Hoesch-Museum zeigt Film über Joseph Goebbels

Von: Rolf Hohl
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Sarah Milke ist Projektleiterin der Ausstellung „Unsere Werte? Provenienzforschung im Dialog“, die derzeit im Leopold-Hoesch-Museum gezeigt wird. Foto: Rolf Hohl

Düren. Es gibt Worte, die verräterisch sind. Denn wer sie benutzt, macht dem aufgeklärten Gegenüber deutlich, wes Geistes Kind der Sprechende ist. An den äußersten Rändern des rechten politischen Spektrums wird diese Sprache seit einigen Jahren wieder häufiger verwendet, und manche versuchen gar, an deren unheilvoller Geschichte herumzudeuten.

Einer der Urheber dieser Sprache ist Joseph Goebbels, Reichspropagandaminister während der Diktatur der Nationalsozialisten. Das Leopold-Hoesch-Museum zeigte am Donnerstag zum Abschluss der Ausstellung „Unsere Werte? Provenienzforschung im Dialog“ den Dokumentarfilm „Das Goebbels-Experiment“ von Lutz Hachmeister.

Der Film verzichtet gänzlich darauf, die weitgehend bekannte Geschichte der nationalsozialistischen Gräueltaten zu wiederholen. Vielmehr ist es ein persönliches Porträt, dessen Erzählung einzig von den Erinnerungen von Goebbels getragen wird. „Seine Tagebücher sind eine der wichtigsten Quellen zur Zeit des Nationalsozialismus“, erklärte die Projektleiterin der Ausstellung, Sarah Milke. Für die Geschichte der Provenienzforschung sei insbesondere seine Rolle als Zensor der sogenannten „entarteten Kunst“ wichtig. Infolge dieser Verfolgung von unangenehmen Künstlern wurden mehr als 16.000 Werke beschlagnahmt und zu großen Teilen vernichtet.

„Das Goebbels-Experiment“ lässt den Agitator daher selbst zu Wort kommen, und bietet damit Einsichten in die Wahrnehmung eines Menschen, der mit seiner Sprache den Boden für einen beispiellosen Massenmord bereitet hat. Er erzählt von der Einsamkeit seiner Kindertage in Rheydt und seinem ersten Kuss, den er später in seinem Tagebuch als „stark sinnlich“ beschreiben wird. Den Nationalsozialisten fällt sein rhetorisches Talent bald auf und er wird 1926 in den Bürgerbräukeller nach München eingeladen, wo er das erste Mal auf Adolf Hitler trifft.

Es folgt die Machtergreifung und seine Berufung zum Rundfunkminister, als Goebbels mit dem Aufbau eines gigantischen Propagandaapparats beginnt. Seine Verbissenheit und Suizidgedanken aus der Kindheit aber bleiben. Selbst bei seiner Hochzeit mit Magda Quandt ist seine Miene steinern und kalt. „Erst kommt die Partei, dann kommt Magda“, notiert er in sein Tagebuch.

Mit Beginn des Krieges wird auch die Rhetorik von Goebbels schärfer. Den Überfall auf die Sowjetunion beschreibt er als „geschichtlichen Strafgerichtshof des Herrn“. Die nationalsozialistische Ideologie hat er zur Staatsreligion erhoben und in diesem Sinne auch die Verfolgung der Juden aktiv vorangetrieben. Und aus dem schlaff gestikulierenden Redner der Anfangsjahre wird im Laufe der Zeit ein getriebener Fanatiker, dessen Verblendung in der Berliner Sportpalast-Rede ihren Höhepunkt erreicht.

Bis zum Ende verbissen

An seiner Idee eines „unbefleckten deutschen Volkes“ hält er folglich bis zum Ende verbissen fest. Goebbels letztes Aufgebot, der „Volkssturm“, kostete noch einmal Tausende Leben im Kampf um Berlin. Und sein Fanatismus trieb nicht nur ihn und seine Frau Magda in den Selbstmord.

Am 1. Mai 1945 ließ er auch seine sechs Kinder mit Zyankali töten – sieben Tage vor der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Die Szene, in der sowjetische Soldaten seinen Leichnam bergen, markiert den Anfang und das Ende des Films. Es ist die Dokumentation über einen Mann, von dem nicht nur ein verbrannter Körper übrigblieb, sondern auch zahllose verbrannte Worte.

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