Hürtgenwald: Keine Mythen, sondern kritische Diskussion

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:
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Hürtgenwald. Die Schlachten um den Hürtgenwald zählen zu den schwersten Kämpfen des Zweiten Weltkriegs. Sie haben der Höhengemeinde bis zum heutigen Tag eine gewisse traurige Berühmtheit verschafft. Zunehmend möchten historisch Interessierte das Waldplateau nordöstlich der belgisch-deutschen Grenze besuchen.

Spätestens, wenn sich die „Schlacht im Hürtgenwald“ im Jahr 2014 zum 70. Mal jährt, wird mit verstärktem Interesse gerechnet. Menschen aus der näheren Umgebung, aus Belgien, den Niederlanden, aber auch aus den Vereinigten Staaten wollen die Stätten persönlich in Augenschein nehmen, die in die Geschichtsbücher eingingen. In der Rureifel will man die Gäste verantwortungsvoll, das heißt mit einem ambitionierten Projekt empfangen und auffangen.

22 Hürtgenwald-Guides werden derzeit im Nationalpark-Infopunkt Zerkall ausgebildet. Sie sollen ab dem kommenden Frühjahr den Touristen spannend, aber nicht unhinterfragt die berühmten Abwehrschlachten der Wehrmacht gegen die angreifende US Army im Gebiet der Nordeifel erklären. Um das anspruchsvolle Projekt zu stemmen haben sich zusammengeschlossen: der Verein Höhenart mit seinem Vorsitzenden Bürgermeister Axel Buch, der Verein Rureifel-Tourismus mit Geschäftsführer Gotthard Kirch und Achim Konejung mit der Konejung Stiftung Kultur.

Konejung hat mit dem Film „You enter Germany“ eine vielbeachtete Dokumentation über die Kämpfe am Westwall veröffentlicht. Außerdem hat er die so genannten „Historisch-Literarischen Wanderwege“ entwickelt. Bei dem neuen Projekt zeichnet er für die inhaltlichen Aspekte der Ausbildung verantwortlich.

Es gebe „ein großes Publikum, das ernsthaft bedient werden will“, sagt Konejung. Das Projekt will unbedingt mehr sein, als ein reines auswendig gelerntes Heruntererzählen der einzelnen Truppenbewegungen. Hintergründe, Zweifel, Ungewissheiten und Zusammenhänge werden zur Sprache kommen.

Die neuen Guides waren bereits vor Beginn des Unterrichts mit der Thematik vertraut: Es sind Männer und Frauen, pensionierte Lehrer, Studenten, Vogelsang-Referenten und andere. Sie kommen aus der hiesigen Region, aus Euskirchen und Belgien und dürfen bei ihren Führungen eigene Schwerpunkte setzen. Der Unterricht umfasst sechs Dienstagabende und sechs Samstage und endet in Kürze. Ausflüge stehen übrigens ebenfalls im Lehrprogramm sowie Besichtigungen und Vorführungen. Konzipiert wurde das Projekt vom Verein Rureifel Tourismus.

Über diesen Verein wird man nach Ostern, so ist es geplant, auch Führungen buchen können. Kirch spricht ausdrücklich von einem touristischen Projekt. Der Rureifel gehe es dabei „nicht ums Geldverdienen“. Die Führungen gebe es zu erschwinglichen Preisen und die Guides „bekommen normale Referenten-Honorare“. Kirch hofft allerdings auf einen indirekten Gewinn, auf Gäste, die zwecks persönlicher Weiterbildung beispielsweise zwei oder drei Nächte in der Region bleiben.

Axel Buch weist darauf hin, dass es sich um ein Leader-Projekt (EU-Projekt) handelt, 15.000 Euro stehen dafür zur Verfügung, von denen die Sparkasse Düren allein 4000 Euro spendiert. Buch weiß um die Mythenbildung und möchte dem fundiertes, kritisch reflektiertes Wissen entgegensetzen. Und im übrigen „das Feld nicht den Rechtsradikalen überlassen“.

Menschen, die angesichts von Bunkern, alten Waffen und Abzeichen in helle Begeisterung ausbrechen, sind bei den Führungen fehl am Platz. Auch das gehört, laut Konejung, zur Ausbildung: Passend reagieren, wenn Rechtsradikale auftauchen.

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