Herr aller Daten und Zahlen: Der Scout der Powervolleys

Von: Sandra Kinkel
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Herr aller Daten und Zahlen: Kai Niklaus (26) arbeitet als Scout für den Dürener Volleyball-Bundesligisten. Hoch oben in der Arena hat er seinen Arbeitsplatz. Foto: Sandra Kinkel
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Jubel ohne Ende: Denkbar knapp gewinnen die SWD Powervolleys ihr erstes Play-off. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Jaaaa! Denkbar knapp mit 3:2 (20:25, 21:25, 25:19, 25:15 und 15:13) haben die SWD Powervolleys das erste Play-off gegen die SVG Lüneburg gewonnen – und sind ihrem großen Ziel vom Einzug ins Halbfinale einen wichtigen Schritt näher gekommen. Rund 1800 Zuschauer in der Arena erlebten einen wahren Volleyball-Krimi.

Kai Niklaus hat das erste Play-off am Sonntagabend von seinem Stammplatz ganz oben in der Arena beobachtet – und zwar so ruhig und konzentriert wie immer. Hier sitzt er bei jeder Partie mit einem Laptop und einer Videokamera. „Von hier oben“, sagt Niklaus, „hat man einfach den allerbesten Blick. Und den muss ich haben.“ Der 26-jährige Maschinenbau-Student aus Steckenborn arbeitet nämlich als Scout bei den Powervolleys und verpasst schon allein deswegen kein deutsches Volleyball-Bundesliga-Spiel.

Aber Niklaus guckt nicht „einfach nur so“. Er analysiert die Spiele. „Ich gebe jeden Ballkontakt von jeder Partie in ein spezielles Computerprogramm ein. Sind die Daten erfasst, werte ich sie aus.“ Kai Niklaus‘ Ziel ist es, die Powervolleys und Trainer Tommi Tiilikainen mit wichtigen Informationen über die Gegner zu versorgen. „Anhand der Daten kann man zum Beispiel sehen, welche Angriffsrichtung einzelne Spieler haben, in welche Richtung ihre Aufschläge in der Regel gehen. Das kann für den Ausgang eines Spiels wichtig sein.“

Niklaus guckt sich wirklich jedes Spiel an, das sind pro Spieltag fünf Partien. „Etwa zehn bis zwölf Stunden nach den Spielen sind die Videos der Begegnung online. Dafür sorgen die Vereine. Dann beginnt meine Arbeit.“ Und die dauert locker zwei bis drei Tage, oder besser Nächte. „Meistens“, sagt Kai Niklaus, „schaue ich mir die Spiele in der Tat nachts an. Das hat sich irgendwie so eingebürgert.“

Niklaus, der früher Scout bei den Aachener „Ladies in Black“ war, die auch in der Ersten Bundesliga spielen, ist über persönliche Kontakte zu den Verantwortlichen der Powervolleys nach Düren gekommen. „Ich mag Zahlen und Statistiken“, sagt er. „Ich bin sehr computer- und technikbegeistert. Und ich liebe Volleyball. Der Job ist also für mich absolut perfekt.“

10 bis 15 Seiten mit Zahlen und Analysen bekommt der Trainer nach jedem Spieltag von Kai Niklaus, außerdem schneidet der noch spezielle Videos für das Team zusammen. „Zum Beispiel alle Sequenzen der Angreifer“, sagt er. „Oder die der Annahmespieler.“ Klar, dass der Volleyball-Fan, der übrigens selbst in der Bezirksliga als Zuspieler beim TuS Schmidt spielt, auch die Spiele der eigenen Mannschaft auswertet. „Ich bin bei jeder Begegnung dabei, auch bei allen Auswärtsspielen“, sagt er.

Und in der Regel nimmt Niklaus auch an mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche teil. „Ich versuche, auch bestimmte Trainingssequenzen mit Zahlen zu erfassen“, sagt er. „So können wir mit Fakten belegen, ob ein Spielzug, der gerade eingeübt wird, auch wirklich funktioniert.“ Bei den Spielen der Powervolleys gibt Kai Niklaus die Daten währen der Partie in seinen Computer ein und übermittelt kurze Videosequenzen aus dem Spiel nur wenige Minuten zeitversetzt an den Trainer beziehungsweise dessen Tabletcomputer. „Natürlich sieht der Coach auch selbst, was auf dem Spielfeld passiert“, sagt Niklaus.

„Die Daten und Videos helfen ihm aber, den Überblick zu behalten.“ Tommi Tiilikainen formuliert das so: „Kai hat sehr viele Informationen, die mein Auge nicht alle hat. Er sieht ganz genau, was bei uns in der Mannschaft funktioniert und was nicht.“ Die Arbeit des Scouts sei somit auch ein sehr entscheidender Teil seiner Arbeit, ergänzt der Coach. „Kai liefert mir sehr wichtige und sehr viele Informationen. Ich bin der Filter zwischen diesen Daten und den Spielern.“ Tiilikainen: „Statistiken sind wichtig. Sie machen unsere Arbeit noch ein Stück weit professioneller.“

Klar, dass Niklaus in Vorbereitung auf die Play-offs alle Lüneburg-Spiele der Rückrunde noch einmal genau unter die Lupe genommen hat. „Ich erkenne manche Spieler mittlerweile schon an ihren Bewegungen, auch wenn ich noch gar nicht weiß, wer da gerade zu sehen ist.“

Bei vielen Partien ist für Kai Niklaus der Erfolg seiner Arbeit ganz gut messbar. „Wenn ich sehe, dass unser Plan aufgeht, ist das schon ein gutes Gefühl. Aber manchmal funktioniert das halt auch nicht.“

Ob er noch ganz normal Volleyballspiele anschauen kann? Kai Niklaus muss lachen. „Ich glaube nicht“, sagt er dann. „Ich gucke vermutlich genauer, intensiver. Eben so, als müsste ich jeden Ballkontakt notieren. Trotzdem macht es mir immer noch großen Spaß, Volleyball zu schauen. Das ist keine Frage.“

Am Mittwoch ist Kai Niklaus auch wieder dabei. Dann bestreiten die Powervolleys ihr zweites Play-off gegen Lüneburg.

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