Hubert Paulus: Urdürener plaudert aus dem "Nähkästchen"

Von: Hannes Schmitz
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Sie boten einen vergnüglichen Abend auf der Couch: Hubert Paulus, ein Dürener Urgestein, und Moderator Rolf Terkatz. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Eine Premiere im Stadtmuseum: Die „Couch“, wichtiges Utensil einer beliebten Veranstaltungsreihe, musste in den ersten Stock des Museumsgebäudes gehievt werden. Nach mehrmonatigem Schaffen und Wirken – unter anderem wurde der Fußboden neu verlegt und moderne Technik installiert – strahlt der neue Veranstaltungs- und Versammlungsraum ansprechendes Ambiente aus.

Und mit der neuen Technik konnte man jedes Wort verstehen, das auf der kleinen Bühne im Rahmen der Reihe „Dürener auf der Couch“ gesprochen wurde.

Zwar bestand der vermeintliche „Diwan“ aus zwei Sesseln, aber das war die „einzige Irreführung“ an diesem Abend, den Moderator Rolf Terkatz mit einem „bekannten Gesicht“ bestritt. Sein Bart ist seit Jahrzehnten sein Markenzeichen, seine sonore Stimme klingt noch vielen im Ohr, die einmal seine Stadtführungen miterlebt haben, aber auch den Rathausmitarbeitern, die ihn als forschen, akribischen Verwaltungsmann kennenlernten und seine Wandlung im Laufe der Jahre zu einem altersmilden und altersweisen Leiter des Hauptamtes der Dürener Verwaltung miterlebten.

Die Rede ist von Hubert Paulus, der auf dem Podium im Dialog mir Rolf Terkatz zu einem bemerkenswerten „Couchgeflüster“ ansetzte, das manchmal nicht einer gewissen Pikanterie entbehrte, obwohl vieles nur kokett angedeutet wurde.

Hubert Paulus, 1932 in Berzbuir geboren wurde und seitdem dort wohnhaft, gilt als ein „Urgestein“ im besten Sinne. Ein „Lotse“, der mit dazu beitrug, dass das „Verwaltungsschiff“ nach der „großen Wende 1984“, so Hubert Paulus, als Bürgermeister Josef Vosen sein Amt antrat und die jahrzehntelange CDU-Mehrheit beendet wurde, nicht in einen „Schlingerkurs“ verfiel.

Seine Verwaltungslaufbahn hatte der Berzbuirer als noch 14-jähriger beim Amt Birgel im Mai 1947 begonnen – der Beginn einer Karriere nach nur kriegsbedingt knapp über sechsjähriger Schulzeit, wie sich der Erzähler erinnerte. „Ein langer Weg“, der ihn nach der Lehre als Angestellter, Beamter, Leiter des Schulverwaltungsamtes und später Hauptamtes bis zur Stelle des Verwaltungsdirektors führte.

Er ließ während des Gesprächs wichtige Stationen aufleben wie die kommunale Neugliederung 1971, als die Orte um Düren herum den „Traum von Großgemeinden träumten“ nach dem Motto „Zusammenfügen ja, aber nicht nach Düren“. Er erinnerte an die Möglichkeit, dass Düren hätte kreisfreie Stadt werden können, was aber vom Kreis verhindert wurde.

Die Zeit mit verschiedenen Bürgermeistern und drei Stadtdirektoren erwähnte er, wobei er Sympathien für Dr. Hubert Lentz und Dr. Hans Lehmacher erkennen ließ.

1994, als Josef Vosen ehrenamtlicher Bürgermeister und Eckhard Creutz der letzte Stadtdirektor in Düren war, nahm Hubert Paulus seinen Abschied vom Dienst im Rathaus und ging in den „Unruhezustand“.

Seine Hobbys waren und sind vielfältig: St. Anna-Schützenbruderschaft, Eifelverein, Wanderführer, Dürener Geschichtsverein, Gästeführungen in der Stadt, Stadtführungen im Dürener Platt. Seine Maxime ist bei allem, so Hubert Paulus: „Man muss sich bewegen – die Beine und den Kopf.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Hubert Paulus seinen Geburtsort Berzbuir vorgestellt, auf Kleinode wie den Bauschhof, wo der Weihnachtsmarkt stattfindet, die Kapelle und auf den Wenzel- Hollar-Stich „Bei Düren“ hingewiesen auf dem der nicht bewaldete „Knipp“ zu sehen ist, der später mit „Preußenholz“ (Fichten) aufgeforstet wurde und heute ein großer Mischwald ist.

Sein Kommentar: „Berzbuir ist ein Dorf vor dem Wald.“ Der Protagonist auf der kleinen Bühne ließ aber auch die Kriegsjahre nicht aus, erzählte von Fliegerangriffen und Evakuierung im November 1944 nach Thüringen, wo die Rheinländer als „Alt-Franzosen“ bezeichnet wurden.

Im Juli 1945 kehrte die Familie in die Heimat zurück und im April 1946 musste Hubert Paulus noch einmal für kurze Zeit die Schulbank drücken – ein ungewohntes Gefühl nach langer mehrjähriger Unterbrechung. Gut konnte er sich noch an seine Einschulung 1938 erinnern, als er als „erste Fremdsprache“ Hochdeutsch lernen musste.

Es war ein vergnüglicher Abend im Stadtmuseum mit einem brillanten Erzähler und erstklassigen Moderator, der die richtigen Fragen stellte.

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