Hess: „Wir haben zu lange geschlafen”

Von: Tobias Röber
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Wann kommt die B 56n? Geht es
Wann kommt die B 56n? Geht es nach Eberhard Hess (rechts) sofort. Minister Harry K. Voigtsberger betonte die Dringlichkeit des Projekts.

Düren. Bei einem Thema wird Eberhard Hess besonders energisch: dem Bau der Umgehungsstraße B 56n. Am Mittwoch empfing der Geschäftsführer der Firma Krafft Walzen prominenten Besuch in Düren: Harry K. Voigtsberger, Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW.

Den massiven Verkehr im Jahr 2009 NRW-weit höchsten gemessenen Stickstoffdioxidwerte an der Euskirchener und Schoellerstraße wollen Eberhard Hess und seine Mitstreiter nicht länger hinnehmen. Hess sprach gleich zu Beginn des Gesprächs von einer erhöhten Zahl an Krebs erkrankter Menschen in diesem Bereich - und von Todesfällen.

Nachdem Voigtsberger sich ein Bild der Firma gemacht hatte, stand vor allem der Verkehr auf dem Programm. „Eine leistungsfähige Infrastruktur ist sehr wichtig, und da ist die B 56 ein wichtiger Punkt”, betonte der Minister und versprach, dass bei der nun anstehenden Finanzplanung mit dem Bund eben dieses Projekt B 56n besprochen werde.

Klage gegen Trassenverlauf

Was aber nicht bedeutet, dass umgehend mit dem Bau begonnen werden kann. Seit September 2010 gibt es den Planfeststellungsbeschluss für den Neubau. Sieben Kilometer soll die Strecke lang sein, teils zwei- und teils vierspurig gebaut werden und rund 30 Millionen Euro kosten. Nur gibt es zusätzlich zu diesem Beschluss auch eine Klage eines Bürgers. Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte die aufschiebende Wirkung der Klage gegen den geplanten Trassenverlauf der B 56n bereits vor einiger Zeit angeordnet.

Harry K. Voigtsberger rechnet mit einer Entscheidung im nächsten halben Jahr. „In der Regel dauern solche Klageverfahren anderthalb bis maximal zwei Jahre”, sagte der Minister. Zudem sei der Bau der B 56n als vorrangig eingestuft. Ob das aber direkt zum Erfolg führt, bleibt fraglich. Zum einen steht künftig weniger Geld für solche Projekte zur Verfügung, zum anderen warten die Dürener schon eine Weile auf die Umsetzung.

Seit 40 Jahren wird inzwischen über dieses Projekt diskutiert. Zwar sagte Voigtsberger, dass es auch Projekte gäbe, auf die seit noch längerer Zeit gewartet werde, Eberhard Hess ist das Warten jedoch leid. „Wir haben zu lange geschlafen. Stuttgart 21 hat den Bürgern die Augen geöffnet, dass sie etwas bewegen können. Wir müssen Lärm machen”, sagte er.

Ebenfalls für reichlich Diskussionsstoff sorgt die Brücke an der B 56. Dass die Brücke bald erneuert werden muss, steht fest. Schon jetzt wird sie regelmäßig geprüft, ob sie noch sicher genug ist. In diesem Punkt beschwichtigt Harry K. Voigtsberger: „So lange die Brücke freigegeben ist, so lange ist sie auch sicher.” Düren steht mit einem solchen „Brückenproblem” längst nicht alleine da. „39 000 Brücken in ganz Deutschland sind in die Jahre gekommen, die Hälfte davon in NRW”, erklärte der Minister.

Behelfskonstruktion

Mit dem Abriss der Brücke an der Schoellerstraße soll im Jahr 2014 begonnen werden. Inklusive Bau einer Behelfskonstruktion und Brückenneubau werden zweieinhalb Jahre ins Land ziehen. 6,5 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. Und was ist, wenn die Brücke vorher „ausfällt”? Abschließend kann die Frage derzeit wohl kaum geklärt werden. Die Prüfintervalle werden bei Bedarf immer kürzer, und der Verkehr muss je nachdem eingeschränkt werden, um die Brücke zu entlasten, über die täglich rund 25 000 Fahrzeuge rollen.

Eberhard Hess schüttelt bei dem Gedanken schon jetzt den Kopf. Die Behelfsbrücke wird einspurig sein und sicher für den einen oder anderen Stau sorgen. „Diese zweieinhalb Jahre müssen dann durchgestanden werden”, sagt der Minister. „Aber warum muss es überhaupt zweieinhalb Jahre dauern?”, fragte Hess. Seiner Meinung nach könne der Neubau schneller beendet sein. Voigtsberger verwies hingegen auf den Bau während des laufenden Betriebs. Zudem müsse die internationale Bahnstrecke berücksichtigt werden.
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