Hintergründig und zeitweise urkomisch

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Pfiffig und analytisch nahm er rheinische Redensarten und Denkweise aufs Korn: Konrad Beikircher, der mit seinen Geschichten und Anschauungen das Publikum in kabarettistische Höhen führte, aber manchmal mal auch zu ausufernd war. Foto: Schmitz

Düren. Am Ende waren alle geschafft - das Publikum im ausverkauften Haus der Stadt und der Protagonist des Abends, Konrad Beikircher. Intelligentes, hintergründiges und zeitweise urkomisches Kabarett hatte der Südtiroler im elften Teil seiner Rheinischen Trilogie geboten.

In seiner unnachahmliche Art war der prominenteste Einwanderer ins Rheinland Dingen auf den Grund gegangen, attackierte damit das Zwerchfell - und ob der Länge seines Programms auch Ausdauer und Sitzfleisch der Besucher.

Er griff tief in den Fundus rheinischer Bonmots, präsentierte sich als charmanter Plauderer, Geschichtenerzähler und Fabulant.

Klettverschlüsse der Sprache

Im Fokus war stets die rheinische Sprache, die er genüsslich sezierte, deren sprachliche Klettverschlüsse er sinnenfreudig aufriss und dabei sein liebstes Verb in den Mittelpunkt stellte: „tun”. „Das gibt es in allen Sprachen”, versicherte der Kabarettist augenzwinkernd, „nur nicht im Beamtendeutsch.” Beikircher ist ein rheinischer Spracheiferer, der schon längst den Mut gefunden hat, „auch im Rechtsrheinischen missionarisch tätig zu sein”. Die Rede- und Denkgewohnheiten der „Linksrheinischen” nahm er aufs Korn, vor allem den „Ich-Bezug” des Rheinländers, aber nicht im Sinne von egoistisch.

Da loben alle den gelungen Sprung von einer Skischanze, und anstatt es dabei zu belassen, setzt der Rheinländer noch einen drauf: „Künnt ich net” sei sein Schlusskommentar, verriet der selbsternannte „rheinische Lebensberater und Philosoph”, und führte ein weiteres Beispiel an. Stundenlang könnte ein Rheinländer vor einem Aquarium stehen, um dann nach fast meditativer Betrachtung festzustellen: „Fische. De janz Daach im Wasser. Künnt ich net”.

Auf Sprache und deren Kuriositäten baute der Wörterjongleur sein Programm auf, stellte Absurditäten bloß und griff auf Altkanzler Kohl zurück, der einmal sagte: „Die Wirklichkeit stellt sich oft anders da, als die Realität”. Er zitierte die alte Dame, die der Apothekerin klagte „Ich komme so schlecht hoch”, und als Antwort erhielt: „Dann dürfen Sie sich nicht so oft setzen”. Der Sprachanalyst bewunderte die „Rheinische Zuversicht”. Ein Menschenschlag, so sein Fazit, mit dem unnachahmlichen Talent, „Großes auf wahre Größe schrumpfen zu lassen”, Verständnis für den „Klüngel” zu haben, gleich dem Motto „Nur wat unterm Teppich is, is wirklich vom Tisch”, und „an für sich” pragmatisch und „akka(u)rat”- aber nicht präzise sei. Letztlich ist das „rheinische Universum” daher „unergründlich und wunderbar”, schloss der Wortakrobat seine Betrachtungen.

Gleichwohl gab der unermüdliche Mittsechziger zu, dass „es auch anderswo schön ist”. Und so war der Programmtitel gleichzeitig ein Wegweiser nach Bruneck, wo Beikircher geboren wurde. Amüsant, aber zu ausschweifend erzählte er von seiner Jugend, seinen sprachlichen Wurzeln, seinen Streichen. Das Publikum war konditionsstark, nahm manche Längen in Kauf. Beikircher servierte kabarettistische Delikatessen voller Sprachpirouetten und Wortkaskaden. Die Zuhörer spendeten rauschenden Beifall.
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