Hospizbewegung entwirft Projekt für Grundschulkinder

Von: Stephan Johnen
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Ursula Keller (l.) und Rita Derichs (r.) gehören zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Hospizbewegung, die „Hospiz macht Schule“ betreuen. Lehrerin Isabell Freyschmidt hat sich nach Abschluss des Kurses direkt wieder angemeldet. Foto: sj

Düren. Über den Tod wird kaum gesprochen. „Eltern versuchen, ihre Kinder zu beschützen“, sagt Ursula Keller von der Hospizbewegung Düren-Jülich. Dies sei durchaus gut gemeint. „Sterben und Tod gehören aber zum Leben“, fügt die ehrenamtliche Hospizhelferin hinzu. Wie Freude und Leid, Blühen und Vergehen.

Dennoch werde der Tod in vielen Familien als Tabuthema behandelt. Anders als im Fernsehen, wo Menschen rund um die Uhr sterben. Sehr oft keines natürlichen Todes, beizeiten ist es sogar eine ziemlich blutige Angelegenheit. Gleiches gilt für Computerspiele.

„Kinder erleben das Sterben und den Tod in den Medien als etwas äußerst Schreckliches, etwas Furchtbares“, sagt Isabell Freyschmidt. „Die Kinder haben Fragen, manchmal Ängste, doch oft wird ihnen nicht genügend Raum geboten, darüber offen zu sprechen“, findet die Grundschullehrerin. Das Projekt „Hospiz macht Schule“, das kommende Woche zehnten Geburtstag feiert, will genau diesen Raum zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema bieten.

Das Konzept wurde von der Hospizbewegung Düren-Jülich maßgeblich mit entwickelt. Die Idee, Kindern im Grundschulalter das Thema Tod und Sterben altersgerecht nahe zu bringen, geht auf ein vom Bundesjugendministerium gefördertes Modellprojekt zurück. Mittlerweile hat „Hospiz macht Schule“ bundesweit und auch im Ausland Schule gemacht. Es gibt mehr als 300 Ehrenamtler, die im Rahmen der Projektwoche Klassen dritter und vierter Schuljahre an Grundschulen besuchen.

Als Isabell Freyschmidt von der Dürener Südschule davon hörte, meldete sie sich mit ihrer Klasse an. „Der Tod ist Teil der kindlichen Erlebniswelt. Im Lehrplan kommt er aber nicht vor“, sagt sie. Auch Eltern seien im Fall eines Todesfalls in der Familie oft eher sprachlos. Anfangs habe es durchaus Berührungsängste gegeben, Vorbehalte. Die Hospizbewegung stellt daher auf einem Elternabend das Projekt zunächst vor.

Aber wie spricht man mit Drittklässlern über den Tod? Indem die Schüler behutsam an die Thematik herangeführt werden. „Am ersten Tag beschäftigen wir uns mit dem Werden und Vergehen in der Natur“, erklärt Ursula Keller. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen übernehmen besonders geschulte Ehrenamtliche den Unterricht, der fortan in Kleingruppen stattfindet. So könne viel besser eine Bindung entstehen, tauschten sich die Gruppenmitglieder intensiver miteinander aus, weiß Ehrenamtlerin Rita Derichs.

Am zweiten Tag stehen Krankheiten im Mittelpunkt. Ein Arzt kommt in die Schule, der den Kindern Rede und Antwort steht. „Viele Kinder haben selbst Krankheits- oder Todesfälle in der Familie oder im Bekanntenkreis erlebt“, berichtet Ursula Keller. Im Mittelpunkt steht auch der Umgang mit Kranken. Die Drittklässler lernen, die Ursachen von Krankheiten zu verstehen, warum sich ein Körper manchmal verändere.

„In den Köpfen von Kindern entstehen schnell Ängste und Unsicherheiten“, sagt Ursula Keller. Kinder von den Themen fernzuhalten könne das Gegenteil des bezweckten Schutzeffekts bewirken. Erst am dritten Tag wird das Thema Tod und Sterben angesprochen. Die Ehrenamtler greifen dabei auch auf Filme zurück, setzen auf kreative Angebote. Am vierten Tag beispielsweise können die Kinder mit Fingerfarben ihre Vorstellung des „Himmels“ malen. Zuvor werden ihnen die verschiedenen Religionen der Welt und Jenseitsvorstellungen erklärt. Am fünften Tag geht es um Trost und ums Trösten. Die Kinder erfahren, welche Wirkung ein aufmunternder Brief haben kann, ein Besuch am Krankenbett. Langsam wird der Bogen zurück in den Alltag gespannt. Am letzten Tag machen die Eltern mit.

„Kinder lassen sich mit einer großen Offenheit und Neugier auf diese Themen ein“, hat Rita Derichs erlebt. Das Anliegen der Ehrenamtler ist es, dass diese Natürlichkeit erhalten bleibt und Kinder den Tod nicht als Tabuthema verdrängen, sondern als Teil des Lebens verstehen lernen.

Grundschulen, die am Projekt teilnehmen wollen, sollten sich frühzeitig an die Hospizbewegung (Telefon 02421/393220, E-Mail: info@hospizbewegung-dueren.de) wenden. Die Wartezeit beträgt derzeit mehr als ein Jahr.

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