Nideggen - Historisches Hobby: Jörg Hinz frönt mittelalterlichem Backen und Kochen

Historisches Hobby: Jörg Hinz frönt mittelalterlichem Backen und Kochen

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Gaumenfreuden anno dazumal: Maria und Jörg Hinz kochen und backen wie im Mittelalter. Foto: Weiler-Pranter

Nideggen. Tropfende Wasserhähne dichten oder defekte Heizungen reparieren? Kein Problem für Jörg Hinz. Tag für Tag ist der Kundendienstler unterwegs, wenn es in Haus oder Hof heißt „Not am Mann”. In seiner Freizeit hat sich der technikversierte Gas- und Wasserinstallateur allerdings einem historischen Hobby verschrieben: dem mittelalterlichen Backen und Kochen.

„Bei einem Grundschulfest unserer älteren Tochter lernte ich vor acht Jahren den Lehmbackofen auf Burg Nideggen kennen”, erinnert sich Jörg Hinz. Damals backte er in dem holzbefeuerten Replikat knusprige Flammkuchen, um den Schuletat aufzufüllen. Der Beginn einer flammenden Leidenschaft.

Am Hofe oder am Herd

Nach diesem elementaren Erlebnis im Schatten des „Kochturms” auf Burg Nideggen war Jörg Hinz beseelt von der Idee, das traditionelle Leben der Grafen von Jülich näher zu erforschen. Mit Feuereifer verschlang er Fachliteratur; fand in den Bibliotheken fesselnde Beschreibungen mittelalterlicher Rituale - egal, ob am Hofe eines Adeligen oder am Herd von bäuerlichen Familien. Fasziniert von der Thematik, sammelte er mittelalterliche Rezepte und erprobte sein theoretisches Wissen bei Workshops. „Immer wieder habe ich den Backes in unserm Garten eingeheizt, um neue Rezepturen auszuprobieren.”

Seine Spezialität ist mittlerweile das so genannte „Rohrbrot”. Wie vor hunderten von Jahren setzt Jörg Hinz mit selbst gemahlenem Vollkornmehl einen Sauerteig an, der in alten Tonrohren zu einem herzhaften Schwarzbrot ausgebacken wird. Dieses schmackhafte Brot - bei einer Länge von rund 20 Zentimetern und einem Durchmesser von etwa sieben Zentimetern mit einem kleinen Baguette vergleichbar - habe im Mittelalter neben Schmalz, Wein und Bier zu den Grundnahrungsmitteln gehört, erläutert der Experte.

Inzwischen widmet sich der 44-Jährige mit Leidenschaft und Liebe auch der mittelalterlichen Heilkunst. „Unsere Vorfahren setzten die Heilkräfte der Kräuter ganz bewusst ein, um bei Banketten das Wohlbefinden der Gäste zu steigern!”, weiß Jörg Hinz. „Da war oft auch eine große Portion Hexenwissen mit im Spiel.” In seiner Frau Maria, einer Waldführerin des Nationalparks Eifel, hat Jörg Hinz eine Mitstreiterin für sein außergewöhnliches Hobby gefunden.

Auch Luzia Schlösser, Leiterin des Burgenmuseums Nideggen, und Elke Ricken-Melchert, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Düren, bauen auf die Koch- und Backkünste des Ehepaars aus Nideggen-Brück. Im Rahmen der langjährigen Veranstaltungsreihe „Gespräche im Turm - Lebendiges Mittelalter und Geschichte bis Heute” werden Maria und Jörg Hinz am 24. März ein historisches Fest-Bankett bei Kerzenschein und mittelalterlicher Musik in der Burg ausrichten.

„Auf offenem Feuer kochen wir ein Vier-Gänge-Menu wie zu Zeiten der Grafen von Jülich”, präzisiert Jörg Hinz. Die exakte Speisefolge bleibt aber noch im Dunkeln - trotz detaillierter Nachfragen. „Die Leute sollen schließlich eine Überraschung erleben.” Soviel verraten Maria und Jörg Hinz aber mit einem amüsierten Augenzwinkern: Als Nachspeise tischen sie Quitten-Dessert auf.

„Die mittlerweile selten gewordenen Früchte kommen hier aus der Region”, freut sich Maria Hinz. Und ihr Mann Jörg fügt hinzu, dass der Hauptgang mit einer Kostbarkeit angereichert wird, „die die Kreuzfahrer in unsere Region brachten.”
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