Höchste Konzentration: Zuschauer begeistert vom Kammerkonzert

Von: Hannes Schmitz
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Boten einen exzellenten, fulminanten und virtuosen Konzertabend im Haus der Stadt in Düren: Liza Ferschmann an der Violine und Quirine Viersen am Violoncello. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Leichte Kost war es nicht, was ein ausgezeichnetes Duo in einer eher seltenen Kammermusikbesetzung mit schwierigsten Tonschöpfungen dem Zuschauer im ausverkauften Haus der Stadt bot.

Mit Erwin Schulhof, Maurice Ravel und Zoltán Kodály standen Komponisten der frühen Moderne im Blickpunkt der Konzertreihe der Vereinigten Industrieverbände. Künstler, deren Kompositionen dem Publikum höchste Konzentration abverlangte.

Doch schon bei der Zusammenstellung der Konzertreihe waren die Verantwortlichen sicher, dass „die Zuhörerschaft dies durchsteht“, wie sich Ilona Schmitz von den VIV erinnerte. Und sie behielten im Großen und Ganzen Recht.

Die Art und Weise, wie sich Liza Ferschmann (Violine) und Quirine Viersen (Violoncello) den Werken näherten und sie musizierten, eröffneten für die Zuhörer einen neuen Zugang, zumal die beiden Künstlerinnen nicht nur die Bögen sprechen ließen, sondern auch erklärende Worte fanden.

Mit Erwin Schulhofs „Duo für Violine und Violoncello WV74“ (1925) begann ein Konzertabend, der Skeptiker vor Konzertbeginn bald zu Fans machte. Was die beiden Protagonistinnen auf der Bühne boten, war beeindruckend. Sie verarbeiteten Themen und deren Motive bis in kleinste Nuancen. Sie durchlebten die rhythmischen Elemente und meisterten wahnwitzige Spieltechniken. Leidenschaftliche Rhythmen in frei angelegter musikalischer Klanggestaltung drangen ans Ohr, eine Tonsprache, die gewöhnungsbedürftig war, aber immer mehr faszinierte, wenn man auch die Anklänge an Zigeunermusik verfolgen konnte.

Mit Liza Ferschmann und Quirine Viersen stand ein Musikerinnen-Duo auf der Bühne, das unterschiedlicher nicht sein konnte und den Darbietungen einen zusätzlichen Reiz gab.

Die temperamentvolle und „heißblütige“ Violonistin, die in jeder Tonfolge zu schweben schien. Ferschmann war absolut meisterhaft in ihrer Technik und bewältigte die äußerst schwierigen Stücke des Abends mit Leichtigkeit und Souveränität sowie nahezu perfekter Intonation.

Auch Quirine Viersen lebte förmlich in der Musik. Mit ihrer freundlichen, ruhigen Ausstrahlung und ihrer zupackenden Spielweise, ihrer stupenden Technik und ihrer Musikalität war sie am Violoncello eine ideale Partnerin für Ferschmann.

Das großartige Zusammenspiel der beiden Musikerinnen setzte sich fort bei Maurice Ravels „Duo für Violine und Violoncello“. Die Zuhörer wurden mit extrem heftigen und unmittelbar stattfindenden Wechsel von diatonische Melodien und Halbtonfolgen konfrontiert, erlebten Kaskaden an „Pizzicati“, die von Geige und Cello rhythmisch und klanglich gleich gespielt wurden. Dies war Ungewohntes für reguläre „Klassik-Ohren“, die aber von dem Charme und der Raffinesse von Ravels Werk letztlich „eingefangen“ wurden.

Nach der Pause erklang ungarische Musik des Komponisten Zoltán Kodály, und zwar kein Puszta und Tokaier Verschnitt, sondern ausdrucksstarke musikalische Zwiegespräche und teilweise sehr anmutige Dialoge. Melodisch-melancholische Momente wechselten mit dramatischen Phasen.

Die klangfarblichen Kontraste der beiden Instrumente wurden deutlich in einem raffiniert abwechslungsreichen Ablauf. Ein atemberaubendes Presto zum Schluss des Streichquartetts F-Dur op.35 und rasante Tonrepetitionen sowie ungestüm aufgeschlossene Passagen versetzten das Publikum im Haus der Stadt in einen Beifallsrausch.

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