Vossenack - Hürtgenwaldmarsch: Ertüchtigung, Erinnerung und Kameradschaft

Hürtgenwaldmarsch: Ertüchtigung, Erinnerung und Kameradschaft

Von: Lukas Weinberger
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Martin Disse (r.) vom Studienk
Martin Disse (r.) vom Studienkreis Historische Darstellungen und seine Mitstreiter stellten zur Freude des Vorsitzenden der Reservistenkameradschaft Hürtgenwald, Heinz-Uwe Adrian (l.), amerikanische Truppen nach.

Vossenack. Die Schuhe voller Dreck, die Kleidung durchnässt, der Atem schwer: So kam Ingo Faßbender ins Ziel am Vossenacker Dorfplatz.

Man hätte meinen können, dass der Reservist zuvor richtig gelitten hätte, wäre da nicht das breite Strahlen in seinem Gesicht gewesen.

„Natürlich war es anstrengend, aber es hat auch riesigen Spaß gemacht”, berichtete der Untermaubacher. Mit zwei Kameraden hatte er zuvor die 20-Kilometer-Distanz - eine der vielen Marschstrecken des 28. Internationalen Hürtgenwaldmarsches - bewältigt. „Obwohl ich meine Mitstreiter nicht so gut kannte, haben wir perfekt harmoniert und viel gelacht.”

Als Heinz-Uwe Adrian, Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Hürtgenwald, die den Marsch mit dem Landeskommando NRW der Bundeswehr organisierte, Faßbenders Bericht hörte, strahlte auch er: „Genau das sind unsere Ziele.” Kameradschaftspflege, Ertüchtigung und die Erinnerung, an das, was in den Jahren 1944 und 1945 im Hürtgenwald geschehen ist, seien die wichtigsten Aspekte des Marsches.

Der Krieg war damals schon entschieden; im Hürtgenwald wurde die deutsche Niederlage nur noch unnötig verlängert. Am Ende war die Landschaft verwüstet, verloren fast 70.000 Menschen in der „Hölle im Hürtgenwald” ihr Leben. „Daran wollen wir beim Marsch gedenken und eine Versöhnung über den Gräbern erreichen”, erklärte Adrian.

Eröffnet hatte die Veranstaltung der Kommandeur des Landeskommandos NRW, Ralf Kneflowski; ein Gedenkkranz wurde niedergelegt, ein Feldgottesdienst gefeiert.

Rund 500 Teilnehmer - aus ganz Deutschland, Frankreich, England, Belgien und den Niederlanden - bewältigten am Samstag bei Regen und Kälte den Streifzug durch den Hürtgenwald. Fast 150 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Auf der Strecke, im Festzelt, bei der Auswertung der Ergebnisse - die helfenden Hände hatten überall ihre Finger im Spiel. „Die Versorgung und Betreuung war einfach bombastisch”, urteilte denn auch Ingo Faßbender, der zum vierten Mal in Folge den Hürtgenwaldmarsch in Angriff genommen hatte.

Teil dieser Helfer war beispielsweise eine Gruppe um Reservist Horst Lammering, den Leiter der Sanitätsstation. „Wir sind für alle Eventualitäten gerüstet”, erklärte er. Vom Beatmungsgerät über Defibrillatoren bis zum EKG-Gerät hatten die Sanitäter alles dabei. Gleich vier Notärzte waren vor Ort. „Bei einem solchen Marsch kann immer etwas passieren, und für den Fall wollen wir natürlich vorbereitet sein”, sagte Lammering. Angefangen bei Blasen an den Füßen bis hin zum Kreislaufkollaps habe er schon alles erlebt. „In diesem Jahr ist es aber sehr ruhig geblieben”, freute sich Lammering am Ende.

Beim 28. Hürtgenwaldmarsch waren wieder viele „alte Bekannte” mit von der Partie: die Kurhessische Marschgruppe Hürtgenwald aus der Umgebung von Kassel etwa. Schon zum neunten Mal nahmen die Mannen um Otto Baumann (Oberstleutnant der Reserve) teil. Auch in diesem Jahr war ihre Gruppe mit über 20 Reservisten wieder die größte Formation. „Wir betreiben hier Traditionspflege, fördern die Kameradschaft, ertüchtigen unsere Körper und präsentieren die Bundeswehr in der Fläche”, erklärte Baumann. Aus diesen Gründen wolle die Gruppe auch 2012 wiederkommen und mit der zehnten Teilnahme ein Jubiläum feiern. Auch wieder dabei: Der Reservistenmusikzug Sauerland, der die Reservisten und Gäste im Festzelt unterhielt.

Ebenfalls zum wiederholten Mal war der Studienkreis Historische Darstellungen in Vossenack zu Gast. Diesmal schlug er ein für die damalige Zeit typisches amerikanisches Feldlager auf. „Zudem haben wir auf der Marschstrecke verschiedene Stationen aufgebaut”, erklärte Martin Disse vom Studienkreis. Ein nachgestellter verunglückter Jeep war beispielsweise zu sehen, auch eine Erste-Hilfe-Station. „Das ist Geschichte zum Anfassen”, bekundete Disse.

Erneut vertreten war auch die Feuerwehr aus Brohltal. Aus ihrem Kreis kam die jüngste Teilnehmerin: Die vierjährige Marlene marschierte über sechs Kilometer mit ihrem Vater mit.

„Beim Hürtgenwaldmarsch geht es vor allem ums Erinnern, Wiedertreffen und Aussprechen”, sagte Adrian. Auch die Bürger wolle man einbinden und ihnen Tradition und Leidenschaft der Reservisten näherbringen. Doch eines sei noch wichtiger: „Wir wollen deutlich machen, dass wir so etwas wie den Zweiten Weltkrieg nie wieder erleben wollen.”
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