen Form auch nicht existieren. So aber können sich die Hundeliebhaber auf ihren Sport konzentrieren. Erfolgreich: Seit 2008 hat die HSG vier Deutsche Meister in drei verschiedenen Verbänden im Turnierhundesport gestellt.

Im Turnierhundesport bilden Mensch und Hund ein Team. Es gibt einen Gehorsamsteil, in dem beide eine vorgegebene Strecke mit verschiedenen Übungen unter den Augen eines Leistungsrichters absolvieren müssen. Im Dreikampf laufen Hund und Herrchen auf Zeit zusammen und bewältigen Hürden.

Im Agility muss demgegenüber ein Parcours mit Hindernissen absolviert werden, über die der Hund geführt wird. Möglichst wenig Stangen soll das Tier dabei umwerfen. „Es ist fast wie im Reitsport“, erklärt Maus, „nur viel, viel kleiner“. Im Obedience, oder der „Krönung der Unterordnung“, geht es „nicht mehr nur darum, dass der Hund sich hinsetzt, sondern er muss sich absolut richtig hinsetzen“, erklärt Maus.

Für die Mitglieder der HSG gehe es darum, sich nicht nur mit seinem Hund zu beschäftigen, sondern sich sinnvoll mit ihm zu beschäftigen. Außerdem sei man unter Gleichgesinnten und könne auf jede Menge Fachwissen zurückgreifen.

Und dieses Angebot können auch Nicht-Mitglieder in Anspruch nehmen: Mit Welpen und Junghunden können die sich an den Verein wenden, um Kurse mitzumachen und ihre Tiere art- und tierschutzgerecht erziehen, sozialisieren und ausbilden zu lassen. Eigentlich perfekt, könnte alles schön weiterlaufen – mit einem Platz weit ab vom Schuss am Rande des Tagebaus, auf dem kein Gebell der Welt jemanden stören könnte.

Aber es droht Ungemach: Zum einen das Bauvorhaben der Bergwelt Sophienhöhe, das aber maximal Zukunftsmusik ist. Viel näher und gar nicht so unwahrscheinlich ist die Verlegung der Kerpener Kartbahn, die auf ihrer Flucht vor dem Braunkohletagebau den Platz, auf dem derzeit Hund und Herrchen noch Agility, Turnierhundesport und Obedience trainieren, in Beschlag nehmen könnte. „Klar sehe ich diese Option als Damoklesschwert über dem Verein schweben“, sagt Maus. Mit der Liegenschaftsabteilung von RWE in Köln steht er in engem Kontakt.

Stand der Dinge aktuell sei: Man habe festgestellt, dass der Regionalrat seine Zustimmung geben muss, damit die Kartbahn an den Standort ziehen kann. Der Vorsitzende schaut wie viele der HSG-Mitglieder sorgenvoll in die Zukunft, kann aber nichts unternehmen.

„Wir hoffen, dass RWE sich weiter so hilfsbereit und großzügig zeigt, wie bisher. Die Zusammenarbeit bis jetzt war toll. Vielleicht helfen sie uns, einen Platz zu finden, wenn der Umzug kommt.“ Es ist, wie so oft, eine Frage des Geldes. Über große finanzielle Reserven verfügt der Verein nicht, kann deshalb weder einen Umzug noch die Miete eines ausreichend großen Platzes stemmen.

Am Sonntag ist nun erst einmal wieder ein Freudentag: Die Verbandsmeisterschaft des Deutschen Hundesportverbands (DHV) im Agility steht auf dem Platz in Niederzier an. Um 9 Uhr geht es los mit dem ersten Start. Maus schätzt, dass die Meisterschaft gegen 16 Uhr zu Ende geht.

„Und mit ihr“, sagt er, „vielleicht die letzte Meisterschaft auf unserem Platz.“

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