Nideggen - Holzernte im Wald bei Nideggen: Muskelkraft unverzichtbar

Holzernte im Wald bei Nideggen: Muskelkraft unverzichtbar

Von: Andreas Gabbert
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Gemeinsam stark: Auch im Wald hat moderne Technik Einzug gehalten, mit riesigen Erntemaschinen wird heute gearbeitet. Die Kraft von Pferden wie Annabell ist aber immer noch gefragt. Foto: Andreas Gabbert

Nideggen. Den Wald brauchen alle. Die einen als Naherholungsgebiet in der Freizeit, für andere ist er der Arbeitsplatz im Grünen. Auch dort hat mittlerweile die moderne Technik Einzug gehalten.

Nur 50 Sekunden dauert es, bis ein Baum gefällt, entästet und der Stamm in mehrere Stücke gesägt ist. Für die riesigen Erntemaschinen (Harvester) ist das kein Problem. Eine von ihnen ersetzt rund zehn Waldarbeiter.

Doch auch diese gewaltigen Maschinen haben ihre Grenzen, und dann muss ganz wie vor 100 Jahren wieder die Muskelkraft ran. Und davon hat Annabell reichlich. In steilen Hängen, wo die Harvester nicht hingelangen, übernimmt das geduldige Kaltblutpferd den Transport der schweren Stämme. „Das könnte man auch alles mit Maschinen machen, aber die Frage ist, ob das auch naturverträglich ist”, erklärt Ute Hass vom Regionalforstamt Hocheifel-Zülpicher Börde. Sie ist Leiterin im Revier Heimbach und vertritt zurzeit ihren Nideggener Kollegen.

Die Wahl der Mittel ist für sie entscheidend. „Der Vorteil ist, dass man ein Pferd immer und überall einsetzen kann”, sagt Hass. „Ein gutes Pferd kann sein eigenes Gewicht ziehen” erklärt Annabells Besitzer Bernhard Ungermann - Annabell bringt 850 Kilogramm auf die Waage. Berghoch schafft es das Pferd mit dem Stamm im Schlepptau allerdings nicht, ein wenig ist man doch auf die Hilfe der Physik angewiesen.

Früher war die Arbeit im Wald eine wahre Schinderei, häufig übernahmen ungelernte Arbeiter diese Aufgabe. Heute sind es Spezialisten wie Reinhold Retzmann und Andreas Katterbach, die als Forstmaschinenführer für die großen Erntemaschinen verantwortlich sind. „Früher war es gemütlicher, es war Zeit auch mal ein Wort zu reden. Heute ist es stressiger geworden, aber besser für die Gesundheit”, erklärt Reinhold Retzmann.

Die körperliche Belastung sei nicht mehr so hoch und das Unfallrisiko geringer geworden. Und etwas bequemer ist es auch geworden, die Führerhäuser sind klimatisiert und mit Radio ausgestattet. Retzmann hat die gesamte Entwicklung mitgemacht. Bereits als Kind war der 49-Jährige bei der Holzernte dabei. „Damals sind auch Pferde im Wald tot geblieben, wenn die Stämme abgingen, und auch Menschen kamen häufiger zu Schaden.”

Damit die Holzernte reibungslos abläuft ist auch eine gute Vorbereitung wichtig. Das ist die Aufgabe von Försterin Ute Hass. Fahrwege müssen markiert und Bäume gekennzeichnet werden. Von der Vorbereitung bis zum Sägewerk läuft die Arbeit zwischen Förstern und den Waldarbeitern Hand in Hand.

Wichtig bei der Holzernte sind vor allem Zeit und Gelassenheit - der Wald wächst nur langsam. „Wir denken nicht an Morgen, sondern an die nächsten 50 bis 100 Jahre”, sagt Ute Hass. Es sei besser drei kleine Schritte zu machen als einen großen, denn Nachhaltigkeit ist der Försterin besonders wichtig. „Wir sägen uns ja nicht den Ast ab, auf dem wir sitzen.”

Dabei müsse auch der Klimawandel im Auge behalten werden. „Wir brauchen einen Wald der den Wandel aushält und Bäume die Standort gerecht sind.” Also werden Bäume aussortiert und es kommt wieder Licht auf den Boden, wovon nachwachsende Pflanzen profitieren. „Aus einer Menge Holz machen wir den Wald der Zukunft”, ist Ute Hass überzeugt. Durch die Arbeit der Förster und Waldarbeiter, werde dieser vitaler, gesünder und widerstandsfähiger.
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