Lendersdorf - Hilfseinsatz: Rund 100 OPs in einem der ärmsten Länder

Hilfseinsatz: Rund 100 OPs in einem der ärmsten Länder

Von: Jörg Abels
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Anästhesist Rolf Overs-Frerker (l.) bei einem Hilfseinsatz in Tansania im vergangenen Jahr. Foto: privat
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Planen in diesen Tagen akribisch ihre Hilfsmission in Sierra Leone (v.r.): Rolf Overs-Frerker, Ruth Breuer, Tina Wolkenaer (alle vom Augustinus-Krankenhaus) und Miriam Hertwig vom Marien-Hospital. Foto: Abels

Lendersdorf. Es ist eine Reise ins Ungewisse. Was Anästhesist Rolf Overs-Frerker und Chirurgin Miriam Hertwig unterstützt von den Krankenschwestern Tina Wolkenaer und Ruth Breuer ab Mitte Oktober zwei Wochen lang im westafrikanischen Staat Sierra Leona erwartet, können die Helfer vom Lendersdorfer Augustinus-Krankenhaus und vom Birkesdorfer St.-Marien-Hospital nur erahnen.

Sie wissen nur, dass rund 100 Operationen auf sie warten. Das vom Bürgerkrieg in den Jahren 1991 bis 2001 gebeutelte und einer Ebola-Epidemie im Jahr 2014 heimgesuchte Sierra Leone gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und zu denen mit der niedrigsten Lebenserwartung, gerade einmal 57 Jahre. Während in Deutschland auf 100.000 Einwohner 35 Ärzte kommen, sind es in Sierra Leone nur 0,5, betont Overs-Frerker, und Unfallchirurgen gebe es überhaupt keine, ergänzte seine Kollegin Miriam Hertwig.

Mit einem neunköpfigen Team der Hilfsorganisation Interplast, zu dem noch weitere Helfer aus dem Raum Aachen stoßen, opfert das Quartett einen Teil seines Jahresurlaubs, um ehrenamtlich in einem Krankenhaus in der Stadt Kenema, 300 Kilometer östlich der Hauptstadt Freetown, die größte Not ein wenig zu lindern. „Es geht uns sicher nicht darum, die Welt zu verbessern“, betont Overs-Frerker, der sich bereits seit vielen Jahren bei Interplast engagiert.

„Wir wollen den Menschen in ganz kleinem Rahmen helfen, unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion“, erklärt er. „Wenn es uns nur gelingt, dass jedes zweite Kind nach unserem Einsatz wieder zur Schule gehen kann, wenn ein Vater wieder auf dem Feld arbeiten kann, um seine Familie zu ernähren, dann haben wir unser Ziel erreicht.“ Ein Stück Lebensqualität wiederherstellen, beschreibt es Tina Wolkenaer, die vor ihrem ersten Interplast-Auslandseinsatz steht.

Es sei seit ihrer Ausbildung immer ihr Wunsch gewesen, humanitär in der Dritten Welt zu helfen, betont die OP-Fachkraft. Auch Ruth Breuer, seit 30 Jahren Fachkrankenschwester, spricht von einem Traum, sich einmal in der Entwicklungshilfe engagieren zu können. Ein bisschen Abenteuerlust und die Chance, fremde Kulturen kennenzulernen, schwingen ebenfalls mit.

Nach einer 14-stündigen Anreise mit Flugzeug und Auto warten auf die Helfer in Kenema rund 100 Operationen. Den Großteil des Materials nehmen sie von Deutschland aus mit – angesichts des begrenzten Gepäcks ist schon das eine Herausforderung. Finanziert wird der Einsatz über Spenden (siehe Info). Auch das Augustinus-Krankenhaus hat bereits seine Unterstützung zugesagt.

In dem Krankenhaus vor Ort stehen zwei Operationssäle zur Verfügung. Nur einer verfügt über eine Klimaanlage. „Wir werden von morgens bis abends operieren“, erklärt Miriam Hertwig, „solange wir Strom haben“ – in afrikanischen Ländern immer ein Problem. Zu der logistischen und infrastrukturellen Herausforderung kommt noch die klimatische: Denn obwohl das Team zu Beginn der Trockenzeit anreist, müssen sie immer noch mit feuchtwarmen 30 bis 35 Grad rechnen.

Die Interplast-Helfer fahren auf Einladung der örtlichen Verwaltung nach Sierra Leone. Die einheimischen Ärzte und Pfleger werden soweit möglich in die Arbeit eingebunden und angelernt, damit sie die Arbeit im Idealfall weiterführen können. Im Vorfeld werden die einheimischen Ärzte schon einmal eine Vorauswahl treffen, damit das Helferteam aus Deutschland in der kurzen Zeit möglichst vielen Patienten helfen kann.

Dabei soll vor allem denjenigen geholfen werden, die sich eine Behandlung nicht leisten können. Das Spektrum der Eingriffe ist breit. „Wir rechnen mit Kindern mit Verbrennungen, mit hand- und gesichtschirurgischen Eingriffen, aber auch mit offenen und infizierten Frakturen“, erklärt Rolf Overs-Frerker. Aber das ist Theorie. Was genau auf sie wartet – von den Arbeitsbedingungen bis zur Schwere der Verletzungen und Krankheiten – werden sie erst vor Ort erfahren.

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