Hildegard Zervos schreibt Geschichte

Von: Christoph Lammertz
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Erst vor drei Jahren hat Hildegard Zervos mit dem Hirschrufen begonnen. Jetzt hat die Oberziererin es als erste Frau bis zur Deutschen Meisterschaft gebracht. Foto: Abels

Oberzier. Furchtbar aufgeregt sei sie gewesen, sagt Hildegard Zervos. Und dass es am Ende nur zum neunten, dem letzten Platz reichen würde, habe sie vorher gewusst. Doch die 63-Jährige schaut überglücklich, wenn sie von ihrem großen Wettkampf in der Dortmunder Westfalenhalle berichtet.

Aus gutem Grund, denn die Oberziererin ist dort in die Geschichte eingegangen: als erste weibliche Teilnehmerin an der Deutschen Meisterschaft der Hirschrufer.

Hirschrufer? Das sind Menschen, die in Plastikröhren, Meeresschneckenhäuser oder hohle Ochsenhörner pusten und dabei Töne produzieren, die ein Hirsch als Brunftschrei missdeuten könnte. Im wirklichen Leben wollen Jäger mit den nachgeahmten Brunftschreien den Hirsch aus der Deckung locken.

Um bei der Deutschen Meisterschaft der Hirschrufer zu starten, muss man allerdings kein Jäger sein. „Man muss sich einfach nur bewerben”, sagt Hildegard Zervos. Das hat sie in diesem Jahr zum ersten Mal getan, obwohl die Idee schon seit Jahren in ihr reift.

„Ich bin keine Jägerin, aber ich liebe die Natur und bin mit meinem Hund jede freie Minute im Wald”, erzählt die Oberziererin, deren größtes Hobby das Bogenschießen ist.

Auch wenn sie es wohl selber nicht übers Herz brächte, auf Wild zu schießen, interessiere sie alles, was mit Wald, Jagd und Hund zu tun hat. Deshalb sei sie seit Jahren Stammgast auf der Messe „Jagd und Hund” in der Dortmunder Westfalenhalle. Und dort geht eben jene Hirschrufer-Meisterschaft über die Bühne, die Hildegard Zervos schon lange verfolgt.

Irgendwann hat sie es dann einfach selber ausprobiert, hat bei der Jagdveranstaltung „Halali” in Monschau zum ersten Mal selber für eine Jury geröhrt und landete gleich ziemlich weit vorne. Nun fühlte sie sich reif für die große Bühne.

Warum ihre Bewerbung zur Deutschen Meisterschaft erfolgreich war, kann die 63-Jährige gar nicht sagen. Vielleicht reizte ja die Veranstalter die Vorstellung, mit der ersten Teilnehmerin noch größere Aufmerksamkeit für den Wettbewerb zu gewinnen.

Obwohl er sich, weil viele sich über die Brunftschreie aus menschlicher Kehle gerne amüsieren, auch bisher nicht über mangelnde Popularität beklagen konnte. Und doch ging die Rechnung mit der ersten weiblichen Teilnehmerin auf.

„Die Medienvertreter haben sich nach dem Wettbewerb alle um mich gedrängt, obwohl ich immer wieder betont habe: Die Sieger stehen da hinten.” Der Interview-Marathon sei eine noch größere nervliche Belastung gewesen als der Auftritt auf der Bühne, sagt Hildegard Zervos. Und er dauerte deutlich länger. Vielleicht eine gute Minute stand die Oberziererin im Rampenlicht.

„Ein paar unterschiedliche Rufe vorführen - das wars dann auch schon”, erklärt sie. Den Rest regelt die Jury.

Die wählte Männer aufs Podest, die seit Jahren erfolgreich röhren. „Das sind absolute Profis. Da habe ich mir keine Chance ausgerechnet”, betont Hildegard Zervos. Der letzte Platz sei vollkommen in Ordnung: „Mir ging es darum, Spaß zu haben - und den hatte ich.”

Auch weil die männlichen Konkurrenten sie sehr nett in ihren Reihen aufgenommen hätten, sagt die 63-Jährige: „Wie gesagt, ich war sehr aufgeregt. Aber ich habe mich trotzdem wohlgefühlt.”

So sehr, dass sie sich eine Wiederholung des Abenteuers Deutsche Meisterschaft der Hirschrufer durchaus vorstellen kann. Und wer weiß: Vielleicht reicht es ja irgendwann auch zu mehr als dem ehrenvollen neunten Rang. Schließlich hat sich erst kürzlich bei einem Test am lebenden Objekt gezeigt, dass Hildegard Zervos durchaus eine Meisterin ihres Fachs ist.

Mit einem offenbar perfekt gelungen Ruf habe sie einen Platzhirsch angelockt. „Der kam neugierig auf mich zu - ganz nah ran”, berichtet sie begeistert. Wenn das nicht Mut macht für eine weitere Karriere als vermutlich bester weiblicher Hirschrufer Deutschlands.
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