Hürtgenwald: Erinnerungen an die Brände der Nachkriegszeit

Von: Stephan Johnen
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Robert Hellwig (links) und Helmut Rösseler sind noch auf der Suche nach Zeitzeugen, die etwas über die Waldbrände im Hürtgenwald der direkten Nachkriegsjahre berichten können. Foto: Stephan Johnen

Vossenack. Der Hürtgenwald kam auch nach den Kämpfen im Kriegswinter 1944/45 nicht zur Ruhe. Jahrelang wüteten bis 1948 immer wieder Waldbrände auf dem ehemaligen Schlachtfeld, die zum Teil auch auf die Dörfer übergriffen.

An diese Zeit erinnert eine kleine Sonderausstellung, die die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ Lothar Greven und Martin Hecker während der Winterpause federführend zusammengestellt haben und die nun sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen ist. Auch des Feuerwehrmannes Remy Stollenwerk, der bei den Bränden am 17. August 1947 umkam, wird gedacht.

„Ich kann mich noch gut an den Anblick des brennenden Waldes erinnern“, sagt Robert Hellwig (74 Jahre), Mitglied des Geschichtsvereins Hürtgenwald, der 1947 mit seiner Familie aus der Evakuierung zurück nach Kleinhau kam. „Der ganze Horizont war in Flammenschein getaucht“, berichtet Hellwig. Auch seine Schule, in der nach dem Krieg etwa 60 Kinder aus Kleinhau und Großhau unterrichtet wurden, wurde ein Opfer der Flammen. Die Brände, erinnert sich Robert Hellwig, kamen im heißen Sommer 1947 immer näher und näher an den Ort heran.

Schulgebäude in Flammen

Das Schulgebäude, in dem damals auch die Lehrerin wohnte, wurde evakuiert – und stand eines Tages in Flammen. Ein Flur des zerstörten Großhauer Schulgebäudes, dessen Decke noch intakt war, diente während des Sommers als Klassenzimmer – danach fiel die Schule bis zum Bezug einer Nissenhütte in Kleinhau für die Kinder aus.

Mit welchem Gegner es die Menschen und die Feuerwehrleute zu tun hatten, zeigen Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1947/48 eines Feuerwehrmannes, die dem Museum zur Verfügung gestellt worden sind. Der Wald lag noch voller Munition, die einem Feuerwerk gleich in die Luft flog. Viele Stellen waren zudem vermint. Nach den Kriegsjahren seien weder Ausrüstung noch Uniformen in ausreichender Zahl und Qualität vorhanden gewesen, beklagt sich der Tagebuchschreiber. Die gut ausgebildeten Feuerwehrleute seien während des Krieges Schritt für Schritt an die Front abkommandiert worden, es mangelte an erfahrenen Truppführern. Aber auch Löschwasser war äußerst knapp.

Immer wieder entstanden neue Brandherde. Teil der Ausstellung ist eine etwa 100 Jahre alte Handpumpe der Freiwilligen Feuerwehr Bergstein, die auch bei den Waldbränden im Einsatz gewesen sein soll. Die Wirksamkeit angesichts der wütenden Brände dürfte überschaubar gewesen sein. „Wer konnte, hielt Abstand vom Wald“, sagt Helmut Rösseler vom Vossenacker Museum. Das habe für die Wehrleute, die versuchten, dem Feuer die Nahrung zu nehmen, ebenso wie für die Bewohner der Orte. Zumindest während der teilweise monatelangen Brände.

Gefährliche „Schatzsuche“

Danach nämlich seien schon damals viele „Schatzsucher“ auf die Jagd nach Ausrüstungsgegenständen gegangen. „Es gehörte für Kinder und Jugendliche zur Freizeitgestaltung, sich im Wald herumzutreiben“, sagt Robert Hellwig. Zurück kamen die Kinder mit Gewehren und Stahlhelmen. Die beiden jungen Männer Matthias Scholl und Siegfried Claßen jedoch bargen mehr als 20 Leichen deutscher Soldaten aus dem Wald, die sich zunächst auf einem selbst angelegten Friedhof bestatteten. Später wurden die sterblichen Überreste auf eine Kriegsgräberstätte überführt.

Das Betreten des Waldes war angesichts der Munition jedoch eine gefährliche Angelegenheit. „Ich würde mich auch heute nicht abseits der Wege aufhalten“, sagt Helmut Rösseler. Große Teile des heutigen Gemeindegebietes abseits der Siedlungen und Felder sei noch nicht vom Kampfmittelräumdienst unter die Lupe genommen worden.

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