Hochkonjunktur im Tierheim in den Sommerferien

Von: Gudrun Klinkhammer
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Christina Albert und Günther Oltrogge versorgen mit ihrem Team derzeit mehr als 60 Katzenbabys im Tierheim in Niederau. Foto: gkli

Niederau. Die Wege, auf denen Menschen Tiere „entsorgen“, sind nicht selten unmenschlich, ja sogar bestialisch. Günther Oltrogge, der Vorsitzende des Tierschutzvereins im Kreis Düren, und Tierpflegerin Christina Albert, die als Urlaubsvertretung das Kreistierheim in Niederau in den vergangenen Wochen geleitet hat, können von den unglaublichen Geschichten ein trauriges Lied singen.

Auch in diesem Jahr wurden wieder Tiere ausgesetzt und im Tierheim abgegeben.

Jedes herrenlose und verwahrloste Tier sei ein armes Tier zu viel, empfinden die Tierschützer. Christina Albert berichtet von Hund „Lou“. Der Pekinese wurde völlig verkommen aufgefunden, sein ganzes Fell war verfilzt. Unter Narkose musste er geschoren werden. Das völlig verängstigte Tier wollte zunächst keine Person an sich heran lassen und fand nur langsam wieder Vertrauen zu Menschen.

Die trächtige Husky-Mischlings-Dame „Sunshine“ wurde an einen Telefonmast gebunden gefunden und spät abends ins Tierheim gebracht. Am nächsten Tag erblickten neun Welpen das Licht der Welt, eines davon starb recht schnell. Von solchen und anderen Schicksalen kann Christina Albert gleich reihenweise erzählen. Terrier-Mischling „Cloud“ war an einen Wegweiser zum Tierheim festgebunden: Völlig verängstigt schnappte er nach jeder Person, die sich ihm näherte.

Noch größere Probleme gibt es auf dem Gebiet Fundkatzen. „In diesem Sommer sind bei uns im Tierheim bereits 60 kleine Kätzchen gelandet, die alle mit der Flasche groß gezogen werden müssen“, berichtet Christina Albert. „Und ein Ende der Katzenflut ist noch nicht in Sicht.“

Voller Parasiten

Für die Betreuer ist das ein Riesenproblem. Körbeweise nehmen die Mitarbeiter des Tierheims die Jungtiere abends mit nach Hause, um sie in der Nacht alle zwei Stunden zu füttern. Viele der kleinen Katzen müssen zunächst auf einer Quarantäne-Station behandelt werden, da sie voller Parasiten und nicht selten auch krank sind.

2013 beherbergte das Tierheim am Burgauer Wald 520 Hunde und 730 Katzen. Die Zahlen in diesem Jahr werden voraussichtlich ähnlich ausfallen. Doch nicht nur Hund und Katze machen den Tierschützern Kummer. Darüber hinaus müssen sie auch Hühner, Kanarienvögel, Kaninchen, Pferde, Ziegen und Schafe versorgen.

Zunehmend erhalten auch exotische und giftige Tiere an Gewicht. Günther Oltrogge erinnert sich an einen großen, herrenlosen Eimer mit einem Sack darin. In diesem Sack befanden sich zwei Boa Constrictor, die gut drei Meter lang werden, aber zum Glück zu den ungiftigen Schlangen zählen.

Einmal die Woche müssen die Schlangen gefüttert werden, zum Beispiel mit lebenden Ratten. Die Beschaffung von lebendem Futter und die zunehmende Größe solcher Tiere führen oft dazu, dass sie von ihren Haltern irgendwann abgestoßen werden. „NRW-Umweltminister Johannes Remmel möchte eine Verordnung erstellen, die beinhaltet, dass exotische und giftige Tiere nicht mehr so einfach erworben und gehalten werden können. Auch diese speziellen Tierhalter sollen erfasst werden“, betont Oltrogge.

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