Merode - „Hellije Buer” für die Meroder Kehlen

„Hellije Buer” für die Meroder Kehlen

Von: Bruno Elberfeld
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Michael Krieger, Archivar des
Michael Krieger, Archivar des Geschichtsvereins der Herrschaft Merode (links), und der Geschäftsführer der Dorfgemeinschaft Merode, Philipp Schmitz-Schunken, schöpfen mit alten Bierflaschen Quellwasser aus dem Überlauf vom „Hellije Buer”. Foto: bel

Merode. „Hellije Buer” heißt das naturtrübe, obergärige Bier, das die Gäste vor etwa drei Wochen bei der Abschlussfeier des Kreiswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft” im Festzelt auf dem Gelände von Schloss Merode kosten konnten.

Hellije Buer oder „Heiliger Born” bedeutet nichts anderes als „Heilige Quelle”, in anderen Deutungen auch „Heiliger Bauer”. Das Meroder Bier wird mit Wasser aus dieser Quelle hergestellt, und was lag da näher, als das zukünftige Bier „Hellije Buer” zu nennen?

Die Initiatoren, wie der Geschäftsführer der Meroder Dorfgemeinschaft, Philipp Schmitz-Schunken, halten den Geschmack noch für verbesserungswürdig. „Wenn in absehbarer Zeit die richtigen Zutaten im richtigen Mischungsverhältnis dem Geschmack der Zeitgenossen von heute entsprechen”, hofft Schmitz-Schunken, „wird Hellije Buer zwar kein Renner auf dem Biermarkt, aber eine rare Köstlichkeit, klein und fein.” Das Meroder Wasser aus der Heiligen Quelle ist jedenfalls eine sehr gute Grundlage für ein erfolgreiches Gelingen.

Brauerei Gambrinus

Wie kam es zu diesem „Hellije Buer”, dem Meroder Bier? Der Archivar des Geschichtsvereins der Herrschaft Merode, Michael Krieger, erzählt: Vor etwa 20 Jahren fand er beim Heckenschneiden eine alte Bierflasche der Dürener Brauerei Gambrinus. Zwei Jahre später entdeckte sein Vater den dazugehörigen „Klackverschluss”. Im Laufe der Zeit wurden auf dem Grundstück etwa 50 der damals üblichen Verschlüsse gefunden. Die Firmenbezeichnungen ließen den Archivaren darauf schließen, dass in der Region früher viele Brauereien existiert haben müssen.

Neugierig geworden surfte Krieger im Internet und wurde zum Brauereiexperten. Er stieß auf den Namen Johann von Troyen, der im Mittelalter durch die Einnahme der Biersteuer in Köln reich geworden war. Nach seinem Tod hinterließ er seinem Sohn Wilhelm von Troyen ein großes Vermögen. Wilhelm, der 1409 während einer Reise ins Heilige Land starb, hatte in seinem Testament der verarmten Herrschaft von Merode viel Geld vererbt. Warum? Ganz einfach: Seine Mutter war Elisabeth von Merode. Das Erbe für die Herrschaft enthielt unter anderem ein altes „Rezept für das Brauen eines Bieres”. Archivar Michael Krieger verbrachte viele Stunden in den Stadtarchiven von Aachen und Köln.

Das Original-Rezept selber war nicht mehr vorhanden. Doch ein kluger Tüftler wie Krieger wusste sich zu helfen. Er durchforstete alte Rechnungen, auf der die Zutaten standen, die für die Produktion des Bieres benötigt wurden. Rückschlüsse auf die Inhaltsstoffe waren dann zwar mühsam, aber nicht mehr so schwierig.

Mit den Inhaltsstoffen experimentiert seit einiger Zeit eine Aachener Brauerei. Erste Kostproben ließen Gastronomen aus der Umgebung schon ihr Interesse anmelden. Die Probierphase, so Philipp Schmitz-Schunken, wird in absehbarer Zeit nach etwa 600 Jahren des „Verschlossenseins” beendet. In der Herrschaft soll wieder Bier fließen. Der Erlös aus dem Bierverkauf wird, so der Geschäftsführer der Dorfgemeinschaft, für den Bau eines „Dorfgemeinschaftshauses” verwendet.

Freuen wird es die alte Quelle, die nach einer Sage von einem frommen Landmann (Heiliger Bauer) entdeckt wurde. Nach einem langen Ritt hoch zu Ross dürstete es ihn. Er hielt an, und das Reittier scharrte am Boden. Eine reiche Quelle entstand, heute an der ursprünglichen Stelle leider versiegt.

Nebenan schöpft das alte Wasserwerk zwischen Merode und Kloster Schwarzenbroich das Quellwasser aus tieferen Schichten. „Und”, so verkündete Philipp Schmitz-Schunken stolz, „die Geschichte vom ?Hellije Buer, sowohl die der Quelle als auch die des Bieres, wird weiter geschrieben.”
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