Düren - Hochkarätige Stars prägen die 23. Dürener Jazztage

Hochkarätige Stars prägen die 23. Dürener Jazztage

Von: Hannes Schmitz
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Carleen Anderson begeisterte mit geschmeidigem Gesang, der zwischen ausdrucksstarken und empfindlichen Passagen variierte. Foto: han
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Rasante Rhythmen und freie Improvisationen: Die Gruppe „Balka Nova“ begeisterte am Sonntag trotz Hitze auf dem Museumsvorplatz. Foto: ja
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Boten ein erstklassiges Programm: Ina Hagenau und die Big Band Lucifers Delicious.
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Der Nachwuchs überzeugte mit Rockjazz. Ein knallbuntes Programm boten die jungen Musiker.
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Lieferten sich brillante musikalische „Duelle“ bei einer überraschenden Session im Café International: Chico Freeman und Johannes Flamm (l.).

Düren. Bunte Vielfalt in der Stadt bei den 23. Dürener Jazztagen: Der Wettergott spielte mit, die City brummte. Die Menschenmassen erlebten musikalische Energien, Emotionen, Temperament, Lokalkolorit und Glücksgefühle beim Vorsitzenden des Dürener Jazzclubs, Rolf Delhougne, der stolz feststellte, dass die Rurstadt einmal mehr Anziehungspunkt für Jazzfreunde aus nah und fern war und unter Jazzmusikern einen ausgezeichneten Ruf genießt.

Auch diese „Ausgabe“ war gespickt mit hochkarätigen Stars auf der City-Bühne, beim Dürener Servicebetrieb und in der Christuskirche. Das Publikum erlebte das Comeback der Marla Glen, die nach vielen Rückschlägen wieder auf dem Weg nach oben ist. Eine Frau, die den Rahmen des Gewöhnlichen sprengt, nicht nur von ihrem Aussehen als eher androgyner Typ, sondern als eine Künstlerin, die mit einer dunklen Stimme, die an ein Gemisch aus Louis Armstrong und Amanda Lear erinnert und eine Show voller Dynamik und Emotionen bietet.

Eindringliche Balladen, wie ihre Hommage an Nelson Mandela, die in einer Flut südafrikanischer Rhythmen mündete, mit einem Gitarrensolo, das wohl Grenzen einreißen sollte, aber auch andere Jazz-, Soul-, Funk- und Popsongs, die von Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und Respekt handeln, machten den Abend zu etwas Besonderem.

Ganz starke Momente hatte Marla Glen auf der Bühne, als sie dem Südstaaten-Blues ihre Reminiszenz erwies, zur Mundharmonika griff und sich mit dem Gitarristen unter die Haut gehende musikalische Zwiegespräche lieferte. Sie umschmeichelte die 2500 Jazzfreunde mit ihrer rauchigen Stimme, die aber je nach Stück auch hoch und schrill werden kann. Ihre Musik wurde von einer erstklassigen Band und einer beeindruckenden Vokalgruppe getragen, die es immer wieder verstand, die oft völlig losgelöste Sängerin zu erden und an Einsätze und Texte zu erinnern. Das Publikum störte es kaum, es wurde nahezu magisch von der Kraft und Authentizität ihrer Präsenz, die manchmal auf wackligen Füßen stand, angezogen.

Mit dem Song „Garden of Desire“ hatte sie ihr Konzert begonnen. Allerdings wird sie dabei kaum an den Vorabend gedacht haben, als sich ein Fest in einem Bankgarten nicht unbedingt als „Garten der Wünsche oder des Verlangens“ offenbarte, sondern als ein in Routine erstarrter „Nichts-Neues-Abend“, wie es ein Vorstandsmitglied des Jazzclubs formulierte, der auch die „Trennung“ zwischen Zuhörern und Ehrengästen kritisierte. Das war kein Glanzlicht wie der Abend beim Dürener Servicebetrieb, bei dem die niederländische Saxofonistin Candy Dulfer brillant von der „Startbahn Jazz“ abhob und mit exzellenten musikalischen „Loopings und Turns“ fesselte.

Ungeheure Intensität

Auf dem Rathausvorplatz landete dagegen am Samstagabend Carleen Anderson, die mit ihrem geschmeidigen Gesang faszinierte, der zwischen lauten und leisen, hohen und tiefen, zarten und kräftigen, ausdrucksstarken und empfindlichen Passagen variierte. Sie sang mit einer ungeheuren Intensität Jazzstandards und gecoverte Pop-Versionen in ihrer eigenen, unnachahmlichen Art. Der Funk zog sich wie ein roter Faden durch ihr Programm. Explosionsartig waren zeitweise ihre Songs, ständig treibend in schnellen Abschnitten, bluesig-rau in nachdenklichen Liedern, mitreißend bei den Gospels. Wenn sie mit ihrer Stimme in schier artistische Höhen „kletterte“, konnten sich beim Zuhörer schon mal die Nackenhaare sträuben. Ein glanzvoller Auftritt des Trios, dem man konzentriert zuhören musste. Der Genuss wurde des Öfteren aber von denjenigen gestört, die die Jazztage als Event verstanden und Small Talk bevorzugten.

Abreagieren konnten sich die Jazzfans bei der Kneipentour, bei der in vielen Gaststätten Bands, Quintette, Duos, Trios oder Solisten Jazz in seiner ganzen Vielfalt aufzeigten. Ein Abendbuffet mit musikalischen Häppchen für alle. Wer sich dafür interessierte, ging in die Wirtshäuser, das Event-Publikum saß davor. Und wer den Weg zum Museum nicht scheute, erlebte mit der Schweizer Formation „Orioxy“ und ihrer israelischen Sängerin Yael Miller sowie Jule Campiche an der Harfe einen fantasiereichen Auftritt. Wer aber noch weiter zur Evangelischen Gemeinde zog, genoss den Höhepunkt der Tour. Aus dem Nichts war er da, beteiligte sich an der Jamsession zu Ehren von Günther Joos im Café International und ließ mit einigen Stücken erkennen, warum die Jazztage mit einem grandiosen Finale endeten.

Wahres Feuerwerk

Chico Freeman erwies dem Altmeister am Vibrafon seine Referenz: Die Session wurde zum jazzigen Meeting voller wahnwitziger Improvisationen. Wer ihn dann am Sonntag auch in der Christuskirche erlebte, war noch einmal hin und weg. Ein wahres Feuerwerk an lateinamerikanischen Rhythmen durchzog das Gotteshaus, gewürzt mit feinsten solistischen Zutaten.

Chico Freeman, der Saxofonist, Komponist und Bandleader, verkörperte die Idee des Jazz, neue Wege des Ausdrucks zu finden, dabei aber den Ursprung und die Tradition dieser Musik mit einzubeziehen. Neben dem überragenden Bandleader war es seine Band Guataca, die in perfekter Weise aufspielte.

Den Zuhörern im Kirchenraum verschlug es zeitweise die Sprache ob des musikalischen Spannungsbogens und des pulsierenden und vielschichtigen Sounds.

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