Herrsching: Nächster Härtetest für die Powervolleys

Von: Guido Jansen
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Fast fehlerfrei: Die Dürener Annahme mit Matthias Pompe (v.l.), Blair Bann und Jan-Philipp Marks lieferte im Europapokal gegen Lyon eine starke Leistung ab. Foto: Guido Jansen

Düren. „Punkt für Punkt denken.“ So lautet die Denkweise, die Trainer Anton Brams immer wieder von seinen Volleyballern fordert. Im ersten Europapokalspiel seit vier Jahren wurden die SWD Powervolleys am Mittwoch in Sachen Punkt-fünf-Punkt-Denkweise auf eine harte Probe gestellt.

Denn zwischen dem 10:8 und dem 10:9 im zweiten Satz des ersten Europapokalspiels gegen das französische Team Asul Lyon Métropole verging eine geschlagene halbe Stunde. Das Computerprogramm zum Erfassen des Spielprotokolls hatte sich eine Auszeit genommen. Die digitale Begleitung eines Spiels ist Vorschrift in der Bundesliga, und selbstredend auch international.

„Das ist schwer, nach einer so langen Unterbrechung wieder sofort voll bei der Sache zu sein“, sagte Brams. Sein Team meisterte die Aufgabe. Zwar machte Lyon den nächsten Punkt. Allerdings waren die Powervolleys in der Folge das deutlich bessere Team. Düren verteidigte deutlich mehr gegnerische Angriffe, Düren war im Aufschlag deutlich effektiver und machte insgesamt weniger Fehler.

„Wir haben uns von nichts irritieren lassen und das Spiel stark durchgezogen“, lobte Brams. Die Gäste, immerhin der Meisterschaftsdritte der vergangenen Saison im Land des Europameisters, wirkten ob der Dürener Intensität wahlweise überfordert oder wenigstens nicht bereit zu sein, gleichviel in die Partie zu investieren. Vielleicht wirkte sich im Spielverlauf das Wissen aus, dass ihr bester Angreifer, der Weltstar Vladimir Nikolov, geschont wurde. Schulterprobleme, hieß es.

Beim Rückspiel am 18. November in Lyon hat Düren jetzt einen leichten Vorteil. Selbst im Fall einer 2:3-Niederlage wären die Powervolleys eine Runde weiter. Verliert Düren 0:3 oder 1:3, dann fällt die Entscheidung über das Erreichen der zweiten Runde des CEV-Europapokals in einem Tiebreak direkt im Anschluss.

Trachten-Trikots

Die Aufgabe ist allerdings noch weit weg, wenn die Mannschaft weiter der Punkt-für-Punkt-Philosophie ihres Trainers folgt. Denn der nächste Punkt wird am Samstag um 19 Uhr gespielt, wenn die Bundesliga-Partie auswärts gegen den TSV Herrsching angepfiffen wird. Im vergangenen Jahr konnte Düren die Bayern zweimal glatt bezwingen. Allerdings hat sich beim selbst ernannten „geilsten Club der Welt“ viel getan. Seit dieser Saison spielen Ferdinand Tille, der Abwehrchef der deutschen Nationalmannschaft, und Zuspieler Patrick Steuerwald, ebenfalls Nationalspieler, für den TSV.

Nach außen leben die Herrschinger das Image des Spaßvereins, sie laufen in Trikots auf, die bayrischen Trachten nachempfunden sind. Wer mit Steuerwald und Tille allerdings zwei Volleyballer in seinen Reihen hat, die zu den besten ihres Fachs in Deutschland gehören, der hat nicht nur Spaß im Sinn. Das wurde direkt am ersten Spieltag deutlich, als die Herrschinger in heimischer Halle die SVG Lüneburg geschlagen haben.

Lüneburg, da war doch was. Da sind die Powervolleys vor neun Tagen böse auf die Nase gefallen. Brams Mannschaft konnte nicht mithalten mit der kompakten Lüneburger Mannschaft und der intensiven Stimmung. Deutlich war zu merken, dass die Lüneburger besser eingespielt waren, weil sie weniger Spieler in ihrem Kader haben, die aufgrund von Nationalmannschaftsverpflichtungen zu ihrem Team gestoßen sind. Genau ein solches Szenario erwartet die Dürener jetzt wieder. Ein kompakter und gut eingespielter Gegner in kleiner Halle, der aus der komfortablen Ausgangslage eines Außenseiters ohne Druck aufspielen kann.

„In der vergangenen Saison konnten wir am Ende durch die Liga rollen, weil wir unseren Rhythmus gefunden hatten“, sagte Dürens Abwehrchef Blair Bann. „Die Liga ist stärker geworden. Das funktioniert nicht mehr.“ Das liegt an Lüneburg, dem enorm starken Aufsteiger aus Frankfurt, und eben an Herrsching.

Steigerung erkennbar

Die nächste Auswärtsaufgabe ist aufgrund der Parallelen zu Lüneburg die perfekte Gelegenheit für Düren, das geplante und angekündigte Wachstum während der Saison unter Beweis zu stellen. In den jüngsten zwei Heimspielen in der Liga gegen Bühl und im Europapokal war er zu sehen, die Powervolleys konnten sich im Spielverlauf immer steigern. Wie beispielsweise Angreifer Jan-Philipp Marks. Der hätte im Europapokal zum Spieler des Spiels gewählt werden müssen. Aber im Vergleich zur Bundesliga gibt es dieses Ritual auf europäischer Ebene nicht. Bei seinem ersten Einsatz in Lüneburg spielte er unsicher, gegen Bühl solide und jetzt stark.

„Das ist eine Entwicklung, die die ganze Mannschaft zeigt. Wir werden langsam konstanter, weil wir mehr Erfahrung gesammelt haben, wie wir gemeinsam auf dem Spielfeld agieren“, erklärte der Trainer. Damit endet Brams Sicht auf das große Ganze und er richtet den Fokus auf den ersten Punkt am Samstag um 19 Uhr.

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