„High Huhn“: Western „made in Heimbach“

Von: Beate Weiler-Pranter
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In Heimbach ist im Rahmen des dritten Filmseminars mit dem Berliner Regisseur Rolf Teigler ein Western der etwas anderen Art entstanden: „High Huhn“ statt „High Noon“ heißt es auf der Burg Hengebach am 25. August. Foto: Beate Weiler-Pranter

Heimbach. Er ist der klassische Westernheld: Regungslos sitzt er in seinem Schaukelstuhl, den Hut tief in die Stirn gezogen. Im Zeitlupentempo zieht er an seinem Zigarrenstummel und bläst blauen Dunst in die Luft, die Beine lässig auf dem Tisch gekreuzt. Und über die Spitzen der Cowboystiefel hinweg mustert er lauernd seinen Gegenüber. Ein visuelles Kräftemessen – wie vor einem Duell. „Prima! Danke“, schallt eine Stimme über das Film-Set. Diesmal ist die Szene im Kasten.

Unter dem Titel „High Noon – Wir drehen einen Western“ leitete der Berliner Regisseur Rolf Teigler zum dritten Mal ein Filmseminar in Heimbach. 14 Tage lang hatten die Kursteilnehmer die Chance, ihren eigenen Film zu realisieren: Von der Idee bis hin zum fertigen Streifen. Um sich aufs Thema „Western“ einzustimmen, tauchten die Cineasten zunächst mit Filmdozent Rolf Teigler tief in die Bildsprache der amerikanischen Leinwand-Helden ein. Danach begann das Team, sein eigenes Drehbuch zu schreiben. Ganz bewusst arbeiteten die Kursteilnehmer dabei mit Klischees und spielten augenzwinkernd auf berühmte Film-Klassiker wie „Zwölf Uhr Mittags“ an. Denn: Ein Duell muss nicht unbedingt mit dem Schießeisen ausgetragen werden.

Alfred und Elisabeth Zinnemann heißen die beiden Kontrahenten, deren Eheprobleme in diesem Heimbach-Western wortlos mit der Kamera begleitet werden. Die Namensgebung der Darsteller ist eine bewusste Anspielung an Fred Zinnemann, der mit seinem Meisterwerk „Zwölf Uhr mittags“ 1952 die Kinos eroberte.

Bevor die Heimbacher Dreharbeiten beginnen konnten, musste das Filmteam erst den geeigneten Drehort suchen und die Laien-Schauspieler „casten“: In den Schrebergärten „Über Rur“ fanden die Cineasten ein passendes Gartenhäuschen, das mit seiner kleinen Holz-Veranda an die Originalschauplätze der historischen Filmvorlagen erinnert.

Auch bei der Besetzung der beiden Rollen hatten die Kursteilnehmer Glück: Peer Krischbin wurde bei seiner abendlichen Radtour für den Film entdeckt. Als er an ihnen vorbeiradelte, sahen die Filmemacher in ihm die Idealbesetzung des Alfred Zinnemann: drahtige Figur, markantes Gesicht, silbergraue, lange Haare. Spontan sprachen sie ihn an und Krischbin war sofort bereit, bei den Dreharbeiten mitzuwirken. Carmen Ruscica alias Elisabeth Zinnemann kam ebenfalls durch einen Zufall zu ihrer Filmrolle. „Ich war gerade dabei, meine Fenster zu putzen, als das Telefon klingelte.“ Da die Erstbesetzung unvermutet abgesagt hatte, suchte Kursteilnehmerin Theres Knuth kurzfristig eine neue Darstellerin und so stand die temperamentvolle Italienerin – während des Drehs in Westernmanier respektvoll „Carmelita“ genannt – mit Peer Krischbin drei Tage vor der Kamera.

Für Regie, Requisite und Kameraführung waren ab jetzt die Filmfans verantwortlich. Dozent Teigler gab aus dem Hintergrund ergänzende Tipps: „Achtung! Am Donnerstag hatte Carmelita andere Schuhe an!“ So konnten mögliche Anschlussfehler in der Folgeszene vermieden werden. Schon zum zweiten Mal nahm die 18-Jährige Theres Knuth aus Drove an einem Teigler-Kurs teil und stand erneut hinter der Kamera.

Ekkehard Christoffels aus Vettweiß, der früher bereits in der Medienwerkstatt Düren aktiv war, hatte sich extra zwei Wochen Urlaub genommen, um bei dem Western-Projekt mitzumachen. Und Wolfgang Müller – eigens aus Landau in der Pfalz angereist – fand lobende Worte: „Ich habe bundesweit recherchiert, um so ein Kursangebot zu finden. So etwas gibt es nur in Heimbach. Das ist für mich einzigartig.“ Denn hier seien alle Facetten des Films berücksichtigt, betonte der promovierte Psychologe, bevor er mit den Schauspielern die nächste Szene durchsprach.

Nach Drehbuchschreiben und den Filmaufnahmen steht in der zweiten Kurswoche nun die Schnitttechnik auf dem Programm. Unter der Leitung des preisgekrönten, mexikanischen Cutters Angel Cano werden die einzelnen Sequenzen zu einem gut zehn Minuten langen Film zusammengefügt. Im Rahmen des Akademiefestes am 25. August ist der witzige Western „Made in Heimbach“ dann erstmals auf Burg Hengebach zu sehen.

Entscheidend für das außergewöhnliche „Ehe-Duell“ ist übrigens ein Heimbacher Federvieh, so dass der Filmtitel „High Noon“ in Anspielung auf den eigentlichen Hauptdarsteller humorvoll in „High Huhn“ umgetextet wurde.

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