Humor mit „200-Prozent-Vollblutfrauen”

Von: Bruno Elberfeld
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Biggi Wanninger (l.) und Anne
Biggi Wanninger (l.) und Anne Rixmann boten im Komm ein buntes Programm voller Witz, Komik, Ironie und Musik. Foto: bel

Düren. Zusammen, so verkündete die Stimme aus dem Off zu Beginn der Veranstaltung im Komm, bringen sie 147 Kilogramm bei einer Gesamtgröße von 358 Zentimetern auf die Waage: Biggi Wanninger, vielen bekannt als Präsidentin der Kölner Stunksitzung, und Anne Rixmann, die - wie sie selber sagt - „norddeutsche Minderheit im rheinischen Ensemble”.

Mit einem Lügendetektor aus NVA-Beständen stiegen die beiden Künstlerinnen ein. Wie oft lügt der normale Bundesbürger an einem Tag? Etwa 200 Mal. Der Lügendetektor wurde natürlich zur Gaudi des Publikums an Biggi Wanninger ausprobiert. Schon bei der geschummelten Kleidergröße von 36 drehte sich die Warnlampe. Mit einer gut dosierten Mischung aus Kabarett und Komik trafen Wanninger und Rixmann den Nerv der Zeit.

Die Esoteriklehre, ausgestrahlt von „Astro-TV”, wurde zur „Lehre vom weichen Keks”. In den Rollen von Wahrsagerinnen errieten die „200-Prozent-Vollblutfrauen” den Vornamen der Anrufer, wenn diese ihren Nachnamen nannten, Gelegenheit für Seitenhiebe auf aktuelle und nicht mehr aktuelle Politiker wie Karl-Theodor von und zu Guttenberg, dessen Kinder vielleicht doch von Horst Seehofer stammen? Oder Rainer Brüderle mit seiner „Insolvenz-Partei FDP”, zu dem die beiden Frauen ebenfalls per Telefon eine spirituelle Beziehung aufbauten.

Sarrazin, Gregor Gysi und - wie sollte es anders sein - Angela Merkel bekamen ihr Fett weg. Sogar die Welt der Götter ließen Wanninger und Rixmann nicht ungeschoren. Die Schöpfergötter wie Jahwe, Gott Vater und Allah fielen bei den Kabarettistinnen durch. In ihrer Vorstellung sehen sie aus wie Vitali Klitschko im Alter von 80 Jahren mit Bart und zetteln Kreuzzüge oder Heilige Kriege an. Zeus war da schon freundlicher: Klitschko nur mit einem Olivenzweig im Haupthaar bekleidet, der sich in verschiedenen Gestalten auf der Erde vergnügt.

Die Favoriten der Frauen auf der Komm-Bühne waren die saisonalen Götter wie Hermes, Herpes, Karel Gott und Nivea, die Göttin des Sonnenbrandes. In allen Rollen, in die die Kabarettistinnen schlüpften, gaben sie eine tolle Figur ab. Als „Kommando Graue Zellen” protestierten sie gegen die Atomkraft. Gehorchte ein Gegner nicht, wurde er mit der Musik von „Margot und Maria Hellwig” gefoltert.

Das nächste Thema: „Wie kann die Sozial-Matruschka Ursula von der Leyen”, so die Frage, „bei Hartz-IV-Empfängern die 20 Euro für den Alkohol sperren?” Ob die denn nicht wisse, dass Leute ohne Alkohol länger leben und damit dem Staat länger auf der Tasche liegen?

Aufgelockert wurden die Texte mit Passagen, in denen die Künstlerinnen zeigten, welche Musikalität und Vitalität in ihnen steckt und nach draußen will. Biggi Wanninger und Anne Rixmann trafen mit einem Programm aus hintersinnigem Humor und gekonnter Ironie den Nerv der Zeit. Teilweise charmant und kämpferisch nahmen sie gesellschaftliche und politische Entwicklungen aufs Korn, wobei sie sich auch selbst auf die Schippe nahmen.

Wanninger und Rixmann, ein eingespieltes Duo mit Geist, Musikalität und Originalität in den Knochen, boten ein zweistündiges Programm, das die Gäste zu Dauerlachen und Standing Ovations animierte.
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